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Ein Abstieg als Zäsur

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Bitter: Daniyel Cimen muss mit dem FC Gießen nach drei Jahren den Regionalliga-Abstieg hinnehmen. © Ben

Der FC Gießen ist aus der Fußball-Regionalliga Südwest abgestiegen. Geht es nach Notvorstand Turgay Schmidt, geht es in der Hessenliga weiter - mit vielen Fragezeichen. Ein Kommentar.

Eine Zäsur ist »eine Unterbrechung, nach der es deutlich anders weitergeht«. Mit dem Begriff »Zäsur« konnte sich Notvorstand Turgay Schmidt nach dem bereits drei Spieltage vor Schluss feststehenden Abstieg des FC Gießen am Sonntag durchaus anfreunden. »Ja, so ein Abstieg ist natürlich eine riesengroße Enttäuschung und das war alles andere als vorgesehen, aber vielleicht ist es auch eine Chance, sich in der Hessenliga zu konsolidieren, neu aufzustellen und dann wieder anzugreifen.«

Womit die Frage beantwortet war, die sich alle am Fußball interessierten im Sportkreis seit einigen Wochen stellen: Wie und wo geht es weiter mit dem FC Gießen? Wobei angesichts der brodelnden Gerüchteküche und der unklaren finanziellen Verhältnisse des unter Altlasten gebückten Vereins bei den Tribünengästen von kompletter Auflösung über Rückzug in die B-Liga bis hin zu Hessenliga alles im Angebot war. Und die soll es laut Schmidt, der seit nunmehr bereits 1 1/2 Jahren den Notvorstand gibt, nun auch werden.

»Wir müssen uns schütteln, das verarbeiten, die Saison sportlich noch ordentlich zu Ende bringen und dann die Planungen weiter vorantreiben«, sagt der Rechtsanwalt, der betont, dass »wir angesichts der letzten Wochen natürlich einen Plan B haben mussten und hinter den Kulissen schon geraume Zeit zweigleisig gedacht und gearbeitet haben.«

Soll auch heißen, dass es in der Hessenliga mit Trainer Daniyel Cimen, der ein weiteres Jahr Vertrag hat, weitergehen soll. Der wiederum wollte nach der Enttäuschung von Koblenz das Geschehen erst einmal sacken lassen und sprach etwas zurückhaltender davon, dass »viele Gespräche nötig sein werden.« Ist sein weiteres Engagement also doch nicht so klar?

Auch die in den Stuttgarter Nachrichten von seinem Kumpel Michael Fink vor drei Wochen getätigte Aussage, er werde im Falle des Regionalliga-Verbleibs ein weiteres Jahr in Gießen spielen, spricht andererseits gegen das Engagement des Ex-Profis eine Etage tiefer.

Was nicht nur sportlich ein herber Verlust wäre, aber auch auf das Problem des FCG verweist, denn wenn ein 40-Jähriger in der vierthöchsten Liga auf die gesamte Saison betrachtet zu den absolut unverzichtbaren Größen gehört, dann spricht das nicht unbedingt für den Kader.

Cimens Auftrag, so er denn tatsächlich weiter machen wird, ist es, eine komplett neue Mannschaft aus dem Boden zu stampfen, was allerdings, wenn man die vergangenen drei Jahre betrachtet, Usus ist. Ob Regional- oder Hessenliga, der personelle Umbruch von Saison zu Saison hatte stets exorbitante Ausmaße. Kontinuität im Kader? Fehlanzeige in Gießen.

Was unter anderem der seit drei Jahren kontinuierlich herrschenden Unruhe und (finanziellen) Unklarheiten geschuldet war. Richtig zur Ruhe gekommen sind die Rot-Weißen nie. Dass sie vor allem im vergangenen Jahr am Ende einer kräftezehrenden Corona-Saison verdammt souverän die vierthöchste Liga halten konnten, war deshalb eine großartige Leistung. Die in der aktuellen Runde nicht bestätigt werden konnte. Und das lag nicht nur, aber auch an der unterirdischen Torquote von nur 27 Treffern in 36 Spielen. Nun geht es in der finanziell leichter zu stemmenden Hessenliga weiter, in der zwei attraktive Derbys warten. Mit welchem Personal, das ist die Frage. Und eine Zäsur wäre es tatsächlich vor allem dann, wenn Daniyel Cimen den FC Gießen verlässt.

Rüdiger Dittrich

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