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Ein gemeinsamer Traum

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Das Training ist hart, die Ziele für Lars und Emely Leonhardt aber groß. Foto: Leonhardt © Leonhardt

Gießen. Wenn am vorletzten September-Wochenende im slowenischen Podcetrtek die Eröffnungszeremonie der Kickbox-Weltmeisterschaften über die Bühne geht, werden in der dortigen Halle auch Gießener Kämpfer zu sehen sein.

Der 46-jährige Lars Leonhardt gründete - nachdem er sich entschied, seinen Job als Direktor einer Bank in Marburg an den Nagel zu hängen - im Jahr 2018 seine eigene Kampfsportschule »Cor Leonis«. Das Angebot dieser Schule richtet sich unter anderem an psychisch-kranke Kinder. Dazu gehören oftmals Mobbingopfer, aber auch behinderte Kinder sind an seiner Einrichtung in Wieseck willkommen. Leonhardt mischt in seiner Schule gesunde und beeinträchtigte Kinder und Jugendliche. »Wir haben ein System entwickelt, in dem das eine Kind vom anderen lernen kann. Oftmals merkt das gesunde Kind erst nach einigen Monaten, dass sein Gegenüber nicht sprechen kann. Sie haben sich bis dahin auch so verstanden«, erklärt der Gründer.

Wenn Leonhardt, der unter anderem auch als Gewaltpräventionspädagoge arbeitet, von seiner Schule und den Erfolgen erzählt, ist deutlich zu spüren, wie stolz er auf das Ganze ist. Das kann er auch sein. Nicht umsonst ist jüngst eines der Mädchen, das als traumatisiert bei ihm angefangen hatte, Deutsche Meisterin geworden. Mit dafür verantwortlich ist auch Leonhardts Tochter Emely, die sich ebenfalls als Trainerin beteiligt. Die erst 14-Jährige, die seit ihrem fünften Lebensjahr kickboxt, hat bereits mehrfach Deutsche und Europa-Meisterschaften für sich entschieden. Zusätzlich ist sie auch bereits dreifache Weltmeisterin. Emely, die von ihrem Vater als ruhig und bescheiden beschrieben wird, war in ihrer frühen Kindheit selbst noch sehr schüchtern, was sie aber durch den Sport ablegen konnte. Vater Lars entschied sich mit 13 Jahren für das Kickboxen. Seitdem ließ ihn dieser Sport nicht mehr los.

Nun stehen für das Team die Weltmeisterschaften des World Martial Arts Commitee (WMAC), eines der größten Kickboxverbände der Welt, an. Nun wollen Vater und Tochter zusammen Weltmeister werden. »Wir wollen einmal zusammen auf dem Treppchen stehen, einmal zusammen die Fahne halten. Das ist einfach unser Familiending«, erklärt Papa Leonhardt mit Blick auf den bevorstehenden Wettbewerb. Bei den letzten Versuchen vor der Corona-Pandemie wollte es noch nicht so ganz klappen. Tochter Emely belegte bei der WM in den USA den zweiten Platz, Vater Lars holte in der Klasse ab 35 Jahren die Bronzemedaille. Zusätzlich musste er mit 64 kg in einer Klasse bis 82 kg antreten. Beim zweiten Versuch, zwei Monate später in Schottland, wurde Leonhardt auf dem Weg zur WM grippekrank, belegte aber wieder den dritten Platz. Hier war er auch als Bundestrainer dabei. Im Rahmen der letztjährigen EM in Italien, ließ er sich vom Präsidenten des Verbandes nochmal überreden. Nun laufen die Vorbereitungen für das Vater-Tochter-Gespann, das bei der kommenden WM übrigens noch von dem 19-jährigen Lollarer Tim Bayer begleitet wird. Auch er ist bereits Weltmeister, dazu Deutscher und Europameister. Er arbeitet ebenfalls bei »Cor Leonis« als Trainer.

Zur Zeit trainieren Vater und Tochter Leonhardt fünf- bis sechmal pro Woche. Das Training setzt sich aus Konditionseinheiten sowie Kraft/Ausdauer und Sparring (Wettkampftechniken) zusammen. Aber auch die Physiotherapie stellt einen wichtigen Anteil dar. Leonhardt, der in diesem Jahr zum ersten Mal in der sogenannten Mastersklasse ab 45 Jahren an den Start geht, bezeichnet sich als sehr ehrgeizig. »Damit es in diesem Jahr klappt, versuche ich, auf meinen Körper zu hören und mir im Training auch mal Erholungsphasen zu gönnen.« Vater und Tochter treten in den Kategorien Leichtkontakt und Kicklight an. Ein Kickboxer ist während des Kampfes komplett auf sich alleine gestellt. Leonhardt betont, wie wichtig es darum sei, dass man neben der Matte den Coach hat, der mit Überblick die Anweisungen gibt. In diesem Punkt unterstützt sich das Duo gegenseitig. Nicht nur Vater Lars gibt seine Unterstützung an seine Tochter weiter, auch Emely coacht ihren Vater, während dieser auf der Matte steht. »Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig hören. Das hatte in den USA leider noch nicht so gut geklappt. Wir haben klare Kommandos und unsere eigene Geheimsprache. Auch das üben wir gerade«, so Lars Leonhardt.

Einen besonderen Unterstützer hat das Duo in Kickbox-Legende Ferdinand Mack. Der mehrfache Profi-Weltmeister war von Emely Leonhardt direkt überzeugt, sodass er sie seit einiger Zeit in seiner eigenen Kampfsportschule in Mannheim zusätzlich trainiert. Aber auch Vater Lars bekommt zur Vorbereitung auf die WM seine Trainingseinheiten bei dem mittlerweile 62-Jährigen.

Einen besonderen persönlichen Plan hat Leonhardt noch für das Jahr 2023. Dann plant er mit einem eigenen »Cor Leonis«-Team an den US Open teilzunehmen. Aber zuerst soll in Slowenien doppeltes Gold eingesackt werden.

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