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Die Sache mit der Grünen Karte

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Chancenlos im Pokalspiel beim HC Erlangen: Magnus Fredriksen und die HSG Wetzlar. © Ben

Erlangen. Betreuer »Migge« Rühl lauschte mit einem Ohr den Ansagen von André Kolb und Markus Kauth. Die beiden Unparteiischen aus dem bayrischen Schwaben berieten sich kurz - und entschieden dann gegen die HSG Wetzlar. Schade, denn die Grün-Weißen hatten sich gerade das Harzleder geschnappt und wollten den Weg zum achten eigenen Treffer einschlagen.

HC Erlangen - HSG Wetzlar 31:19

Doch Michael Haaß, der Trainer des DHB-Pokal-Achtelfinalgegners HC Erlangen, hatte vielleicht Sekundenbruchteile vor dem Ballverlust seiner Jungs die Grüne Karte auf den Zeitnehmertisch gelegt. Also Auszeit für die Gastgeber und weiter »nur« 7:4 für die Mannschaft von Co-Trainer Jasmin Camdzic. Diese Szene sollte die Wende bedeuteten, zugunsten der in der Handball-Bundesliga angeschlagenen, an diesem Dienstagabend aber dann entfesselt aufspielenden Franken. Der HCE zerlegte die Wetzlarer danach in ihre Einzelteile und nahm mit dem 31:19 (12:9) Revanche für die Punktspielniederlage vor zwölf Tagen.

Ben Matschke, der wegen seines positiven Corona-Testergebnisses die Partie aus der häuslichen Quarantäne via Facebook-Livestream von zu Hause verfolgte, dürfte nicht begeistert gewesen sein. Die Auslosung zum Viertelfinale am 17. Dezember findet ohne ihn und seine nach solider Startphase stark abbauende Mannschaft statt. »Bis zur 15. Minute waren wir auf Kurs, anschließend haben wir den Kopf verloren und sehr viel verworfen. Wir haben nicht clever gespielt«, bilanzierte »Jasko« Camdzic.

Schon die erste Halbzeit stand aus Sicht der ohne Felix Danner und Tomislav Kusan auflaufenden Gäste unter dem Motto: Wenn das Wörtchen wenn nicht wär. Wenn die Schiedsrichter, die der Härte auf dem Feld nicht immer Herr wurden, nach 16 Minuten beim Stand von 7:4 für Wetzlar besagten Ballverlust der Erlanger eben nicht zurückgepfiffen hätten ... Aber auch wenn Adam Nyfjäll beim 9:9-Zwischenergebnis in Minute 25 nicht die einzige klare Möglichkeit vom Kreis gegen »Pummelchen« Martin Ziemer »versemmelte« hätte ... Wenn Stefan Cavor und Lenny Rubin anstatt wie die Kaninchen vor der Schlange zu kreuzen mit Finten die aggressive Abwehr der Franken auszutricksen versucht hätten ...

So aber folgten dem Siebenmeter-Hattrick von Kapitän Maximilian Holst zur nun zum dritten Mal erwähnter Drei-Tore-Führung Minuten der offensiven Tristesse. Ein Ballverlust nach dem anderen, dazu Zeitstrafen gegen Domen Novak, Rubin (nach einem verbalen Scharmützel mit dem ebenfalls bestraften Johannes Sellin) und Ivan Srsen - und, was das Entscheidende war, ein leichter Treffer nach dem anderen für die Hausherren. Glücklicherweise hielt Till Klimpke im Kasten vor der Pause insgesamt sieben Würfe des Gegners, sonst wäre beim Seitenwechsel der Pokal-Ofen im Hexenkessel der Karl-Heinz-Hiersemann-Halle bereits aus gewesen.

Letzter Lichtblick

Durchgang zwei begann dann zwar mit der nächsten Klimpke-Parade. Doch das sollte der letzte Lichtblick an diesem gebrauchten Abend für den Gast bleiben. In Überzahl leisteten sich die Mittelhessen einen Ballverlust, einen Fehlwurf von Novak gegen den immer stärker werdenden Ziemer sowie zwei unnötige Ballverluste und zwei Gegentreffer.

Aus dem 14:9 wurde dann über die Stationen 20:11 (43.) und 26:16 (51.) ein deutlicher und verdienter Erfolg der Erlanger. Gegen eine Wetzlarer Mannschaft, deren Pokal-Ampel nach der Grünen Karte von Michael Haaß auf Rot sprang. Und die ohne ihren in der Halle fehlenden Chefcoach selbst erstaunlich abwesend wirkte.

Erlangen: Ziemer, Hassferter (bei zwei Siebenmetern) - Sellin (6), Jaeger (2), Overby, Fäth (4), Firnhaber (4), Büdel, Bissel (1), Metzner (4), Link, Jeppsson (3), Steinert (5/4), Leban (1), Olsson, Zechel (1).

Wetzlar: Till Klimpke, Suljakovic (bei einem Siebenmeter) - Feld (1), Srsen (1), Nyfjäll (2), Ole Klimpke, Mirkulovski, Weissgerber (1) Holst (6/6), Fredriksen, Forsell Schefvert (1), Mellegard (3), Rubin (2), Novak (2), Cavor.

Schiedsrichter: Kolb/Kauth (Augsburg/Taufkirchen) - Zuschauer: 300 - Zeitstrafen: Erlangen sechs (Sellin, Overby, Fäth zwei, Olsson, Zechel), Wetzlar vier (Srsen, Rubin, Novak, Cavor).

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