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Die Leiden des jungen Werfers

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Erlangen/Wetzlar (vsch). Es ist und bleibt in diesen Tagen der Pandemie eine der meist gestellten zwischenmenschlichen Einstiegsfragen: »Und, wie geht’s Dir?« »Ganz gut eigentlich«, sagt Steffen Fäth an diesem Morgen.

Diese positive Antwort konnte der Rückraumspieler des HC Erlangen, der an diesem Donnerstag (19,05 Uhr) in der Nürnberger Arena auf die HSG Wetzlar trifft, in den vergangenen eineinhalb Jahren beileibe nicht so oft geben. »Es war schwierig, vor allem seit Sommer 2020. Seitdem hatte ich gefühlt acht Muskelfaserrisse in den Beinen«, sagt der 31-Jährige. »Ich bin bislang hier in Erlangen nie in irgendeiner Form in einen Spielrhythmus gekommen«, ergänzt der Europameister von 2016.

Rückblende: 2010 zieht es den Frankfurter nach Lehrjahren bei der SG_Wallau/Massenheim, den Rhein-Neckar Löwen und einer Ausleihe zum VfL_Gummersbach an die Lahn. Bei der HSG Wetzlar wächst Fäth zu einer echten Persönlichkeit und zum Nationalspieler heran. Er erzielt in 179 Erstligapartien satte 747 Tore für die Grün-Weißen. Höhepunkt im DHB-Dress sind der Europameister-Titel 2016 (mit den HSG-Kollegen Andreas Wolff und Jannik Kohlbacher) sowie die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio im gleichen Jahr. Danach versucht er sein Glück bei den Füchsen Berlin und erneut bei den Löwen aus Mannheim, ehe er im Sommer 2020 nach Franken kommt.

Eine Leidenszeit jagt die nächste

Das erfolgversprechende Projekt HC Erlangen lockt den Familienmensch mit Frau Julia sowie den Töchtern Lea (7) und Lara (5) in die Metropolregion Nürnberg. In Großenseebach, einem 2500 Einwohner zählenden Dorfs, finden sie ein gemütliches Zuhause. Weniger gemütlich gestaltet sich der weitere Karriereverlauf des Handball-Profis Steffen Fäth. Eine Corona-Erkrankung zu Beginn der Pandemie im März 2020 verläuft noch glimpflich, in Diensten des HCE beginnt dann aber eine Leidenszeit. »Ich war bei vielen Ärzten«, so Fäth. Er habe zwar keine richtige nachgewiesene Glutenunverträglichkeit, doch ernährungstechnisch umgestellt. »Ich habe unter anderem zwei Monate komplett auf glutenhaltiges Essen verzichtet. Es ging mir vom Magen her viel besser, also habe ich es beibehalten. Nicht so strikt, heißt: Wenn ich mit der Familie mal eine Pizza esse, ist das okay. Aber wir backen zum Beispiel zu Hause unser Brot selbst, damit komme ich gut zurecht.«

Nichtsdestotrotz streikte sein Körper bereits beim zweiten Spiel der laufenden Runde gegen Flensburg erneut. »Da war es eine Faszien-Verletzung an der Wade. Ich habe wieder acht Wochen ausgesetzt«, blickt der 79-fache Nationalspieler zurück. Bei der überraschenden Heimniederlage der Erlanger vergangene Woche gegen Stuttgart zwickte es wieder. »Deshalb habe ich dort nochmal pausiert. Jetzt bin ich zurück im Team, habe normal trainiert«, freut sich Fäth auf das Duell gegen seinen ehemaligen Verein.

»Wir wissen natürlich, wie schwer es immer gegen Wetzlar ist. Die HSG hat in Flensburg nur knapp verloren. Aber unser Anspruch muss ganz klar Heimsieg sein«, erklärt der gebürtige Hesse. »Es kann nicht sein, dass wir wie gegen Stuttgart nach sieben Minuten mit 0:6 zurückliegen. Dann wird es gegen jeden Gegner in der Bundesliga schwer.

Das soll an diesem Donnerstag aus Sicht des HC Erlangen anders laufen. Steffen Fäth wird alles daransetzen, aktiv auf dem Feld den Bock für die Franken umzustoßen. Mal schauen, ob das gelingt beim x-ten Comebackversuch des leidenden jungen Werfers. »Ich habe letztens mit einem Teamkollegen nachgeschaut. Seit ich hier bin, habe ich noch keine fünf Spiele am Stück gemacht.« Da können wir ihm nur die in der Pandemie obligatorisch gewordenen Abschiedsworte zurufen: »Bleib gesund.«

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