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Die HSG als Kieler Stimmungskiller

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Treffsicher für die HSG Wetzlar: Adam Nyfjall überwindet Kiels Torwart Niklas Landin und trägt seinen Teil zum Sieg bei. © Röczey

Die HSG Wetzlar weiß, wie man dem deutschen Handballrekordmeister THW Kiel ordentlich die Stimmung verhagelt.

Wetzlar. Eigentlich war es ein Tag zum Feiern. Eigentlich, denn Niklas Landin, Torhüter des deutschen Handballrekordmeisters THW Kiel, musste seinen 33. Geburtstag zunächst im Mannschaftsbus und dann in der Wetzlarer Rittal Arena verbringen. Das gemeinsame Familienfest am Sonntagnachmittag mit Ehefrau Liv Skov Christensen und den Kindern Pelle und Silje musste verschoben werden, der Beruf eines Profi-Handballers geht nun einmal solchen Ereignissen vor.

Feierfreude wäre allenfalls noch auf der Rückfahrt von Wetzlar nach Kiel aufgekommen, wenn da nicht die mittelhessischen Handballer dem hohen Favoriten einen Strich durch diese Rechnung gemacht hätten. Aus Wetzlarer Sicht verlief das Aufeinandertreffen mit den Kieler »Zebras« wie zuletzt und wie »ganz früher«. Im vierten der letzten vier Begegnungen holten sich die Mittelhessen am Sonntag mit 29:27 den dritten Sieg, nachdem ihnen zuvor aufgrund der sensationell hohen Resultate (27:20-Erfolg in Kiel und 31:22 in Wetzlar) schon das Attribut »Kieler Angstgegner« angedichtet wurde. Und diese charakteristische Eigenschaft hat durchaus eine Wetzlarer Vergangenheit.

Nach dem Aufstieg der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen 1998 in die Beletage des deutschen Handballs dauerte es sechs Bundesligarunden, ehe der THW Kiel am 29. April 2004 erstmals aus der Sporthalle in der Wingertenstraße in Dutenhofen als Sieger vom Feld ging. Legendär die Aussage des damaligen THW-Trainers Noka Serdarusic, der die anhaltende Erfolgslosigkeit seines Teams bei den Mittelhessen von 1999 bis 2002 sarkastisch kommentierte: »Nach Dutenhofen brauchen wir gar nicht mehr zu fahren. Wir schicken die Punkte mit der Post dort hin.« Aus dem Angstgegner vor 20 Jahren ist ein Kieler Schreckgespenst geworden, das am Sonntag wieder zuschlug.

Dabei »nagelte« Geburtstagskind Landin in der Anfangsphase der Partie seinen »Kasten« regelrecht zu. Da schnellt sein linker Arm hoch und versperrt den Weg des Balles ins Tor oder das ausgestreckte Bein erreicht Kopfhöhe, um den gegnerischen Wurf zu blocken. Es war die erste Viertelstunde des Spiels, in der der Kieler Schlussmann zeigte, weshalb er Welthandballer des Jahres 2019, Weltmeister mit Dänemark 2019 und 2021 wurde.

Doch mit fortschreitender Spielzeit musste der Ausnahmekönner wie seine Mannschaftskollegen auch der Tatsache Tribut zollen, dass auf dem Rechteck in der Rittal Arena das 29. Kieler Pflichtspiel der laufenden Saison stattfand.

Plötzlich waren die »Wetzlarer Jungs« handlungsschneller, zeigten ein eingespieltes Rückzugsverhalten und eine hohe Plantreue in der Umsetzung der taktischen Vorgaben ihres Trainers Ben Matschke. Hinzu kam, dass Landin-Gegenüber Till Klimpke (23 Jahre) in der ersten Halbzeit mit einer Paradenquote von 43 Prozent - Handball-Enthusiasten sprechen ab 40 Prozent von Weltklasse - dem Spiel seinen Stempel aufdrückte.

Auch wenn HSG-Coach Ben Matschke nach der Partie »das Gefühl hatte, dass Kiel sehr, sehr müde war«, unterstrich er doch die Bedeutung der Begegnung für seine Truppe, die das letzte Heimspiel des Jahres absolviert hatte.

»Ein solches Spiel setzt noch einmal Kräfte frei, man will sich schön verabschieden von den Fans. Das ist uns gelungen, wir hatten wenige technische Fehler und einen intelligenten Angriff. Kiel ist nicht zu einfachen Toren gekommen«, kommentierte der HSG-Übungsleiter den Sieg, der für die Gäste und für Geburtstagskind Niklas Landin als »gebrauchter Tag« in die THW-Annalen geht. Die HSG bleibt das Kieler Schreckgespenst.

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