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Ein ganz besonderes Training an der Ringallee

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Egal welches Thema: Wenn Janik Trummer (l.) und Ferdinand Hasselbeck das Wort haben , hört der Nachwuchs gebannt zu. © Bär

Fußballtraining und Lernen - die D-Jugend von Blau-Weiß Gießen weiß beides zu kombinieren. Am Montag hatte der Nachwuchs das Projekt »Zusammen1« zu Gast.

Gießen. Der Himmel ist grau, Regenwolken ziehen auf, es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Wolken ihre Schleusen öffnen. Und doch ist auf dem Hartplatz an der Gießener Ringallee ordentlich Betrieb. Denn an diesem Montagnachmittag, die Uhr hat gerade erst 17 Uhr geschlagen, ist etwas anders als sonst. Denn: Die D-Jugend der SpVgg. Blau-Weiß Gießen hat an diesem Tag zwei besondere Gäste zu Besuch, die mit dem Ball am Fuß nicht nur jede Menge Spaß im Gepäck haben, sondern ebenso viel Wissen.

Janik Trummer und Ferdinand Hasselbeck sind Teil des im April 2020 ins Leben gerufene Projekts »Zusammen1« - einer Initiative von Makkabi Deutschland, dem Dachverband für jüdische Turn- und Sportvereine. Zusammen besuchen sie Sportvereine in der gesamten Bundesrepublik - zuletzt etwa bei Arminia Bielefeld sowie bei der U15 bis U23 des VfB Stuttgart -, leiten Workshops sowie Trainings und vermitteln dabei wichtige Werte: Antisemitismus, Antirassismus, Integration statt Ausgrenzung. »Als das Projekt geboren war, haben wir uns überlegt, wie können wir es schaffen, den Sport als Medium für unsere Botschaften zu nutzen?«, blickt Trummer auf die Anfangszeit des vom Bundesfamilienministeriums geförderten Projekts zurück. Dabei sollen möglichst alle Altersgruppen erreicht werden, erklärt der 31-Jährige weiter. »Das schien uns nur möglich, wenn wir wirklich ganz unten ansetzen«, so Trummer. Auf Basis dieser Gedanken wurden zur Anfangszeit des Projekts Konzepte und Ideen entwickelt, diese Art der Wissensvermittlung in den Trainingsbetrieb zu integrieren. »Dann war die Idee geboren, pädagogische Trainings zu machen.« Einerseits sportlich, andererseits pädagogisch.

Viel Lob für die Nachwuchskicker

Beides in Verbindung ergibt auf dem Platz eine fußballerische Einheit - etwa Torschußtraining -, gefolgt von einer kognitiven Aufgabe - beispielsweise dem eigenen Verständnis von Freiheit oder das Brainstorming über Weltreligionen. Wichtig ist dabei vor allem, dass alles ohne Pause erfolgt. Bevor die Kinder nach der Schussübung wieder in die Reihe zurückkehren, müssen sie sich einer dieser Aufgaben stellen. Zum Abschluss der einzelnen Übungen werden die Ergebnisse gemeinsam besprochen. Und die Übungsleiter konfrontieren die Kinder mit Fragen, die die Reflexion eines bestimmten Sachverhalts erfordern. So wird die blau-weiße D-Jugend zu Beginn des Trainings gefragt, ob Profifußballer ihrer Meinung nach gute Vorbilder seien. »Viele haben ja gesagt, aber dabei das Fußballerische gesehen. Andere haben aber auch differenziert«, lobt der 21-jährige Hasselbeck den Gießener Nachwuchs. »Einer hat dann Oliver Kahn als Beispiel gebracht, weil der ja Werbung für Sportwetten macht.« Die beiden Trainer machen keinen Hehl daraus, dass sie von diesen Antworten mehr als positiv überrascht sind. »Für dieses Alter - Hut ab«, nickt Hasselbeck anerkennend.

Die Coaches agieren daher nicht nur als Fußballtrainer, sondern ebenso auch als Lehrer. Da passt es ins Bild, dass Trummer zumindest kurzzeitig Lehramt studierte. Und auch abseits des »Zusammen1«-Projekts sind beide als Jugendtrainer in ihren Stammvereinen unterwegs. Über Trainerlizenzen verfügen sie auch. Dennoch sehen sie noch Verbesserungspotential in ihren Einheiten. »Aktuell arbeiten wir daran, den didaktischen Roten Faden zu verbessern«, erklärt Hasselbeck. Insbesondere die Punkte jüdisches Leben, Demokratie oder Diskriminierungsformen und Handlungsmöglicheiten, auf Diskriminierungen zu reagieren. Vor allem mit dem Hintergrund, dass Kinder viele dieser Fälle auf dem Schulhof erleben.« Dem soll so effektiv entgegengewirkt werden.

Zukunft des Projekts noch offen

Und die Zukunft? Die ist - trotz der Vermittlung dieser wichtigen Werte - noch ungewiss. Ende 2024 läuft die Finanzierung aus. »Wir sind aber positiv gestimmt, dass es danach weitergehen kann, egal mit welchem Träger«, hofft Trummer. An einer Anschluss-Finanzierung sei man bereits dran.

Egal von wem gefördert - ob vom Bund, DFB oder der DFL -, es wäre für die Frühprävention ein großer Rückschlag, sollten Projekte wie »Zusammen1« einfach verschwänden. Denn dass das Angebot nicht nur von Vereinen, sondern auch seitens der Kinder gut angenommen wird, hat die D-Jugend von Blau-Weiß Gießen unter Beweis gestellt. An einem Tag, der zwar etwas anders, aber doch etwas besonderes war. Trotz Regen.

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