Die letzte Nuss ist geknackt

Lübbecke/Wetzlar. Wer in das Gesicht von Olle Forsell Schefvert blickte, der sah Erschöpfung. Der schwedische Abwehrchef und Antreiber par excellence war gerade zu Boden gegangen, hart verteidigt von der gegnerischen Deckung. Doch »Ulle«, wie er gerne genannt wird, trotzte in dieser letzten Spielminute des Kalenderjahres 2021 noch einmal den Strapazen, bekam den folgenden Freiwurf wieder in die Finger und drosch die Harzlederkugel voller Vehemenz ins Netz.

Nachdem Till Klimpke auf der Gegenseite den finalen Ball des TuS N-Lübbecke pariert hatte, kam der Handball nochmal zu Forsell Schefvert. Der vergrub ihn wie ein Fußball-Torhüter unter sich - wenige Sekunden später konnte die EM-Pause kommen. Mit dem 28:25 (13:12) in Ostwestfalen feierte die HSG Wetzlar den fünften Bundesliga-Sieg in Folge, setzte der besten Vorrunde ihrer Geschichte im Oberhaus das i-Tüpfelchen drauf und kann nun in den wohlverdienten Urlaub gehen.

»Wir haben einfach Spaß an der Arbeit, gehen in jedes Spiel mit guter Laune rein und haben uns heute wieder für die harte Arbeit belohnt. Denn wir wussten ganz genau, dass es ein hartes Spiel wird«, sagte Till Klimpke nach der Begegnung, in der der Motor der Wetzlarer noch einmal auf Touren kommen musste.

TuS N-Lübbecke - HSG Wetzlar 25:28

Das Einzige, was in der Startphase der Jahresabschlusspartie beider Teams nicht funktionierte, war dann auch die Ergebnis- und Spielzeiteinblendung bei der Sky-Liveübertragung.

Die 832 Zuschauer, die live in der Merkur-Arena auf den Tribünen saßen, hatten schon vor der Begegnung einen Eindruck von der aktuellen HSG-Truppe bekommen. Das Aufwärmen der Gäste war an Teamgeist, Entschlossenheit und gegenseitigem Mutmachen kaum zu überbieten. Und nach einem anfänglichen 1:2-Rückstand brachten die Grün-Weißen die PS dann auch aufs Parkett. Das dieses Mal von Trainer Ben Matschke präferierte internationale Außen-Duo Domen Novak und Emil Mellegard sowie Kapitän Maximilian Holst vom Siebenmeterstrich und Stefan Cavor sorgten für eine 6:2-Führung der Wetzlarer (9.).

Die Hausherren, nach diesem ersten von insgesamt drei Vier-Tore-Rückständen in Hälfte eins in einer Auszeit von Coach Emir Kurtagic neu eingestellt, taten sich enorm schwer mit der aggressiven und aufmerksamen Deckung der Grün-Weißen. Torhüter Anadin Suljakovic, erneut zu Beginn im Kasten des Tabellenfünften, nahm Tom Skroblien zudem einen Strafwurf weg, vorne beendete der ansonsten erneut phlegmatisch wirkende Lenny Rubin seine ungewöhnlich lange Torlos-Auszeit zum 7:4, und Felix Danner markierte zwei blitzsaubere Treffer vom Kreis.

Vorwerfen lassen konnte sich Ben Matschke lediglich, den agilen Magnus Fredriksen zwischenzeitlich auf die Bank beordert und stattdessen Alex Feld aufs Feld geschickt zu haben. Der »neue« Mittelmann entwickelte deutlich weniger Ideen. Die Folge: N-Lübbecke holte speziell dank Valentin Spohn und Benas Petreikis auf und lag zur Pause nur noch mit 12:13 im Hintertreffen.

Im zweiten Durchgang verteidigte der Dauergewinner von der Lahn seinen Vorsprung hartnäckig. Beim 18:17 (41.) wackelte das Bollwerk HSG kurzzeitig mal, ehe Adam Nyfjäll einen Abpraller in die Maschen pfefferte. Etwas enger wurde es dann nur noch ein einziges Mal, als Spohn auf 19:21 für die Gastgeber verkürzte (45.).

Holst sicher

Die Schlussviertelstunde gehörte dann wieder den Mannen um den erneut traumwandlerischen Siebenmeterschützen Maxi Holst. Der Kapitän ging voran, Rubin taute spät, aber nicht zu spät auf, und der Rest gab ebenfalls noch einmal ordentlich Gas.

Als Olle Forsell Schefvert schließlich vorne und hinten die Schlussakkorde setzte, war auch die letzte Nuss des Jahres 2021 geknackt. Bravo, HSG Wetzlar!

N-Lübbecke: Asheim, Rezar - Heiny, Petreikis (6), Strosack (3), Mundus (n.e.), Dräger, Kontrec, Mrakovcic (1), Spohn (8), Nissen (1), Speckmann (1/1), Petrovsky, Skroblien (5), Franke.

Wetzlar: Klimpke, Suljakovic - Srsen, Nyfjäll (2), Kusan (n.e.), Danner (2), Weissgerber (n.e.), Holst (5/5), Fredriksen (1), Forsell Schefvert (3), Mellegard (3), Rubin (3), Novak (4), Cavor (5)

Schiedsrichter: Hartmann/ Schneider (Magdeburg/Irxleben) - Zuschauer: 832 - Zeitstrafen: N-Lübbecke vier (Kontrec, Dräger, Skroblien, Strosack), Wetzlar zwei (Rubin, Nyfjäll) - verworfene Siebenmeter: Skroblien (N-Lübbecke) scheitert zwei Mal an Suljakovic (17., 32.).

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