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Wie schon 2018 im Berliner Olympiastadion (Foto) zeichnet Kerstin Novotny auch im August in München für die Wettkampf-Organisation der Leichtathletik-Europameisterschaften verantwortlich.

Leichtathletik-EM

Der Münchener Olympiapark ist die neue Heimat

Die Langgönserin Kerstin Novotny zeigt sich für die EM-Wettkämpfe der anstehenden Leichtathletik-EM verantwortlich.

Langgöns. Es mögen etliche hundert Kinder sein, die in den vergangenen Jahrzehnten von Rainer Finkernagel in die Grundzüge der Leichtathletik eingewiesen worden sind. Einige davon haben diese Ausbildung bei der LG Langgöns-Oberkleen genutzt, um später auf nationaler und internationaler Ebene erfolgreich aufzutreten, zuletzt Lisa Mayer.

Einen besonderen Stellenwert unter den Zöglingen Finkernagels hat sich Kerstin Novotny verdient. Stets dem Sport und der Leichtathletik verbunden, bereitet sie derzeit als Sportdirektorin Wettkampf die Europameisterschaften dieser olympischen Kernsportart, die vom 15. bis 21. August 2022 in München ausgetragen werden, vor.

Diese EM ist in die European Championships eingebunden, die neun Sportarten beinhalten und bereits am 11. August an der Isar starten. »Dabei finden alle Titelkämpfe erstmals zusammen an einem Ort statt«, berichtet die 39-Jährige im Rahmen eines Besuchs im Elternhaus in Langgöns. Was auch damit zusammenhängt, dass es heuer 50 Jahre her ist, dass die Olympischen Sommerspiele 1972 in München stattfanden.

Bei der Premiere der geballten Europameisterschaften vor vier Jahren waren noch zwei Städte Austragungsorte. Die anderen acht Disziplinen trafen sich in Glasgow, die Leichtathleten ermittelten zeitgleich ihre Kontinentalmeister in Berlin. Mittendrin und mit dabei war damals schon Kerstin Novotny. Auch 2018 zeichnete sie als Sportdirektorin für den sportlichen Ablauf der Wettkämpfe verantwortlich. So verwundert es nicht, dass der groß gewachsene Blondschopf auch diesmal wieder für diesen Teil der Organisation verpflichtet wurde.

Erfahrungen bringt die vielfältig in Mittelhessen verwurzelte Leichtathletik-Expertin genügend mit. Denn bevor sie 2015 zur Vorbereitung der EM nach Berlin wechselte und zwischen 2019 und Mai 2020 zeichnete Novotny beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) für den Wettkampfbetrieb verantwortlich.

»Im Grundsatz sind das die gleichen Aufgaben wie beim DLV«, gibt sie zu, dass sie in München aus einem großen Fundus schöpfen kann. Um dann aber ihrer Begeisterung für das »große Event« in acht Monaten ungebremst Ausdruck zu geben. Erst einmal »profitieren die verschiedenen Sportarten voneinander« durch die Zusammenlegung an einem Ort. Dazu sei der Olympiapark von 1972 immer noch ein ideales Gelände für solche Veranstaltungen. Und schließlich entsprächen die Meisterschaften auch den Forderungen nach Nachhaltigkeit, zählt sie die wichtigsten Pluspunkte auf. Pauschal formuliert ist Kerstin Novotny als Sportdirektorin Wettkampf für die sportlichen Abläufe zuständig. Etwa den Zeitplan. »Der steht bereits!« Dann für die Sportstättenausstattung. So handele es sich bei der Laufbahn im Olympiastadion derzeit noch um rot angestrichenen Asphalt und müsse noch der Tartanbelag verlegt werden. Aufwärmen und Training müssten organisiert und die Sportgeräte beschafft werden. Die Auswahl und Instruktion der Kampfrichter (unter nationalen und regionalen Gesichtspunkten) falle genauso in ihre Verantwortung wie die Verpflichtung der Volunteers und Helfer. »Da hatten wir eher die Qual der Wahl, die konnten wir schon früh organisieren.«

Bis zum Sommer werde es ein siebenköpfiges Team sein, das sich mit ihr um diesen Bereich der Championships kümmere. Insgesamt sind 180 Personen mit der Vorbereitung der Großveranstaltung beschäftigt.

Zur Beruhigung auch ihrer Nerven trägt die Generalprobe bei. Denn am 13. August erlebt das Olympiastadion einen U20-Länderkampf der Leichtathletik mit vier Nationalmannschaften. »Das ist der letzte Test. Dann kann ich mich hoffentlich als Zuschauerin auf die Tribüne setzen«, blickt sie voraus. Wohlwissend, dass sie auch während der EM ständige Ansprechpartnerin sein wird. Wobei sie natürlich weiß, dass noch ein Schatten auf der Austragung dieses großen Sportereignisses liegt. »Wir hoffen, dass es stattfindet«, droht auch in München die Corona-Pandemie immer im Hintergrund. »Wir müssen abwarten, was es für Einschränkungen gibt«, will Novotny aber zumindest den Sportlerinnen und Sportlern größtmögliche Normalität verschaffen.

Ihren Optimismus begründet die Sportdirektorin mit dem guten Verlauf der Vorbereitung. »Es sind noch acht Monate und wir sind in der Umsetzungsphase«, sieht die Teilzeit-Langgönserin sich und ihr Team voll in der Spur. »Ich sehe uns auf der Zielgerade, es wird konkreter.«

München dürfte (genauso wie vorher Berlin) für sie nur eine zwischenzeitliche Heimat bleiben. Dafür ist Kerstin Novotny in Mittelhessen genauso verwurzelt wie in der Rhein-Neckar-Region um Heidelberg. Was sich durch ihre Vita leicht erklären lässt. Denn geboren in Heidelberg zogen ihre ebenfalls sportlichen Eltern bereits ein Jahr später nach Langgöns um.

Dort erlebte die heranwachsende Hobby-Leichtathletin Kindheit und Jugend, um ein Betriebswirtschaftsstudium an der Uni Gießen anzuschließen. Und zu Elmar Knappik zur TSG Gießen-Wieseck zu wechseln. Zahlreiche Wettkämpfe, gerade auch im Wetzlarer Stadion, hat sie in guter Erinnerung bewahrt, wobei die 200- und die 400-Meter-Strecken genauso ihr Domizil waren wie der Siebenkampf. Und sie mehrfach bis zu Deutschen Meisterschaften führten.

Aber Sport allein war nicht ihr wirkliches Metier. »Ich wollte schon immer in den organisatorischen Bereich.« Nach dem Vordiplom in Gießen ging es 2005 nach Heidelberg. »Ich habe etwas mit Sportmanagement und Wirtschaft gesucht«, berichtet sie, dass sie an der dortigen Fachhochschule fündig wurde. Was auch einen Wechsel zum USC Heidelberg beinhaltete, dem sie immer noch angehört, dort aber nicht mehr wettkampfmäßig aktiv ist.

Aktiv war Kerstin Nowotny aber schon früh beim Leichtathletik-Verband. Nach diversen Praktika und einer Diplomarbeit über die Attraktivität von Leichtathletik-Veranstaltungen stieg sie 2007 richtig beim DLV ein. Und zeichnete bald für den Bereich Wettkampforganisation verantwortlich.

Aus dieser Zeit hat sie auch noch ihren Hauptwohnsitz in Schriesheim an der Badischen Bergstraße. Doch wenn Kerstin Novotny sich selbst als sehr »bodenständig« charakterisiert, dann meint sie vor allem Langgöns. Wozu auch die Trainingsstunden bei Rainer Finkernagel beigetragen haben.

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