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Die historische Chance - zum zweiten Mal

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Ab nach Sevilla: Auch die Eintracht-Ersatzspieler Goncalo Paciencia (links) und Timothy Chandler fiebern dem Finale der Europa League entgegen. © dpa

Frankfurt (pep). Manchmal hilft schon ein kurzer Blick zurück, um die Aktualität einzuordnen. Es war am 9. Mai des letzten Jahres, als die Frankfurter Eintracht im eigenen Stadion gegen den Nachbarn aus Mainz nicht über ein 1:1 hinauskam. Zum ersten Mal seit dem 19. Spieltag, Ende Januar 2021, waren die Frankfurter damit aus den Champions-League-Plätzen gefallen.

Die Querelen um Trainer Adi Hütter und Sportchef Fredi Bobic, die ohne Rücksicht auf den Klub ihre eigenen Agenden verfolgt und mitten in der Erfolgsserie ihre Abschiede angekündigt hatten, waren der Grund für den sportlichen Absturz, der in der Europa-League endete.

»Eine historische Chance wurde verpasst«, hieß es in nahezu allen Schlagzeilen, auf Jahre hinaus werde die Eintracht der Champions-League nicht mehr so nahe kommen. Was für Irrtum. Jetzt, genau ein Jahr später, hat diese damals als Trostpreis empfundene Europa League die Frankfurter wieder ganz nahe an die Champions-League gebracht. Ein einziger Sieg noch am nächsten Mittwoch im Finale in Sevilla gegen die Glasgow Rangers und die Frankfurter wären tatsächlich dabei im Kreis der Reichen und Schönen, würden sich zumindest für eine internationale Saison mit Real, mit Barcelona, mit Paris, mit Liverpool und Manchester messen. So schnell kann es manchmal in der Geschichte des Fußballs gehen. Die historische Chance ist wieder da - zum zweiten Mal.

6:1-Triumph

Nur ein einziges Mal hat sich die Eintracht bisher mit den Glasgow Rangers in Wettspielen gemessen, im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister 1960. Damals waren die Schotten die klaren Favoriten.

Diesmal gibt es keinen Favoriten. Die Frankfurter erinnern sich voller Freude und Stolz an diese beiden Spiele. Am 13. April 1960 wurden die Rangers mit 6:1 aus dem Waldstadion geschossen, es war bis dahin eine der größten Sensationen der Fußball-Geschichte. 75 000 Zuschauer hatten die vielleicht beste Leistung einer Frankfurter Mannschaft in der langen Vereinsgeschichte gesehen, Alfred Pfaff (2), Dieter Linder (2), Dieter Stinka und Erwin Stein hatten die Tore erzielt. Im Rückspiel am 5. Mai 1960 konnte die Eintracht ihren Erfolg eindrucksvoll bestätigen. Vor 68 000 Zuschauern setzte sie sich auch in Schottland durch, diesmal mit 6;3. Alfred Pfaff (2), Erich Meier (2), Richard Kreß und Dieter Lindner waren die Torschützen. Als der Mittelstürmer von damals, Erwin Stein, vor ein paar Jahren gebeten wurde, die Spieler aus diesen Tagen mit jenen von heute zu vergleichen, wählte er deutliche Worte. »Dazwischen liegen Welten und mehr als ein halbes Jahrhundert«, sagte Stein mit einem Lächeln, »bei uns hatte ein Verteidiger schon Klasse, wenn er den Ball so weit wie möglich nach vorne vors Tor trat. Was die heute auf zwei, drei Quadratmetern im Hochgeschwindigkeitstempo mit dem Ball anstellen, Dribbeln, Doppelpässe, ist sensationell. Da wird mir beim Zuschauen schwindlig«. Erwin Stein wird nächste Woche als Ehrengast mit dabei sein in Sevilla.

Wenn er aufs Datum schaut, werden die Erinnerungen alle wieder hochkommen. 1960 hat die Eintracht schon einmal in einem Finale gestanden. Es war der 18. Mai in Glasgow gegen Real Madrid, jetzt ist es auf den Tag genau 62 Jahre später wieder der 18. Mai, diesmal gegen die Rangers. Wenn das kein Zeichen ist.

127 000 Fans

Damals in Schottland gegen Spanier, diesmal in Spanien gegen Schotten. Nur das Ergebnis soll ein anderes werden. Gegen Real um die legendären Alfredo di Stefano und Ferenc Puskas hatte die Eintracht beim 3:7 keine Siegchance. Diesmal gegen die Rangers ist alles offen. Der größte Unterschied abseits des Platzes: 1960 waren sage und schreibe 127 000 Zuschauer Augenzeugen des Endspiels, diesmal dürfen nur 40 000 zuschauen.

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