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Diesmal eine Willensleistung

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Von: Thomas Suer

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Fast wie beim Fußball-Ballett: Gießens Adrian Kireski mit eleganter Balleroberung gegen Jeremy Aydogan. Foto: Ben © Ben

Gießen . In der vergangenen Runde, dem Abstiegsjahr des FC Gießen aus der Regionalliga Südwest, war Matheus Beal höchstens Ergänzungsspieler gewesen. Und nach der Winterpause nicht einmal das, da hatte der offensive Mittelfeldmann lediglich eine halbe Stunde Einsatzzeit am unbedeutenden letzten Spieltag in Kassel erhalten.

FC Gießen - TSV Steinbach II 2:1

Eine Etage tiefer ist alles anders. Der 23-Jährige ist Stammkraft, hat 13 von 15 Partien von Beginn an bestritten. Zudem hat er bereits fünf Mal in Schwarze getroffen und mit seinem jüngsten Tor am Samstagnachmittag wesentlich mit dafür gesorgt, dass der FCG seine Tabellenführung nicht nur verteidigt hat, sondern sogar noch ausbauen konnte. Der Brasilianer markierte in der 79. Minute den 2:1-Endstand gegen das Schlusslicht TSV Steinbach II. Ein Treffer, der zu diesen 90 Minuten passte, die für Trainer Daniyel Cimen unter dem Titel »Willensleistung« liefen. So ist es, denn großer Wille steckte eben auch hinter dem Siegtreffer. Wessam Abdel-Ghani war im ersten Anlauf am Steinbacher Schlussmann Maximilian Pauli gescheitert, doch Beal setzte nach und sicherte im Nachschuss den fünften Dreier am Stück für die Gießener.

Es handelte sich zweifellos um einen verdienten Erfolg, wobei sich der Ex-Viertligist enorm schwer tat. Dementsprechend sah das Fazit von Chefcoach Cimen durchwachsen aus, was vor allem mit dem Auftritt im ersten Durchgang zu tun hatte: »Da haben wir sehr behäbig gespielt, da hat alles ein Stück weit zu lange gedauert. Das nur auf die Englische Woche zu schieben, wäre mir zu einfach. Zumal wir in den ersten 15, 20 Minuten der zweiten Hälfte gezeigt haben, dass es geht. Von daher haben wir es uns selbst zuzuschreiben, dass wir das Spiel so knapp gestaltet haben.«

Cimen baute mit einer Ausnahme auf die Elf, die am Mittwoch glatt mit 3:0 gegen Dietkirchen gewonnen hatte. Für Pietro Besso kehrte der wieder genesene Michael Fink in die Innenverteidigung zurück.

Das Geschehen entwickelte sich wie erwartet mit optischen Vorteilen für die Hausherren, allerdings haperte es in den entscheidenden Räumen am Tempo und der Zielstrebigkeit, den Ball unbedingt zwischen den Stangen unterbringen zu wollen. Getreu dem Motto: Irgendwie und irgendwann wird das 1:0 schon fallen. Connor Filsinger beispielsweise ging im Zweikampf im Strafraum zu leicht zu Boden, statt abzuziehen oder mit Überzeugung ins Dribbling zu gehen. Elion Mahmuti hatte freie Bahn und wählte ebenfalls das Abspiel und nicht den Schuss. Beide wechselte Cimen zur 46. Minute aus. Dass Gießen durch Aryan Assar (6. und 13.), Fink (19.) und Beal (37.) Abschlüsse verbuchte, änderte nichts daran, dass die Bemühungen im Vorwärtsgang nichts Halbes und nichts Ganzes waren. Zudem verteidigten die Haigerer geschickt und hatten in der 40. Minute eine aussichtsreiche Torchance. Finn Bedenbender stürmte auf Torwart Aleksa Lapcic zu, mit all seiner Erfahrung schaffte es Ex-Profi Fink jedoch noch, die Situation per Grätsche zu bereinigen. Die größte Gelegenheit der Gießener resultierte derweil aus einem Schnitzer Paulis, den Filsinger (37.) nicht zu nutzen wusste. Mit den frisch ins Match gekommenen Lian Akkus Rodriguez und Mert Pekesen drehte die Cimen-Truppe im zweiten Durchgang auf, der Vortrag ähnelte nun dem Start aus dem Dietkirchen-Spiel. Der TSV hatte kaum Zeit, um durchzuatmen und Glück, nicht schnell mit 0:1 in Rückstand zu geraten. Pauli parierte gegen Akkus Rodriguez (50.), der Kopfball von Michael Gorbunow strich um Haaresbreite am Aluminium vorbei (52.). Nach einer Stunde war es schließlich so weit: Aus 18 Metern beförderte Kapitän Abdel-Ghani das Leder flach ins Eck. Beal vergab das 2:0 (64.), ehe die Gäste 60 Sekunden darauf aus dem Nichts ausglichen. Bei der Freistoßhereingabe von Sandro Noriega stand Marvin Hartmann frei und markierte das 1:1. Unbeirrt intensiv, mit viel Geschwindigkeit und Wucht rannten die Gießener weiter an und kratzten mit Pekesen (67.) und Fink (76.) an der erneuten Führung. Der Verzweiflung nah war Yassine Maingad, der in der 74. Minute aus kurzer Distand verzog. Pauli, der nach der Flanke von Beal am Boden lag, war in dieser Szene bereits geschlagen. Wie auch in der eingangs beschriebenen 79. Minute, als Beal hartnäckig nachsetzte und den achten Sieg im achten Heimspiel unter Dach und Fach brachte. »Wir sind mit diesen neun Punkten aus der Englischen Woche natürlich zufrieden, die Art und Weise heute war ausbaufähig. Deswegen sollte uns das auch eine kleine Warnung sein«, sagte Daniyel Cimen mit Blick auf die lange Anlaufphase in den ersten 45 Minuten.

FC Gießen: Lapcic - Assar (70. Calabrese), Kireski, Fink, Abdel-Ghani - Mahmuti (46. Akkus Rodriguez), Hagley, Beal (90.+3 Vural) - Filsinger (46.Pekesen), Gorbunow (90. Besso), Maingad.

TSV Steinbach II: Pauli - Beladjel, Hartmann, Künkel, Georg - Goldbach, Aydogan - Bedenbender (82. Aysel) Noriega (80. Mühl), Pöpperl (86. Müller), Schneider (82. Arfaoui).

Tore: 1:0 Abdel-Ghani (61 ), 1:1 Hartmann (65.), 2:1 Beal (79.). - Schiedsrichter: Rau (Kaichen). - Gelbe Karten: Filsinger, Calabrese / Hartmann, Pöpperl, Goldbach. - Zuschauer: 300.

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