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Die Dauerkarte macht wieder Spaß

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Von: Alexander Fischer

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Mit ganz viel Wille: 46ers-Akteur Luis Figge setzt sich gegen den besten Düsseldorfer, Booker Coplin, durch. Foto: Schepp © Schepp

Gießen. Vor dem Spiel bekam Volker Bouffier von Geschäftsführer Jonathan Kollmar und Aufsichtsratssprecher Wolfgang Greilich eine Dauerkarte auf Lebenszeit überreicht. Der ehemalige hessische Ministerpräsident wird sie des Öfteren nutzen. Und dies nicht nur, weil er deutlich mehr Zeit hat als früher. Sondern weil seine Gießen 46ers, die noch MTV 1846 hießen, als er mit ihnen Deutscher A-Jugendmeister wurde, wieder Spaß machen.

Nach einer mehr als traurigen letzten Saison, nach dem verdienten Abstieg aus dem Basketball-Oberhaus und nach Orientierungsschwierigkeiten in der ProA stehen für die Männerturner inzwischen zehn Siege bei sechs Niederlagen, Tabellenplatz drei sowie gute Aussichten, die Playoffs erreichen zu können, zu Buche.

Gießen 46ers - Giants Düsseldorf 100:88

»Wenn mir jemand vor der Runde erzählt hätte, dass wir im Januar bereits zehn Siege eingefahren haben, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt«, strahlte Trainer Branislav Ignjatovic am Sonntagabend nach dem 100:88 (49:43)-Erfolg am vorletzten Vorrunden-Spieltag gegen die ART Giants Düsseldorf. »Der Sieg in der Overtime am Mittwoch in Leverkusen hat uns Selbstvertrauen gegeben. Nun haben wir uns erst einmal im Vorderfeld festgesetzt. Was will ich mehr?«

In die gleiche Kerbe schlug auch Luca Finn Kahl, nachdem Kapitän Nico Brauner die euphorisch mitgehenden Fans auf der Stehtribüne mit der obligatorischen Humba auf das versprochene Freibier eines Sponsors im Foyer eingestimmt hatte: »Es läuft, wir sind im Flow«, grinste der 25-Jährige. »Wenn wir unsere Heimspiele weiter gewinnen und ab und zu auch mal auswärts etwas reißen, dann ist mir vor den nächsten Monaten nicht bange.«

Und Roland Nyama, im ersten Viertel von seinem erbosten Coach ob einiger Patzer in der Defense noch kräftig zusammengefaltet, im zweiten Abschnitt nach einem spektakulären Block, einem verrückten Steal und einem Dreier zum 34:33-Zwischenstand von den 2163 Zuschauern aber zünftig gefeiert, strahlte: »Wir hatten heute die richtige Energie, die notwendig ist, um Spiele zu gewinnen. Was soll ich sagen? Es läuft zurzeit einfach bei uns«, wusste der Frankfurter Bub nicht nur, dass er und seine Männer im achten Osthalle-Auftritt den siebten Sieg eingefahren hatten, sondern auch, dass sie nach der unnötigen 99:102-Pleite kurz vor Weihnachten gegen die Uni Baskets Paderborn inzwischen mit dem dritten Erfolg in Serie auch wieder in der Spur sind.

Wovon im ersten Viertel trotz einer 19:10-Führung noch nicht viel zu sehen war, denn nach zehn Minuten hatten die Männer vom Rhein schon wieder ausgeglichen. »Am Anfang haben wir uns echt schwergetan. Erst als wir besser geworfen, mehr gearbeitet und deren gute Schützen besser kontrolliert haben, sind wir ins Rollen gekommen«, wusste Igor Cvorovic, der nach sechs Partien Pause wegen einer Schulterluxation mit vier Punkten und einem Rebound in nur 3:38 Minuten Einsatzzeit ein brauchbares Comeback gegeben hatte. »Ich freue mich, dem Team endlich wieder helfen zu können«, strahlte der Montenegriner wie ein Honigkuchenpferd, als die Fans seinen Namen skandierten.

Fundic zur Stelle

»Wir haben schlicht und ergreifend nicht genügend gepunktet«, befand Gäste-Co-Trainer Matthew Dodson, der seinen grippekranken Chef Florian Flabb engagiert vertrat. »Aber wer einen Stefan Fundic in seinen Reihen hat, der ist nun mal schwer zu besiegen«.

Recht hatte der Hüne aus der australischen Metropole Adelaide, denn der Gießener Big Man war es, der in den zweiten zehn Minuten den Schalter für sein Team umlegte. Mit acht Punkten, drei Rebounds und zwei Blocks blies Fundic zum Angriff, der beim 40:35 (17.) durch Kapitän Nico Brauner nach Traumpass von Jordan Barnes erstmals auch Zählbares offenbarte. Beim 69:52 (28., Dreier Justin Martin) hatten die 46ers die Giants aus Düsseldorf endgültig im Griff. Der Hunderter, den Igor Cvorovic 24 Sekunden vor Schluss besorgte, war nur noch die Kirsche auf der Torte, die sich die Hausherren schmecken ließen.

Weil sie die gefährlichen Dreierschützen der Gäste im Griff hatten. Weil 23 gegenüber elf Assists aller Ehren wert waren. Weil sie die Kugel gut laufen ließen. Weil sie keine überhasteten Entscheidungen trafen. Weil sie nur neun gegenüber 17 ART-Turnovers produzierten.

Weil Jordan Barnes gekonnt Regie führte und nicht nur seinen US-Landsmann Justin Martin, sondern auch seine deutschen Nebenleute suchte und fand. Weil neun versenkte Dreier in 20 Versuchen überdurchschnittlich sind. Weil Roland Nyama den Weckruf seines Coaches verstanden hatte. Und weil die Halle hinter ihren Helden stand.

»Super Gießen, super Gießen«, ließen die Anhänger ihre Mannschaft nach der Schlusssirene hochleben, ehe sie den freundlich winkenden Branislav Ignjatovic mit langanhaltenden »Frenki, Frenki«-Gesängen feierten.

Volker Bouffier hatte auf der Tribüne seinen Spaß am Auftritt der 46ers. Er wird seine Dauerkarten noch des Öfteren benutzen.

Gießen: Barnes (16), Brauner (21), Fundic (22), Figge (6), Kahl (1), Martin (12), Strangmeyer, Nyama (15), Miksic (3), Cvorovic (4).

Düsseldorf: Richmond (16), Silic, Coplin (19), Mikutis (4), Dizdar, Gebhardt (7), Rollins (6), Möller (4), Hollowell (11), Rigoni (5), Friederici (10), Boner (6).

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