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Der nächste Schritt für Philipp Cloos

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Philipp Cloos im Eintracht-Trikot. © Red

Biebertal/Frankfurt. Den Traum, irgendwann einmal in der Bundesliga zu spielen, hegen viele Nachwuchskicker. Seinem persönlichen Traum zumindest einen Schritt nähergekommen ist Philipp Cloos, denn er ging im vergangenen Sommer von der TSG Wieseck zu Eintracht Frankfurt. Mit dem Wechsel in den Juniorenbereich des hessischen Aushängeschildes ist der Zeitaufwand natürlich nochmal deutlich größer geworden als zuvor, was der 15-Jährige für sein Ziel allerdings gerne in Kauf nimmt.

Seine Leidenschaft für den Sport entdeckte der Biebertaler schon früh. »Als er vier Jahre alt war, ist er schon mit dem Fußball ins Bett gegangen«, berichtet Mutter Aline Cloos anschaulich. Nach einigen Jahren bei der FSG Wettenberg wechselte Cloos zunächst zum SC Waldgirmes und absolvierte Zusatztraining bei der Wiesecker Talentförderung und im DFB-Stützpunkt in Grünberg.

Anfragen aus Köln und Jena

Stiefvater Volker Künkel, früher selbst höherklassig am Ball, war beim SCW auch in Philipps Trainerteam und merkte schnell, dass es dem Nachwuchskicker beim Team aus der Lahnaue an Herausforderungen fehlte. »Er zählte zu den besten Spielern der Mannschaft, aber er war dennoch unterfordert. Wenn er sich weiterentwickeln wollte, war ein Wechsel unumgänglich«, erinnert sich Künkel. Dass Philipp auch abseits des Trainings viel allein mit dem Ball arbeitete und seine Technik schon früh verbesserte, machte sich nun bemerkbar. Das Förderzentrum der TSG Wieseck war die nächste Station, die ihm ein Weiterkommen auf hohem Niveau ermöglichte. Durch seine permanente Weiterentwicklung, die gute Arbeit im Jugendförderzentrum und konstant gute Leistungen liefen mit der Zeit erste Angebote von namhaften Mannschaften ein. Dazu gehörten der 1. FC Köln, aber auch der FC Carl Zeiss Jena buhlte hartnäckig um Cloos, den sie direkt in der U17-Junioren-Bundesliga spielen lassen wollten. »Doch das hätte natürlich einen frühen Umzug bedeutet und vielleicht auch Probleme mit sich gebracht. Für uns war es sehr wichtig, dass sich Philipp neben dem Fußball auch auf die Schule konzentriert und diese neben dem Sport in Ruhe abschließen kann«, berichtet Mutter Aline.

Nachdem das Angebot der Eintracht auf dem Tisch lag, wurde sich letztlich dafür entschieden, da der 15-Jährige so weiterhin auf seine Schule gehen und trotzdem dem Fußball ambitioniert nachgehen konnte. »Wir haben uns da schon Zeit gelassen bei der Entscheidung und sind alle Optionen durchgegangen. Letztlich haben wir uns für Frankfurt entschieden und bislang habe ich die Entscheidung auch zu keiner Sekunde bereut, im Gegenteil: Ich bin wirklich toll aufgenommen worden, der Verein macht wirklich eine super Arbeit«, berichtet Philipp Cloos von seinen ersten Monaten bei den Kickern »Mainhattans«.

Selsbtverständlich brachte der Wechsel einen zeitlichen Mehraufwand mit sich, denn neben den Spielen am Wochenende stehen jede Woche zahlreiche Trainingseinheiten in Frankfurt auf dem Programm. »Im ersten halben Jahr war es aufgrund der Corona-Vorgaben an uns allen, Philipp zum Training und zu den Spielen zu fahren. Mittlerweile bietet die Eintracht wieder einen Fahrservice an, bei dem sie mehrere Spieler der Region abholt, zum Training und auch wieder nach Hause bringt. Zu den Spielen fährt immer jemand aus der Familie mit, da will man ja dabei sein und nimmt die Fahrt gerne in Kauf« berichten Aline Cloos und Volker Künkel unisono.

