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Die Energie der dritten Line-Up

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Auch der passt: Reo Fujimoto beim erflogreichen Abschluss. Foto: Diekmann © Diekmann

Wetzlar . Wer will, kann den 72:61-Erfolg des RSV Lahn-Dill gegen Hannover United in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga in besonderem Maße Thomas Böhme zuschreiben. Überragende 34 Punkte bei knapp 35 Minuten Spielzeit künden davon, zumal der Weltklasse-Guard schon zur knappen 31:30-Halbzeitführung 20 Zähler für seine Farben beigesteuert hatte. »Thommy hat heute wieder einmal ein überragendes Spiel gegen uns gemacht«, meinte denn auch Gäste-Trainer Martin Kluck leicht resigniert.

»Es lief auch für mich gut«, gab der Angesprochene sich eher bescheiden.

Doch so wie Cäsar nicht alleine Gallien erobert hat, so war es nicht nur der 31-jährige Mannschaftskapitän, der im 13. Ligaspiel den 13. Sieg der Gastgeber garantierte. Schließlich zeigte der japanische Center Reo Fujimoto bei seinen 24 Punkten eine noch größere Effektivität in Sachen Wurfausbeute. Und auch wenn die Wurfstatistik mit Matthias Güntner (9 Pinkte), Quinten Zantinge (3) und Ghazian Choudry (2) nur noch drei weitere erfolgreiche Namen aufführte (bis zur Halbzeit hatte neben Böhme und Fujimoto sogar nur noch Güntner für den RSV getroffen), so war es eine starke Teamleistung. Diese machte vergessen, dass die beiden ersten Auftritte im neuen Jahr gegen Frankfurt und Trier eher ein sehr bescheidenes Gütesiegel erhalten hatten.

Doch es brauchte seine Zeit, bis sich der amtierende Meister richtig eingerollt hatte. Schließlich sahen sich die Gastgeber vor der eher mageren Kulisse von 550 Zuschauern in der Wetzlarer Buderus-Arena nach dem 6:6-Zwischenstand (3. Spielminute) einem 6:16-Rückstand fünf Minuten später gegenüber und hieß es nach dem ersten Viertel 13:20. Doch die früh mit Personalwechseln reagierende RSV-Cheftrainerin Janet Zeltinger hatte bald die richtige Mischung gefunden. »Unsere dritte Line-up hat das dann richtig gut gemacht. Deren Energie hat den Unterschied gebracht«, hob die Deutsch-Kanadierin die Fünf mit Böhme, Fujimoto, Güntner, Zantinge und Catharina Weiß hervor, die die Begegnung in für die Mittelhessen sichere Bahnen lenkte. »Dann haben wir uns gefunden«, blickte Thommy Böhme zurück. »Anschließend hatten wir das Spiel im Griff«, ergänzte Zeltinger, auch wenn Hannover mit den ehemaligen Lahn-Dillern Jan Haller und Jan Gans immer mal wieder auf drei Punkte herankam.

»Die haben auch gut gespielt«, zollte die Trainerin dem Rangdritten ein Lob. Bei United sah Coach Martin Kluck, dass sein Team in einem »guten, aber nicht überragenden« Spiel »viele gute Sachen gemacht« habe. Er vermisste aber die Treffsicherheit aus der Distanz. Denn von neun Versuchen traf kein Dreier der Gäste in die Reuse. Die Partie sei für sein Team zwei, drei Wochen zu früh gekommen, meinte er.

Dabei hatte die Begegnung an einem ungeliebten Wochentag einiges zu bieten. Denn die Wetzlarer Narretei um Dirk I. und Daniela I. samt Hofstaat und Prinzengarde gab sich zum Auftakt ihrer rund 100 Auftritte in der laufenden Kampagne die Ehre und zeigte sich in der Arena an der Lahn als interessierte Beobachter des Spiels, wobei auch am Rande der eine oder andere Wurf aus dem Rollstuhl auf den Korb inbegriffen war. Zudem hatte ein Aussetzer der Anzeigetafel nach 5:33 Minuten zwischenzeitlich für eine längere Zwangspause gesorgt.

Doch das hatte Martin Kluck nicht im Sinn, als er später verkündete, in dieser Saison noch einmal an gleicher Stelle spielen zu wollen. »Dazu müssen wir Vierter in der Tabelle werden oder ins Finale einziehen«, blickte er mit einem Schmunzeln bereits den Playoffs entgegen. Das ist für den RSV Lahn-Dill aber erst einmal Zukunftsmusik. Denn nach dem Gastspiel in Essen wartet Anfang April die Qualifikation für den Champions Cup in Wien.

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