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Ein fantastisches Jahr für den »Weltmann«

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Kevin Trapp © Red

Frankfurt (pep). Gerade hat die Fachzeitschrift »kicker« ihre Halbjahres-Rangliste veröffentlicht. Bester deutscher Torwart ist danach Kevin Trapp. Im letzten Sommer war Trapp noch die »Nummer 1« der gesamten Rangliste, jetzt liegt er hinter den beiden Schweizern Gregor Kobel und Yann Sommer, aber deutlich vor Manuel Neuer auf Platz drei.

Das ist bei den Leistungen des Frankfurter Torwarts keine wirklich große Überraschung. Viele, nicht nur der Frankfurter Sportchef Markus Krösche (»Kevin ist der beste deutsche Torwart«), hatten dies schon länger so gesehen. Im Grunde war nur Bundestrainer Hansi Flick anderer Meinung. Er hatte Trapp zwar mit zur Weltmeisterschaft genommen, ihn aber im gesamten Jahr davor bei einem halben Dutzend Länderspielen mit einer kleinen Ausnahme (eine Halbzeit gegen Israel) links liegen gelassen. Das hatte Trapp zwar gewurmt, in seiner Schaffenskraft aber nicht beeinträchtigt.

Trapp ist in Frankfurt mehr als »nur« ein Torwart. Er ist Anführer dieser Mannschaft, die ein so unglaublich erfolgreiches Jahr 2022 hinter sich gebracht hat. Trapp glänzt auf dem Spielfeld und abseits des Rasens. Er wird noch einige Jahre Profi sein, ist aber längst auch Botschafter seines Klubs. Trapp spricht neben Deutsch fünf weitere Sprachen (Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch sowie ein wenig Italienisch), beeindruckt bei den internationalen Spielen nicht nur auf der Torlinie, sondern auch bei den Pressekonferenzen.

Er ist clever, intelligent, weltmännisch, zelebriert die Partnerschaft mit seiner Verlobten, dem brasilianischen Topmodell Izabel Goulart, auf den Plattformen der Sozialen Medien und hat eine eigenen Modelinie an den Start gebracht. Trapp hat eine Wohnung in Paris mit Blick auf den Eiffelturm, fühlt sich aber in Frankfurt nach eigenen Worten »pudelwohl«. Den aktuellen Urlaub hat er mit seiner Verlobten zunächst in Paris, dann in New York verbracht, inzwischen turtelt das prominente Paar auf der Karibik-Insel St. Barth.

Doch trotz allem Glamour hat er nie den Boden unter den Füßen verloren. Er ist im saarländischen Merzig geboren, sportlich groß geworden beim 1. FC Kaiserslautern. Auslandserfahrung hat er bei Paris St. Germain gesammelt, so gut wie in Frankfurt aber war er noch nie.

Die Eintracht will ihn über den aktuell bis 2024 laufenden Vertrag an den Verein binden. Zunächst natürlich weiter als Torwart. Mit 32 Jahren hat Trapp noch viele weitere gute Jahre als Keeper vor sich. In dieser Saison hat er alle Pflichtspiele, egal ob in der Liga, in der Champions-League oder dem DFB-Pokal über die volle Distanz absolviert. Einen schwachen Tag hatte er nur einmal, beim Saisonauftakt gegen die Bayern. Seither aber spielt er auf konstant hohem Niveau, überragend in Eins-zu-eins-Situationen, souverän bei der Strafraumbeherrschung, verbessert mit dem Ball am Fuß. Längst ist er ein kompletter Torwart. »Er ist nahe an seinem Optimum«, sagt Torwarttrainer Jan Zimmermann. »Er ist unser großer Rückhalt«, sagt Trainer Oliver Glasner, »Kevin hat ein fantastisches Jahr hinter sich.«

Seine spektakulärsten Momente hatte Trapp beim Europapokalfinale gegen die Glasgow Rangers. Es war die 118. Minute, 120 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung, als alle Träume der Eintracht vom Titel zu platzen schienen. Ryan Kent war völlig frei vor Trapp aufgetaucht, hatte die ultimative Möglichkeit, die Schotten in Führung zu bringen. Doch Trapp wehrte mit einer Monsterparade ab und rettete sein Team damit ins Elfmeterschießen. Dort wurde er dann endgültig zum Frankfurter »Helden«. Den vierten Elfmeter der Rangers, von Aaron Ramsey ins linke Eck geschossen, wehrte Trapp mit dem Fuß ab. Der Rest ist Sporthistorie. Alle Frankfurter Schützen verwandelten ihre Strafstöße, die Eintracht holte nach 42 Jahren mal wieder einen Europapokal nach Frankfurt

Der chinesische Kalender bezeichnet 2022 als das »Jahr des Tigers«. Im Kalender des Fußballs war es das stattdessen »Jahr des Adlers«. Die Frankfurter Eintracht, ihre Spieler tragen den Adler als Wappen auf der Brust, ist hoch geflogen, noch höher als in den Jahren zuvor. Mit dem Sieg in der Europa League hat die Eintracht zum ersten Mal nach 42 Jahren wieder einen internationalen Titel gewonnen. Mit tollen Auftritten in der Champions League haben sie im zweiten Halbjahr den Aufwärtstrend bestätigen können. Die Erfolge wurden erreicht mit großer Geschlossenheit und mit viel Leidenschaft. Aber es brauchte auch »Heldentaten« einzelner Spieler in wichtigen Momenten der vielen wichtigen Spielen. Dies sind ihre Geschichten.

(pep)

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