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Die vielen Kuriositäten des FSV Fernwald

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FSV-Trainer Daniyel Bulut sieht positiven Blickes auf die Hessenliga-Vorrunde zurück - aber auch ein wenig nachdenklich.. © Bär

Der Hessenligist blickt auf eine kuriose Vorrunde zurück. Von sieben Torhütern, verschenkten Punkte und dem Blick nach Europa.

Fernwald. »Es war eine verrückte Hinrunde. Wir hatten in jedem Spiel ein gefühltes Highlight.« Daniyel Bulut blickt nach der letzten Partie vor der Winterpause trotz der 1:2-Niederlage beim Hünfelder SV »glücklich, erleichtert und sehr zufrieden« auf 20 Spieltage in der Gruppe A der Fußball-Hessenliga zurück. Sehr zufrieden auch, weil mit der Bilanz von sechs Siegen, neun Unentschieden und fünf Niederlagen Platz vier geschafft wurde. Ein Platz, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde berechtigt und womit gleichzeitig schon nach der ersten Halbserie der Klassenerhalt gesichert ist.

»Wir haben eine weitgehend neu zusammengestellte Mannschaft, die sich immer noch erst langsam formt. Umso stolzer bin ich, dass wir es unter die ersten fünf Mannschaften geschafft haben«, freut sich Bulut in der aktuellen Pause. Diese endet mit Blick auf die am 6. März startende Playoff-Runde bereits am 25. Januar - dann starten die FSV-Kicker nämlich in die Vorbereitungszeit. Eine Woche vorher steht noch die Achtelfinal-Partie im Hessenpokal gegen den Hessenliga-Konkurrenten Türk Gücü Friedberg auf dem Programm, auf die sich Bulut mit Augenzwinkern besonders freut, denn: »Das ist der einfachste Weg nach Europa.«

»Es war ein emotionales Rauf und Runter, immer ist etwas passiert«, denkt der FSV-Coach im Rückblick auf die Runde. Beispielsweise an die ungewöhnliche Bilanz von insgesamt neun Unentschieden. Oder an den Einsatz von insgesamt sieben Torhütern. Oder an etliche Partien, die trotz teilweise doppelter Überzahl nicht gewonnen werden konnten. Und natürlich an dramatische Spielverläufe - etwa beim 3:2-Erfolg gegen den FC Bayern Alzenau, als die nordbayerischen Fußballhessen in der fünften Minute der Nachspielzeit die 2:1-Führung des FSV ausglichen und Patrick Markiewicz eine Minute später doch noch der Siegtreffer zugunsten der Fernwälder gelang.

Kartenflut zum Saisonauftakt

Dabei gingen bereits am ersten Spieltag die besonderen Vorkommnisse und die Punkteteilungen los. Beim 1:1 in Neuhof mussten der neu verpflichtete Torwart Pierre Kleinheider sowie Angriffs-Ass Nicolas Strack mit der Gelb-Roten Karte den Platz vorzeitig verlassen. Und der mit der Schiedsrichter-Leistung unzufriedene FSV-Coach Bulut sah nach dem Spiel wegen einer verbalen Attacke gegen den Unparteiischen ebenfalls noch den roten Karton. Bulut bekam dafür nur eine Geldstrafe und sah in der nächsten Partie auf der Bank ein respektables 3:3 gegen den Regionalliga-Absteiger und Titel-Mitfavoriten Eintracht Stadtallendorf. Allerdings nach einer Zwei-Tore-Führung. Gegen den Hanauer FC konnte der FSV beim 2:2 eine Halbzeit lang eine doppelte Überzahl nicht nutzen, spielte am achten Spieltag bereits zum sechsten Mal remis, war aber auch noch ungeschlagen. Beim nächsten Unentschieden, dem 2:2 bei Bayern Alzenau, erlebte das Bulut-Team ein Deja-vu, weil es erneut nicht gelang, eine doppelte Überzahl selbst bei einer 2:0-Führung zu einem Dreier umzumünzen.

