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Ein ganz und gar gebrauchter Tag

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Von: Nico Hartung

Lübeck. Als die Partie beendet war, donnerte »Verdamp lang her«, der wohl bekannteste Song der Kölschen Band BAP, in ohrenbetäubender Lautstärke aus den Boxen der Lübecker Hansehalle. Ein im doppelten Sinne passender Titel.

VfL Lübeck-Schwartau - TV Hüttenberg 34:19

Denn zum einen war der letzte Sieg der Gastgeber »verdamp lang her«: Fünf Mal hatte der VfL Lübeck-Schwartau zuletzt in Serie verloren, ehe dem Team von Trainer David Röhrig am Sonntagnachmittag ein fulminanter 34:19 (15:7)-Heimsieg gelang. Zum anderen war es »verdamp lang her«, dass der TV Hüttenberg, der sich zuletzt zum Auswärtsschreck des Unterhauses gemausert hatte, sich in fremder Halle so schwach präsentiert hatte. Aus Sicht der Gäste war es schlicht und ergreifend ein ganz und gar gebrauchter Tag.

»Es hat sich leider das bewahrheitet, was ich vorher befürchtet hatte. Am Ende einer englischen Woche, zu dieser Jahreszeit mit den entsprechenden Erkältungen und dazu noch die lange Auswärtsfahrt am Spieltag, da geht die Wahrscheinlichkeit, auswärts etwas zu holen, gegen null«, sagte TVH-Trainer Johannes Wohlrab hinterher und erklärte: »Wir hatten uns etwas überlegt und während der Fahrt auf den Parkplätzen immer wieder für Aktivierung gesorgt und die Beine locker gemacht, aber es hat leider alles nichts geholfen.«

Bereits zu Beginn wurde schnell deutlich, dass die Hausherren ihre Negativserie unbedingt beenden wollten. So traf Paul Skorupa, einer der auffälligsten Lübecker, vom Kreis bereits nach zehn Minuten zum 4:1. Noch ließen sich die Hüttenberger jedoch noch nicht abschütteln. Tristan Kirschner sorgte nach einer Viertelstunde von Rechtsaußen für das 4:6 und nährte damit die Hoffnungen auf den sechsten Hüttenberger Auswärtssieg.

Diese zerplatzten jedoch noch im Laufe der ersten Hälfte. Denn nach Kirschners Treffer dauerte es keine acht Minuten, da waren die Hansestädter durch Jan-Eric Speckmann, mit neun Toren bester VfL-Werfer, auf 12:5 enteilt. Der TVH scheiterte in dieser Phase immer wieder an Dennis Klockmann im Lübecker Gehäuse, traf wie beispielsweise Vit Reichl nur das Holz (22.) und hatte insbesondere Probleme mit dem siebten Feldspieler, den Röhrig immer wieder brachte.

Wohlrab reagierte und stellte Dominik Plaue für den völlig glücklosen Leonard Grazioli zwischen die Pfosten. Half alles nichts, denn zur Pause leuchtete bereits ein 7:15-Halbzeitstand von der Anzeigetafel. »In der Pause haben wir uns vorgenommen, noch einmal eine Reaktion zu zeigen und noch einmal ein vernünftiges Spiel aufzuziehen. Wir wollten die letzten Körner herausholen, aber die waren nicht mehr da. So einfach war das«, so Wohlrab. Der TVH-Coach brachte abermals Co-Trainer Stefan Kneer auf die Platte, der nach seinem A-Lizenz-Lehrgang erst kurzfristig zum Team gestoßen war und so dafür sorgte, dass die Hüttenberger immerhin 14 Akteure auf dem Spielberichtsbogen vorweisen konnten. Lübeck-Schwartau machte nach dem Seitenwechsel jedenfalls genau dort weiter, wo es kurz zuvor aufgehört hatte.

Zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff hatten die Nordlichter auf 18:7 erhöht, ehe Ian Webers 20:13 noch einmal kurzzeitig für zarte Hoffnung im TVH-Lager sorgte. Diese erwies sich jedoch als Strohfeuer (39.). Denn wiederum nur vier Minuten später hatte der VfL den nächsten 5:0-Lauf hingelegt, auf 25:13 erhöht und damit schon mehr als eine Viertelstunde vor Schluss für die Entscheidung gesorgt.

»Heute ging wirklich fast nichts, die Jungs waren einfach müde und platt, was unter diesen Umständen aber auch irgendwie normal ist, ich mache ihnen deshalb keinen Vorwurf. Am Mittwoch geht es mit dem Trainingsbetrieb weiter, vorher ist frei«, bilanzierte Wohlrab, dessen Schützlinge am zweiten Weihnachtsfeiertag gegen den TuSEM Essen noch ein allerletztes Spiel in diesem Kalenderjahr vor der Brust haben.

Lübeck-Schwartau: Klockmann, Conrad (ab 48.) - Leitz, Weiß (2), Raguse (3), Skorupa (5), Patzel (1), Ciudad Benitez (3), Schrader (4), Hagen, Wolf (1), Horner (1), Blum, Speckmann (9/5), Bruhn (3), Cohen (3).

Hüttenberg: Grazioli, Plaue (ab 23.) - Schwarz, Kneer (1), Kirschner (4), Opitz, Theiß (2), Weber (5/2), Reichl (2), Schneider (2), Hofmann (1), Jockel (2), Schreiber, Kuntscher.

Schiedsrichterinnen: Blunck/Maczeyzik (Hamburg) - Zuschauer: 1110 - Zeitstrafen : Lübeck-Schwartau fünf (Raguse, Skorupa zwei, Speckmann, Bruhn), Hüttenberg drei (Kneer, Theiß, Reichl) - verworfene Siebenmeter: Speckmann (Lübeck-Schwartau) scheitert an Plaue (38.)

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