Rund 25 Stunden ist Philipp wöchentlich für den Fußball unterwegs. Ein Aufwand, den man in diesem Alter schon betreiben »wollen muss«, denn logischerweise bleibt für Freizeit ansonsten wenig Raum. »Es war schon von klein auf mein Traum, es mal in die Bundesliga zu schaffen. Daher nehme ich das jetzt sehr gerne in Kauf und versuche, das Bestmögliche zu erreichen«, beschreibt Cloos, der im Februar seinen 16. Geburtstag feiert und aktuell für die U16 und manchmal auch bereits für die U17 der Eintracht am Ball ist.

Da ihm aber bewusst ist, dass es nur ein geringer Prozentsatz der Nachwuchsspieler in die allerhöchsten Ligen schafft, schaut er auch nicht zu weit voraus. »Der Start in Frankfurt war wirklich gut, mein nächstes Ziel ist es daher, daran anzuknüpfen und mich weiterzuentwickeln. Dazu gehört natürlich auch, noch in Eigenregie etwas zu tun, wenn mal kein Training ist.«

Die Mutter nennt dafür beispielsweise freiwillige Läufe ihres Sohnes bei strömendem Regen oder zahlreiche Stunden im heimischen Garten, um Tricks anderer Kicker zu erlernen. »Er hat schon einen enormen Willen und wirklich großen Ehrgeiz, es zu schaffen. Selbst in den Ferien sind nur wenige Tage trainingsfrei. So oder so ist diese Zeit für ihn aber auch sehr wichtig. Daraus nimmt er sicherlich ganz viel mit für sein Leben«, so Philipps Mutter, die zugleich Wert darauf legt, zu betonen, dass das Bestreben von ihrem Sohn selbst kommt. »Wir drängen Philipp nicht dazu, bestimmte Sachen zu tun. Er muss hinter dem stehen, was er tut, und wir unterstützen ihn alle darin!«

»Fußballverständnis, einen guten Blick für das Spiel, Schnelligkeit und hohe Passgenauigkeit« bescheinigt Volker Künkel dem Nachwuchsmann. Der Linksfuß selbst, der sich im Offensivbereich spielt, sieht bei sich noch ein paar andere Attribute. »Ich würde schon sagen, dass ich von meiner Schnelligkeit lebe, Flanken, Dribbling und der Torschuss sind, denke ich, auch meine Stärken«, sagt der 15-Jährige, der aber auch anfügt: »An meiner Körperlichkeit muss ich aber noch arbeiten. Da bestehen sicherlich noch Defizite.«

Luca Waldschmidt als Vorbild

Mit Thomas Broich und Jérôme Polenz sind Philipp Cloos bereits zwei ehemalige Bundesligaspieler bei der Eintracht als Trainer begegnet, eine wichtige Rolle spielt zudem Luca Waldschmidt. Der 25-Jährige, den Philipp persönlich kennt und der aktuell das Trikot des VfL Wolfsburg trägt, ging von Frohnhausen aus den gleichen Weg wie Cloos und fand über Wieseck und Frankfurt den Weg in die Bundesliga. Vater Wolfgang Waldschmidt, den Künkel schon seit vielen Jahren kennt, ist ebenfalls ein wichtiger Wegbegleiter und gibt wertvolle Tipps. Dass Philipp Cloos sich auch Trikots seines Vorbildes zugelegt hat, versteht sich von selbst. Schönes Schmankerl: Jetzt im Januar stand ein Tor des Biebertalers zur Auswahl zum Tor des Monats der Eintracht-Nachwuchsspieler. Darüber hat sich der 15-Jährige sehr gefreut.

Für mindestens eine weitere Spielzeit trägt Philipp Cloos den Adler auf der Brust, die Junioren-Bundesliga in der kommenden Saison ist das nächste Ziel des Biebertalers. Ob er sich seinen Traum von der Bundesliga erfüllen kann, ist natürlich noch nicht abzusehen. Der nächste Schritt aber ist gemacht - und an Ehrgeiz, Motivation und Engagement wird es dem 15-Jährigen auch in Zukunft definitiv nicht mangeln.

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Geschwindigkeit, Passgenauigkeit und der Abschluss zählen zu den Stärken des Biebertalers. © Eintracht Frankfurt

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