Und dann wären da noch die vielen Keeper im Kader des FSV. »So viele Torhüter habe ich in meiner ganzen Trainerlaufbahn noch nicht eingesetzt«, erlebte Bulut ein auch sonst wohl einmaliges Kuriosum zwischen den Pfosten. Im neunten Spiel hatte der FSV mit den vor der Runde verpflichteten Kleinheider und Fabian Grutza, den Zweitmannschaftskeepern Tim Balser sowie Tom Sinkel, den zwischenzeitlich geholten Joao Borgert und Mithat Sahin sowie Falko Schelenz aus der A-Jugend schon sieben Torwarte eingesetzt - wegen Sperre oder meist Verletzungen. »Das war nicht gerade förderlich für das Eingespieltsein der Abwehr«, sah Bulut darin auch einen Grund für so manches Gegentor. 38 Treffer zeugen von der drittschlechtesten Bilanz der A-Gruppe. Bei den 39 erzielten Treffern hat Erdinc Solak mit acht Toren den größten Anteil. Bemerkenswert, dass neben dem 0:5 bei der SG Fulda-Lehnerz dem Runden-Tiefpunkt beim 0:4 zuhause gegen den KSV Baunatal am 14. Spieltag dann allerdings ein 5:1-Erfolg beim SV Steinbach folgte. »Auch nach Rückschlägen ruhig bleiben und wiederkommen«, hatten die Goncalves, Strack und Kollegen die Vorgabe ihres Coaches nicht nur in dieser Partie gut umgesetzt. Sie profitieren in der kommenden Playoff-Runde, die zusammen mit den fünf Ersten der B-Gruppe stattfindet, von den insgesamt sieben Punkten, die der FSV Fernwald in der Vorrunde gegen ihre bisherigen Konkurrenten aus Fulda, Erlensee, Neuhof und Stadtallendorf geholt hat. Diese Zähler werden mit in die Aufstiegsrunde genommen.

»Haben unser Ziel erreicht«

Bei all den Turbulenzen und Kuriositäten im Spielbetrieb haben die Corona-bedingten Einschränkungen und Besonderheiten bei den FSV-Fußballern und im Vereinsumfeld keine so große Bedeutung gehabt. Zumal die auch sonst eher dürftigen Zuschauerzahlen nicht so sehr gelitten haben. Gegen Barockstadt Fulda-Lehnerz kamen 350, gegen Stadtallendorf an die 450 Interessierte. »Fußballer sind aus dem Spiel Regeln gewohnt, nach denen sie sich richten müssen«, hat Marko Semlitsch, der Sportliche Leiter beim FSV, bisher keine Probleme mit den vorgegeben Hygieneregeln bemerkt. Im Gegenteil. In den letzten vier Wochen vor dem Vorrundenende beschlossen die Spieler eine zusätzliche Vorsichtsmaßnahme, um sich vor dem Virus zu schützen. Vor jedem Betreten der Kabine zum Training oder des Busses zur Auswärtsfahrt führten Spieler und Offizielle Blitztests, die der Verein zur Verfügung stellte, durch. »Hauptsache wir können im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern Fußball spielen. Da nimmt man Einschränkungen in Kauf«, nimmt es Semlitsch (»Der Modus ist in Ordnung und sehr interessant«) locker, der auch wie sein Trainer (»Es sind kaum Spiele ausgefallen, der Verband hat alles richtig gemacht«) mit dem vom Hessischen Fußball-Verband vorgegebenem Spielbetrieb der Runde zufrieden ist.

Und auch mit dem bisherigen Ergebnis: »Wir wollten in die Aufstiegsrunde, und haben es geschafft. Trotz einiger Probleme, wie mit dem Ausfall der Torhüter, haben wir unser Ziel erreicht.« Da fragt sich, welche Kuriositäten auf den FSV Fernwald noch zukommen werden.

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