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Ein Abend voller Glück

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Von: Alexander Fischer

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Die Übersicht am Ende bewahrt: Justin Martin und die Gießen 46ers feiern gegen Jena einen wichtigen Sieg. Foto: Schepp © Schepp

Gießen. Es war endlich wieder mal ein Abend vollkommener Glückseligkeit. Mit einer Halle, so gut gefüllt wie während Corona nicht mehr. Mit allerbester Stimmung. Mit einer aufopferungsvoll kämpfenden Truppe. Mit einem zufriedenen Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher. Mit Spannung und Dramatik bis in die Schlussminute. Und vor allem mit einem Erfolgserlebnis, das die Mannschaft nach drei Niederlagen in Serie so dringend nötig hatte.

Was niemand besser wusste als Branislav Ignjatovic. »Nach einem turbulenten Jahr war es für uns, ja für die ganze Stadt, wichtig, 2023 mit einem guten Gefühl zu beginnen«, freute sich der Coach der Gießen 46ers über den 101:95 (48:49)-Erfolg im Verfolgerduell der 2. Basketball-Bundesliga gegen Medipolis SC Jena.

»Bei uns lagen die Nerven blank, auch im Training gab es die eine oder andere Reiberei. Nun wissen wir aber, dass wir auch die Großen der ProA schlagen können. Und vor allem hat uns der Sieg gezeigt, in welche Richtung unser Weg gehen kann«, bilanzierte der 56-Jährige, der sich mit seinen nur noch neun Aufrechten nicht nur auf Playoff-Kurs befindet, sondern auch vor den kommenden (lösbaren) Januar-Aufgaben am kommenden Mittwoch bei Bayer Leverkusen, gegen die Giants Düsseldorf, gegen die Gladiators Trier, bei den Panthers Schwenningen und gegen die Karlsruhe Lions auf eine erfolgreiche Rückrunde bauen darf.

Den Worten ihres Hoffnungsträgers hatten die Jungs um den wieder starken Kapitän Nico Brauner eine engagierte und launige Leistung vorausgeschickt, an der die offiziell 2246 Zuschauer in der Osthalle auch noch lange nach der Schlusssirene ihren Spaß hatten. Stefan Fundic stimmte, tatkräftig unterstützt von Luis Figge, die Humba an. Kevin Strangmeyer fand völlig neue Freunde auf den Stehrängen. Karlo Miksic und der noch immer wegen einer Schulter-Luxaktion ausfallende Igor Cvorovic lagen sich gefühlte Minuten innig in den Armen. Justin Martin und Roland Nyama schleppten ihren Nachwuchs übers Feld. Und Jordan Barnes gab geduldig Autogramme. Wohl wissend, wo der Schlüssel des Erfolges am Dienstagabend zumindest 20 Minuten lang versteckt gewesen war. »Nach der Pause haben wir endlich aggressiv gedeckt und Jena nicht mehr so viele freie Würfe gestattet«, benannte der 25-jährige Regisseur der 46ers deutlich den Unterschied von Halbzeit eins zu Halbzeit zwei.

»Manchmal begreife ich echt nicht, was hier in der Osthalle los ist. Die Gegner kommen hochmotiviert zu uns und treffen aus allen Lagen«, war »Frenki« Ignjatovic fassungslos ob der Eiseskälte, mit der die Thüringer zunächst vollendeten.

Nachdem Paderborn kurz vor Weihnachten Gießen bereits 73 Prozent getroffener Würfe bis zur Pause eingeschenkt hatte, traf Jena immerhin 67 Prozent seiner Abschlüsse und versenkte ebenso viele Dreier (acht von zwölf), was den Serben echt nachdenklich stimmte: »So konnte das nicht weitergehen, denn zu Hause darfst du dir in der Regel nicht immer fast 100 Gegenpunkte einsammeln.«

Erst als Nico Brauner per Solo zur Wende blies, Justin Martin mit zwei Dreiern innerhalb von nur 39 Sekunden auftaute, Stefan Fundic an der Freiwurflinie ungewohnte Stärken offenbarte und Roland Nyama zur Stelle war, lag beim 66:57 (25.) ein weiterer Heimsieg im Bereich des Möglichen.

Dass sich die Gäste aus der weltberühmten optischen Metropole nie abschütteln ließen, lag nicht zuletzt am ehemaligen Gießener Kapitän Brandon Thomas, der drei von fünf Dreiern versenkte, acht von zehn Freiwürfen in die Reuse jagte und mit fünf Rebounds auch zum Jenaer King unter den Brettern avancierte.

»Nach Gießen zurückzukehren, war und ist für mich ein Erlebnis. Die Atmosphäre hier ist prächtig, ich bin überragend empfangen worden«, wusste der Routinier die Ovationen zu Beginn und am Ende von den unflätigen Kommentaren von den Stehplätzen, mit denen ihn die Fans irritieren wollten, als er an der Freiwurflinie stand, klar zu unterscheiden.

Die gute Laune, die der 38-Jährige wie immer versprühte, konnte sein grimmig dreinschauender und während der Partie immer lautstarker werdende Coach nicht nachvollziehen. »Drei unserer fünf Starter fehlen uns verletzt, so etwas lässt sich nicht kompensieren«, grantelte der Litauer Marius Linartas, der erst vor wenigen Tagen Domenik Reinboth auf der Bank abgelöst hatte. »Wir müssen irgendwie überleben und hoffen, dass wir bald wieder komplett sind.« Dass seine Rumpftruppe lange im Spiel war, erhöhte die Spannung, die die 46ers schließlich lösten, weil sie das dritte Viertel mit 27:19 zu ihren Gunsten entschieden.

Als am Ende bei der Gießener 97:93-Führung Small Forward Stefan Haukohl einen leichten Ball verlegte, der starke Vuk Radojicic per fünftem Foul auf die Bank musste, Brandon Thomas einen Airball fabrizierte, was Jordan Barnes und Karlo Miksic cool von der Freiwurflinie bestraften, war die Messe zugunsten der Hausherren gelesen.

»Nur fünf Ballverluste waren überragend«, kannte »Frenki« Ignjatovic einen der entscheidenden Faktoren für den sechsten Heimsieg im siebten Osthallen-Auftritt. Und gab seinen Jungs zwei Tage frei.

Schließlich sollen für die 46ers in dieser Runde noch weitere Abende vollkommener Glückseligkeit folgen …

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