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»Do« schlägt »Jo« und Co.

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Wetzlar. Der Fehlstart der HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga ist perfekt. Nach 60 hochintensiven und spannenden Minuten schlichen die Mannen um Kapitän Adam Nyfjäll wie begossene Pudel aus der Buderus-Arena und mussten dem Gegner das Ringelrein-Jubeln überlassen.

Nach dem 29:30 (16:15) gegen den VfL Gummersbach, gleichbedeutend mit der vierten Niederlage im vierten Punktspiel, ist klar: Wollen die Grün-Weißen am Ende ihres 25-jährigen Dienstjubiläums im deutschen Oberhaus nicht nach unten durchgereicht werden, bedarf es einer gehörigen Kraftanstrengung und einer enormen Steigerung in allen Mannschaftsteilen.

»Glücklich hin oder her. Wir haben sehr viel investiert und haben leidenschaftlich gekämpft. Bei plus zwei knapp drei Minuten vor Schluss müssen wir uns vorwerfen, dass wir eben dann hier doch nichts Zählbares mitnehmen. Leider konnten wir unseren Fans nichts zurückgeben heute. Dieses Ergebnis ist sehr bitter«, musste Ben Matschke erst einmal tief durchatmen.

Neben dem enttäuschten und deutlich mitgenommenen Coach des Sonntag-Verlierers saß ein »glücklicher« Kollege Gudjon Valur Sigurdsson. »Wir haben speziell in der Anfangsphase eine super Abwehr hingestellt und vorne mit viel Tempo agiert. Dass irgendwann die Wetzlarer Qualitäten zum Tragen kommen, war uns klar. Aber wir haben weiter um jeden Ball gefightet und fahren jetzt zufrieden zurück nach Gummersbach«, lächelte der VfL-Trainer mit seinen Spielern um die Wette.

HSG Wetzlar - VfL Gummersbach 29:30

»Das Beste an der ersten Halbzeit ist das Ergebnis«, dürften sich viele der offiziell 2950 Zuschauer in der Buderus-Arena gedacht haben. In der Tat schien es, als stünden die in den ersten drei Partien gezeigten Schwächen den Gastgebern auch im ersten »Do-or-die«-Duell der noch jungen Runde mächtig im Weg. Magnus Fredriksen war zwar um Struktur bemüht, aber bei allem, was er probierte, ein Schatten seiner selbst. So konnten die Hausherren mit ihren Angriffsmühen (die Betonung liegt auf »Mühen«) dem agilen Defensivverbund des Gegners lange Zeit keine Angst einjagen.

Im Gegenteil, die siebenminütige Torflaute (2. bis 9.) hier sorgte dort, beim klasse in die Runde gestarteten VfL, für noch mehr Selbstvertrauen. Allen voran bei Dominik Mappes, der die Gummersbacher mit viel Elan und Raffinesse anführte. Der Hüttenberger in Diensten der Oberbergischen netzte per Siebenmeter zum 4:1 (7.), erst dann verbesserte der ansonsten unglückliche Hendrik Wagner mit seinem Schlagwurf das bis dahin dürftige HSG-Trefferbild.

Nach dem Doppelschlag des erneut hochprozentig treffenden Lars Weissgerber zum 5:5 (13.) war bereits Besserung in Sicht, zum Vorschein kam sie allerdings erst, als die Matschke-Truppe durch den frechen Mappes-Hüftwurf zum 9:11 (21.) wieder mit minus zwei zurücklag. Mit der Einwechslung von Jonas »Jo« Schelker wendete sich das Blatt. Mutig vorangehend, suchte und fand der Mittelmann aus der Schweiz entweder seinen Landsmann Lenny Rubin oder der Neuzugang aus Schaffhausen nahm sich selbst ein Herz. Endlich einer, der Mut hat und macht, freuten sich die Fans auf der Tribüne. Schelkers Treffer zeigten Wirkung beim Gegner und ließen die HSG beim Seitenwechsel an ein Happy End glauben.

Das bahnte sich nach knapp 48 absolvierten Minuten eigentlich noch deutlicher an. Vladan Lipovina, bei seiner Wurfauswahl nicht immer glücklich, hatte das Harzleder mit Wumms in die Maschen gehämmert und eine 26:23-Führung für seine Farben erzielt.

»Wie steht es da?«, fragte Matschke später kopfschüttelnd in die Runde. Ja, mit drei Toren Vorsprung in die Crunchtime zu gehen und nach dem bereits erwähnten 29:27 (57.) durch Weissgerbers verwandelten Strafwurf das Ziel schon vor Augen zu haben, hätte es reichen können, wenn nicht müssen. Aber es sollte anders kommen.

Weil Nationalspieler Julian Köster knapp 30 Sekunden vor Schluss zur 30:29-Führung seines VfL traf. Und vor allem, weil »Nachbarsjunge« Mappes allen in der Arena zeigte, welch großartiger Spiel-Lenker und -Denker er ist. »Wir haben vieles gut gemacht, umso bitterer ist dieses Endresultat«, sprach Schelker seinen Teamkameraden aus der Seele.

Fazit: »Do« schlägt »Jo« und Co., an einem bitteren Nachmittag aus Sicht der HSG, die den Fehlstart auf dem Parkett und schwarz auf weiß auf dem Papier schnellstmöglich abhaken muss.

Wetzlar: Klimpke, Suljakovic (ab 45.) - Nyfjäll (3), Lipovina (5), Schmidt (1), Nikolic (1), Becher, Weissgerber (6/4), Schelker (3), Fredriksen, Wagner (1), Mellegard (2), Cepic, Rubin (7), Novak.

Gummersbach: Norsten (31. bis 45.), Ivanisevic - Fanger, Vidarsson (1), Kodrin (2), Köster (3), Blohme (6), Häseler, Schluroff (3), Mappes (10/3), Pregler, Zelenovic, Styrmisson, Kiesler, Jansen (3), Zeman (2).

Schiedsrichter: Kolb/Kauth (Augsburg) - Zuschauer: 2950 - Zeitstrafen: Wetzlar zwei (Nyfjäll, Rubin), Gummersbach zwei (Kiesler zwei).

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