1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

»Die heiteren Spiele und der Terror«

Erstellt:

1972 - es war ein Jahr, das wie eine Chiffre für Heiterkeit und Terror steht. So richtig es ist, das Attentat des palästinensischen »Schwarzen Septembers«, das elf Israelis, einem deutschen Polizisten, aber auch fünf der acht Angreifer das Leben kostete, 50 Jahre nach den Olympischen Spielen von München in den Mittelpunkt des Erinnerns zu stellen, so darf auch der Faden der Tradition von bunten, zunächst unbeschwerten und vor allem demokratischen Spielen nicht vergessen werden.

Eine perfekte Symbiose ist dabei den Kollegen des »Münchner Merkur« gelungen, die in einem 82 Seiten starken Sonderheft unter dem Titel »Olympia München 1972 - Die heiteren Spiele und der Terror« die Blutspur der Angreifer verfolgen, die aber auch die Stars von einst (Klaus Wolfermann, Heide Rosendahl, Ulrike Meyfarth, Bernd Kannenberg, Hildegard Falck, Mark Spitz, Olga Korbut, Shane Gould) in Erinnerung rufen oder lokale Größen zu Wort kommen lassen.

Alt-OB Christian Ude erklärt, wie die Spiele das Gesicht der Stadt verändert haben. Gerhard Joksch, der Erfinder der Piktogramme, berichtet, welche Vorbilder er beim Entwerfen der legendären Balkenmännchen hatte. Max Senner lässt uns daran teilhaben, wie er den Job als Bewacher von IOC-Boss Avery Brundage bekam. Sammler Bernd Brandt öffnet seine Galerie mit Plakaten, die heute mit bis zu 500 Euro gehandelt werden. Isolde Schwamberger erinnert sich an ihre Arbeit mit dem damals einzigartigen Datenverarbeitungssystem GOLYM, das vor allem Journalisten zugute kam. Chef-Hostess Hella Rabbethge-Schiller plaudert darüber, wie sie dem Bruder des Schahs von Persien zum Zeitvertreib einen Dackel organisierte.

Und Reporter-Kollege Günter Klein deckt auf, dass der einzige Münchner, der eine Goldmedaille gewann, ein Amerikaner war. Denn Marathon-Olympiasieger Frank Shorter erblickte 1947 an der Isar das Licht der Welt. Sein Vater diente als US-Soldat in Deutschland. Das Militärhospital in Wiesbaden hatte keinen guten Ruf, also brachte Major Shorter seine schwangere Frau zur Entbindung nach München. 1972 war Shorter das erste Mal seit seiner Geburt wieder in in seiner Geburtsstadt. »Da war eine Verbindung, ich habe sie gespürt. Menschen wissen, woher sie kommen«, ließ er kurz nach der Siegerehrung wissen. Also besichtigte er das Krankenhaus, in dem er zur Welt kam. Und bei einem Volksfest gab er dem Drang nach, die Blasmusik im Bierzelt zu dirigieren. Mit Trachtenhut auf dem Kopf.

Alle, teils mit bisher unveröffentlichten Fotos versehenen Reportage ranken sich natürlich um jenen 5. September, als die Geiselnahme begann. Die Opfer bekommen in dem Sonderheft endlich ein Gesicht, die haarsträubenden Fehler von Polizei und Politik werden aufgearbeitet, der entwürdigende Kampf der Angehörigen um eine finanzielle Entschädigung wird thematisiert.

Das Magazin gibt es in den Geschäftsstellen des Münchner Merkur (Paul-Heyse-Straße 2 bis 4) zum Preis von 8,90 Euro. Es ist auch im Pressefachhandel zu erhalten. Im Onlineversand bei www.bavariashop.de für 8,90 zuzüglich Versandkosten oder als digitales Magazin für nur 4,99 Euro unter abo.merkur.de/leseportal.

Auch interessant