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»Ein echtes Brett«

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Start frei für die Deutschland-Tour: In diesem Jahr ist Marburg ein Etappenziel. Archivfoto: dpa © Red

Marburg. »Die Deutschland-Tour ist in diesem Jahr ein echtes Brett.« Wenn Fabian Wegmann, der Sportliche Leiter des einzigen Profi-Radrennens in Deutschland, das sich über mehrere Tage erstreckt, an die Etappen denkt, dann gerät er ins Schwärmen.

Denn: Vielseitigkeit ist gefragt. Vom erstmals ins Programm genommenen Prolog über die Sprintankünfte, die anspruchsvollen Zielrunden, die Bergankunft und den Klassiker-Parcours - der Weg zum Gesamtsieg verlangt 2022 einen kompletten Rennfahrer. 710 Kilometer und mehr als 11 000 Höhenmeter erwarten die weltbesten Profis von heute bis Sonntag. Über fünf Abschnitte führt sie der Weg von der thüringischen Kulturstadt Weimar über Hessen bis in die Landeshauptstadt Baden-Württembergs nach Stuttgart.

»Von allen bisherigen Austragungen hat die diesjährige Rundfahrt sicher das schwerste Programm. In den fünf Tagen ist eine große Vielfalt gefragt. Erstmals locken wir auch die bergfesteren Fahrer an. Die Ankunft am Schauinsland wird eine Vorentscheidung bringen, aber es bleibt spannend bis zum Schluss, denn die schwere Schlussetappe mit dem Stuttgarter Herdweg kann das Klassement noch einmal umwerfen«, glaubt Fabian Wegmann, der sich bei der Vorhersage des Gesamtsiegers noch ein wenig zurückhält. »Es wird wahrscheinlich ein explosiver Allrounder, der auch noch gut klettern kann.«

Mittwoch: Prolog in Weimar (2,7 Kilometer): Das sehr kurze Zeitfahren beginnt am Goetheplatz. Die schnelle Runde durch die Innenstadt garantiert den Zuschauern spannenden Sport. Auf dem leicht welligen, aber technisch wenig anspruchsvollen Kurs sind die kraftvollen Fahrer im Vorteil. Ein kleiner Sekundenvorsprung wird entscheiden, wer im Roten Trikot zur ersten Etappe antritt.

Donnerstag: 1. Etappe von Weimar nach Meiningen (171 Kilometer): Aus Weimar, wo Dichter, Künstler und Musiker Kulturgeschichte schrieben, geht es über Rudolstadt und Schwarzburg in den Thüringer Wald. In Oberweißbach werden die ersten Bergpunkte der Rundfahrt vergeben. Nach einer kurzen Abfahrt klettert das Feld noch einmal auf 700 Meter. Es überquert den Rennsteig und nimmt den Ankunftsort Meiningen in den Blick.

Nach der ersten Zieldurchfahrt vor dem Staatstheater lädt eine Rampe in Dreißigacker mit Steigungen von mehr als zehn Prozent und wertvollen Bonussekunden zu Attacken ein. Den Sprinterteams bleiben 20 flache Kilometer, um sich in Position zu bringen.

Freitag: 2. Etappe von Meiningen nach Marburg (199 Kilometer): In Meiningen, jener Stadt in Südthüringen mit ihrer mondänen klassizistischen Architektur und ihren einzigartigen Naturdenkmälern, startet der längste Abschnitt. Von Ost nach West verläuft die zweite Etappe quer durch die Mitte Deutschlands. Kurz hinter der thüringischen-hessischen Landesgrenze wartet in der Rhön die erste Bergwertung des Tages. Die kurze, steile Auffahrt zur Amöneburg läutet die letzte Rennstunde ein.

Am Hasenkopf erreicht das Peloton Marburg - es ist der Auftakt des schweren Finales. Nach der Zielpassage an der Elisabethkirche in der Innenstadt sind noch 20 Kilometer zu absolvieren. Zwei Wellen in Marbach und Ockershausen sorgen für Spannung, denn die Tagesentscheidung könnten wenige Fahrer unter sich ausmachen.

Samstag: 3. Etappe von Freiburg nach Schauinsland (150 Kilometer): Das Wochenende der Deutschland-Tour beginnt in der Freiburger Altstadt. Mit 150 Kilometern ist diese Etappe kurz, sie wird aber das Klassement prägen. Die Strecke führt nördlich aus der Universitätsstadt in Richtung Kaiserstuhl.

Über die Schelinger Höhe und den Texaspass geht es an die deutsch-französische Grenze in Breisach am Rhein und Bad Krozingen. In der Region Münstertal-Staufen wird der bisher südlichste Streckenpunkt der 2022er-Tour erreicht. Drei Rennstunden auf überwiegend flachem Terrain sind bis dahin absolviert. In der letzten Rennstunde wird geklettert. Bereits kurz vor Horben fordert der Anstieg durch das Hexental die Fahrer, denn die Straße wird schmal und steil. Die Abfahrt zur Talstation der Schauinslandbahn bringt nur eine kurze Erholung. Danach geht es für zwölf Kilometer bergauf zum Schauinsland, dem Hausberg der Universitätsstadt. An der Bergstation auf 1200 Metern Höhe fällt die Vorentscheidung in der Gesamtwertung.

Sonntag: 4. Etappe von Schiltach nach Stuttgart (188 Kilometer): Die Schlussetappe verlangt den Profis alles ab. Nach der Bergankunft am Vortag fordern 3100 Höhenmeter noch einmal die Kletterbeine. Bereits 15 Kilometer nach dem Start in Schiltach im Oberen Kinzigtal wartet im Nordschwarzwald eine Bergwertung.

Auch der weitere Weg über Freudenstadt in die Region Stuttgart bleibt ein ständiges Auf und Ab. Die Landeshauptstadt wird aus dem Norden erreicht. Vom Neckartal geht es zum Pragsattel und weiter zum Killesberg. Spätestens jetzt ist das Finale eingeläutet. Nach der ersten Zieldurchfahrt mitten in der Stuttgarter Innenstadt auf der Theodor-Heuss-Straße wartet eine schwere Schlussrunde, die zehn Kilometer lang ist und dreimal befahren wird. Mit dabei ist der bis zu 16 Prozent steile Anstieg am Herdweg. Bei drei Überfahrten sind Attacken auf das Rote Trikot garantiert, denn es geht um den Gesamtsieg.

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