Die Waffe steckt im linken Schuh

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ECKARTSHAUSEN/HÖCHST - Wenn Anton Römmich über Lukas Ehlert spricht, geht es mindestens in jedem zweiten Satz um den linken Fuß des Torjägers. "Der ist eine Waffe. Lukas kann Spiele im Alleingang entscheiden", lobt der Fußball-Trainer des Nord-Verbandsligisten SG Bad Soden seinen Schützling. Welche Waffe der 27-Jährige in seinem linken Schuh trägt, zeigte er unter anderem in der Saison 2018/19, als er Bad Soden mit 33 Toren in die Verbandsliga schoss und sich gleichzeitig die Torjägerkanone der Gruppenliga Fulda sicherte.

Das Fußballspielen lernte Ehlert bei seinem Heimatverein VfB Höchst. Zudem trug er im Juniorenbereich das Trikot von Kickers Offenbach und Eintracht Frankfurt. Mit der Eintracht wurde der in Eckartshausen lebende Bürokaufmann sogar Deutscher U17-Meister. Im Seniorenbereich kickte der Vater eines Kindes für die U23 von Eintracht Frankfurt und den SVN Zweibrücken in der Regionalliga. Weitere Stationen waren der FSV Frankfurt und der 1. FC Eschborn. Der 1,84 Meter große und circa 85 Kilogramm schwere Ehlert, der seinen Vertrag bei der SG um ein Jahr verlängert hat, spricht mit dem Kreis-Anzeiger über...

... die Fähigkeiten eines Torjägers: "Ein Torjäger muss vor dem gegnerischen Tor ruhig bleiben und einen guten Instinkt haben."

... seine persönliche Stärken und Schwächen: "Zu meinen Stärken zähle ich die Technik und den Torabschluss mit meinem linken Fuß. Zu den Schwächen zähle ich die Schnelligkeit und meinen rechten Fuß. Zudem bin ich etwas lauffaul, bewege mich eigentlich nur mit Ball."

... seine Anfänge als torgefährlicher Offensivspieler: "Ich habe eigentlich schon immer offensiv gespielt. Lediglich in der U16 und U17 bei der Frankfurter Eintracht musste ich kurz als Linksverteidiger aushelfen. Das war aber nicht so mein Fall, weil mir die Defensivzweikämpfe nicht so gut gelangen. Früher spielte ich am liebsten auf der Zehnerposition. Heute komme ich gerne über die rechte Außenbahn. Dort habe ich etwas mehr Platz, kann den Ball annehmen und dann in die Eins-gegen-eins-Situation gehen, nach innen ziehen und den Abschluss suchen. Quasi wie Arjen Robben, der für mich als Bayern-Fan eine Art Vorbild war und ist."

... seine Schusstechnik: "Die ist gut. Auch dank meiner Ausbildung bei den Kickers und der Eintracht schieße ich mit der Innenseite hart und ziemlich genau. Ich bekomme es meistens hin, dass der Ball dorthin fliegt, wo ich ihn hinschießen will. Wenn ich genügend Zeit habe, bevorzuge ich beim Torabschluss deshalb die Innenseite. Das gilt auch für Elfmeter und Freistöße. Extra-Schichten nach dem Training lege ich aber nicht ein. Das war früher so. Torabschlüssen mit meinem rechten Fuß gehe ich nach Möglichkeit aus dem Weg. Da habe ich einfach weniger Kontrolle. "

... sein Kopfballspiel: " Es geht so. Wenn nicht viele Leute um mich herum stehen, bekomme ich es mit dem Kopf einigermaßen hin. Bei Standards halte ich mich raus, ich führe die Eckbälle und Freistöße lieber aus."

... seine beste Saison: "Das war die Gruppenliga-Saison 2018/2019 mit meinen 33 Toren. In dieser Spielzeit passte bis zu meiner schweren Verletzung alles, auch die Chancenverwertung. Ohne den im Mai 2019 zugezogenen Achillessehnenriss hätte ich sogar noch mehr Tore geschossen."

... seinen schönsten Treffer: "Das war mit der U19 der Frankfurter Eintracht beim Dallas Cup in den USA. Da drosch ich das Leder aus 25 Metern in den Winkel. Weil ich mich noch genau daran erinnern kann, muss es eines meiner schönsten Tore sein."

... seine fünf Saisontore: "Da ich nur sieben der neun Saisonspiele bestreiten konnte, bin ich mit meinen fünf Saisontoren zufrieden. Wobei: Es hätten ein paar Treffer mehr sein können."

... einen besonderen Treffer in dieser Saison: "Es waren gleich zwei Treffer. Im Spitzenspiel gegen den SSV Sand gelang mir ein wichtiger Doppelpack zum 4:0-Sieg."

... seine Ziele: "Als Tabellendritter würden wir um den Aufstieg mitspielen. Ich denke aber, dass die aktuelle Saison annulliert wird. Deshalb müssen wir wohl in der kommenden Spielzeit den Aufstieg in Angriff nehmen. Ich möchte unbedingt mit der SG Bad Soden in der Hessenliga spielen."

... seine verpasste Profikarriere: "Natürlich denke ich noch manchmal darüber nach. Vielleicht hätte ich die U23 der Frankfurter Eintracht nicht schon nach einem Jahr verlassen und zum FSV Frankfurt wechseln sollen. Ich hatte allerdings ein paar Probleme mit meinem damaligen Berater. Mir wurde versprochen, oft mit den Profis trainieren zu können. Gehalten wurde nichts. Unter dem Strich bin ich aber zufrieden, wie alles gekommen ist."

Das sagt der Trainer

"Lukas Ehlert ist für den Verein und die Mannschaft ein ganz wichtiger Spieler. Alle können von ihm profitieren", berichtet Anton Römmich, Trainer der SG Bad Soden. Der Stürmer könne Spiele alleine entscheiden. "Selbst wenn wir ihn 85 Minuten lang nicht sehen. Auf einmal ist er da." Seine größte Stärke sei der linke Fuß. "Eine richtige Waffe", schwärmt Römmich und erinnert sich an Ehlerts erstes Training nach einer langen Verletzungspause wegen eines Achillessehnenrisses: "Lukas schoss die gegnerische Mannschaft mit seinem linken Fuß im Alleingang von unserem Kunstrasenplatz." Römmich hat auch eine Erklärung parat, warum Ehlerts Abschluss so gefährlich ist: "Lukas hat ein riesiges Überbein, quasi fast sechs Fußzehen. Vielleicht schießt er deshalb so gut." Zudem sei der Offensivspieler extrem ehrgeizig, erfolgsorientiert und auch abseits des Platzes sehr wichtig für die SG Bad Soden. "Lukas fühlt sich wohl - und das zahlt er mit guten Leistungen zurück", sagt Römmich, der allerdings ein Haar in der Suppe findet: "Lukas ist lauffaul. Aber das weiß er."

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