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Ein Königreich für einen Knipser

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Jabez Makanda im Testspiel gegen Waldgirmes. Der Neuzugang ist eine Alternative in der vordersten Reihe des FC Gießen. © PeB

Gießen . Uwe Wolf hat gerade bei Real Madrid hospitiert. Das ist kein Scherz. Bernabeu in der spanischen Hauptstadt anstelle von Waldstadion in Mittelhessen. Allerdings: Wer die Entwicklungen beim VfR Aalen in den vergangenen zwei Wochen beobachtet hat, weiß, dass der 54-jährige Ex-Bundesligaprofi auf der Trainerbank vom Gegner des FC Gießen (Samstag, 14 Uhr) bereits Geschichte ist.

Eine Art Seifenoper wurde zuletzt in der knapp 70 000-Einwohnerstadt auf der Ostalb gegeben. Mit allen Schikanen: Dem häufiger auffällig gewordenen und auch gesperrten Wolf, laut »Schwäbischer Zeitung« bei der Mannschaft beliebt, wurden auf der VfR-Vereinsseite »vereinsschädigende Falschaussagen« oder auch »Pöbeleien gegenüber Sponsoren« vorgeworfen. Ergo musste Wolf gehen, Co Christian Demirtas hat übernommen. Wolf droht unterdessen mit juristischen Schritten und grüßt aus Madrid, was schon länger geplant war. Nach einem Bericht der »Stuttgarter Zeitung« kennt Wolf den ehemaligen spanischen Star-Stürmer Emilio Butragueno aus gemeinsamen Profizeiten in Mexiko, so kam die Hospitanz zustande.

FC Gießen - VfR Aalen (Samstag, 14 Uhr)

Ein wenig glitzernde Fußballwelt im Regionalliga-Alltag. Gießens Trainer Daniyel Cimen sieht die Verwerfungen in Aalen weitgehend emotionslos: »Wir haben das registriert, wollen uns aber nicht damit beschäftigen. Bei uns geht es ab jetzt ums nackte sportliche Überleben.« Der FC Gießen müsse sich auf sich konzentrieren, was bedeutet, endlich mal einen Sieg im engen Abstiegsfeld zu landen. »Die Art und Weise passt bei uns. Wir erspielen und erarbeiten uns Chancen, aber wir müssen uns auch endlich einmal für den Aufwand belohnen«, findet Ex-Profi Cimen nach dem 0:0 gegen Bahlingen und dem 1:1 in Balingen genau ein Haar in der Suppe: die mittlerweile schon legendäre Abschlussschwäche seiner Mannschaft.

Und wie kann man das beheben? »Wir arbeiten im Training immer weiter an den Abschlüssen, immer noch ist die letzte Entscheidung oft falsch. Wir müssen den besser platzierten Mitspieler sehen, oder eben schießen, wenn die Bahn frei ist. Die letzte Genauigkeit und Entschlossenheit fehlt«, lautet die mittlerweile zu einem Mantra gewordene Einschätzung des Gießener Trainers. Dabei sei es »ein Mix aus vielen Komponenten, Balingens Torwart hat zum Beispiel zwei, drei Mal auch sensationell gehalten.« Neben der Arbeit im Training (»zuviel Druck darf auch nicht sein, dann verkrampft man noch mehr«), die übrigens auch den oft schlecht verteidigten Standards gilt, »da kassieren wir zu einfache Treffer«, ist mit Giuseppe Burgio ein Hoffnungsträger auf gutem Weg.

Der als klassischer »Knipser« geholte Ex-Walldorfer konnte Gießen aus Verletzungs- und Krankheitsgründen bisher kaum helfen, wäre aber - wie er bei seinen wenigen Einsätzen bestätigte - durchaus der Spieler, der in Sachen Tore den Unterschied machen könnte. »Er wird von Woche zu Woche besser, dynamischer, nach dem Aalen-Spiel sollte er wieder fit sein.«

Heißt aber auch, dass Burgio gegen die Mannen von der Ostalb noch nicht über die volle Distanz gehen wird. Die Verantwortung, das ansehnliche Spiel der Rot-Weißen in Zählbares umzumünzen, liegt auch an diesem Samstag zunächst bei seinen Kollegen. Nicht bei Gianluca Lo Scrudato, der nach der fünften Gelben gesperrt ist. Und Niclas Mohr und Benedict dos Santos sind auf einem guten Weg, aber noch nicht für die Aalener bereit, denen die Trainer-Turbulenzen der vergangenen Wochen, so darf der FC Gießen vielleicht hoffen, ein wenig die Spiellaune verhagelt haben.

Kader FC Gießen: Löhe, Grbovic, Birol; Fisher, Fink, sarr, Gaudermann, Kling, Reithmeir, Sawada, trkulja, Tiliudis, Münn, Owusu, Bogicevic, Itaoi, Daghfous, Takehara, Öztürk, Makanda, Burgio.

Es fehlen: Lo Scrudato (gesperrt nach fünfter gelber Karte). Mohr, dos Santos (beide im Aufbautraining).

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