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Dinosterben? Warum nicht ...

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Mohamed Yacine Cachemir hat allen Grund, eine ruhige Kugel zu schieben: Mit dem SC Münchholzhausen/Dutenhofen spielt der 32-Jährige eine bärenstarke Runde. © Bär

Gießen. Was der Hamburger SV jahrzehntelang für die Fußball-Bundesliga war, ist der SC Münchholzhausen/Dutenhofen für die Kreisoberliga West. Immerhin seit 2003 kickt der Sportclub in der KOL - zwar bis zum Sommer 2009 im stetigen Wechsel zwischen den Staffeln Süd und West, der achthöchsten Spielklasse Deutschlands bleibt »Mü/Du« aber bis zum heutigen Tag treu.

Zumindest noch. Denn nach einer sehenswerten Vorrunde - die mit Platz vier abgeschlossen wurde - wankt die Rolle des Liga-Dinos noch vor Start der am 23. März beginnenden Aufstiegsrunde.

»Das Ziel war von vornherein die Aufstiegsrunde«, blickt Trainer Jan Hartmann zufrieden auf die vergangenen Monate zurück. 50 erzielte Treffer zeugen von der treffsichersten Mannschaft aller Kreisoberliga-Teilnehmer, allein Goalgetter Waldemar Koch kommt auf 16 Tore. »Fußballerisch bin ich mit den Jungs sehr zufrieden. In fast allen Spielen waren wir die bessere Mannschaft.« Einziges Manko, das ein wenig wie ein Widerspruch in sich klingt: »In der Chancenverwertung müssen wir aber besser werden«, so Hartmann.

»Sehr viel hergeschenkt«

Eine Aussage, bei der man aufgrund der Power-Offensive zurecht die Augenbraue fragend nach oben zieht. »Wir haben eigentlich immer gut gespielt, aber eben auch zu viele Punkte leichtsinnig liegen gelassen«. Und tatsächlich: Insbesondere in den Partien gegen die anderen Teilnehmer der Aufstiegsrunde war »Mü/Du« anfällig: 2:3 in Frohnhausen, 2:2 in Beilstein, 0:1 in Naunheim und 0:1 gegen Aßlar. Mit dem 5:0-Erfolg über die SG Ehringshausen/Dillheim gelang nur ein Sieg gegen eines der anderen Top-Sechs-Teams. »Insgesamt betrachtet haben wir sehr viel hergeschenkt«, übt Hartman auch Kritik an seiner Mannschaft, auch weil der Gegner mitunter nur eine Chance im Spiel hatte - und diese auch verwertete. Und, so Hartmann weiter, weil der gegnerischen Keeper gut hält und beim SC keiner reingehe. »Gut und gerne hätten wir alle Spiele gewinnen können.« So steht den neun Siegen zwei Unentschieden und fünf Niederlagen gegenüber - satte zehn Zähler hinter Primus Frohnhausen. Aber: »Das hätte uns am Ende punktetechnisch auch nicht geholfen.« Recht hat der 45-Jährige, denn die Punkte sind ohnehin zurückgesetzt.

So gehen die Kicker des SC Münchholzhausen/Dutenhofen optimistisch und ohne viel Druck in die kommende Aufstiegsrunde. Als Favoriten für den Klassensprung sehen sie sich zwar nicht, aber sie freuen sich dennoch auf ihre zehn Extrapartien. »Jeder kann nun dem anderen ein Bein stellen - auch deshalb, weil Frohnhausen spielerisch keine zehn Punkte besser war als wir.«

Vier Heimspiele in Kinzenbach

Was aber gegen die Kicker aus Münchholzhausen und Dutenhofen spricht: Keines der fünf Heimspiele wird auf ihnen bekanntem Terrain ausgetragen. Da der Hartplatz in Dutenhofen aufgrund der stillgelegten sanitären Anlagen keine Option darstellt und der Rasenplatz in Münchholzhausen mittlerweile dem sich nun im Bau befindlichen Kunstrasenplatz weichen musste, trägt man sämtliche Heimspiele auswärts aus. Gegen Aßlar (23. April) geht es ins Stadion Wetzlar - gegen Ehringshausen/Dillheim (7. Mai), Naunheim (14. Mai), Beilstein (22. Mai) und Frohnhausen (29. Mai) auf den Kinzenbacher Kunstrasen. Für Hartmann eine unbefriedigende Situation. »Von unseren Nachbarvereinen bin ich richtig enttäuscht«, ist er ehrlich. Nur der RSV Büblingshausen lasse »Mü/Du« bei sich trainieren.

Sportlich, so Hartmann, sei die klassenhöhere Gruppenliga eine sehr große, sehr tolle aber eben auch sehr schwierige Herausforderung. »Da wir ja nur ein kleines Handball-Dorf sind«, wie der langjährige Übungsleiter meint. Und weil im Umkehrschluss sehr viele Derbys wegfallen würden. »Erzwingen wollen wir es daher auf gar keinen Fall. Sollten wir nicht aufsteigen, ginge für uns die Welt nicht unter.« Anders als bei den Dinosauriern. Denn auch der HSV hat bekanntlich unlängst gezeigt, dass irgendwann für jeden Dino das letzte Stündlein schlagen wird. Aber das muss ja nicht nach unten sein.

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Blickt entspannt der Aufstiegsrunde entgegen: »Mü/Du«-Trainer Jan Hartmann. © Bär

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