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Ein Königreich für einen Torjäger

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Ein starker Stürmer, aber kein Torjäger im Eintracht-Team: Jesper Lindström. © dpa

Frankfurt (pep). Den Ausgang des Spiels beim FC Augsburg fand Markus Krösche einfach nur »ärgerlich«. Der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht bemängelte, »dass wir in der zweiten Halbzeit teilweise hundertprozentige Chancen herausgespielt, sie aber nicht genutzt haben.«

Vor allem deshalb blieb es bei einem mageren 1:1. Ein Punkt, der die grundsätzliche Überlegenheit der Eintracht gegenüber dem biederen Gegner nur unzureichend ausdrückte, ein Unentschieden, das aber auch die Probleme der Eintracht deutlich machte. Zwei Wochen bleiben in der winterlichen Transferperiode noch Zeit, um personelle Engpässe auszubügeln.

»Wir werden alles dafür tun, um vielleicht am Ende wieder auf einem internationalen Platz zu landen«, hat Krösche gerade erst in einem Interview gesagt. Daran sollte er sich messen lassen. Die Chance auf Europa lebt in Frankfurt trotz des nur mäßig geglückten Starts ins neue Jahr (zwei Spiele, ein Punkt) weiter. Die Abstände nach oben sind gering, ein Sieg mehr kann die Lage komplett verändern. Schon am Freitag gegen Arminia Bielefeld.

Fingerzeig

Das Spiel in Augsburg hat wichtige Fingerzeige gegeben, jedenfalls mehr als die knappe und unglückliche Niederlage gegen Dortmund. Auf der einen oder anderen Position fehlt die Breite, das war nach den Ausfällen von Torwart Kevin Trapp und Vorbereitungskönig Filip Kostic offensichtlich. An anderer Stelle fehlte auch die individuelle Klasse. Trapp und Kostic gehe es »gut«, sie seien »ohne Symptome«, heißt es von der Eintracht. Beide sollen nach überstandenen Covid-Erkrankungen schon im Laufe der Woche zurückkehren und womöglich schon gegen Bielefeld wieder spielen können. Das wäre auch nötig. Gerade auf der linken Angriffsseite gibt es nach wie vor keine echte Alternative. Chandler müht sich nach Kräften, ist aber nur ein Notnagel. Und Christopher Lenz ist seit seinem Wechsel aus Berlin zur Eintracht mehr verletzt als einsatzfähig.

Aber auch ohne Verletzungen und Erkrankungen gibt es zwei noch größere Lücken im Mannschaftsverbund. So geht den Frankfurtern ein echter Torjäger nun mal ab, seitdem André Silva den Klub verlassen hat. Und es fehlt auf Außen, vor allem rechts, ein wirklich überdurchschnittlicher Spieler.

Almamy Touré blieb diesen Nachweis in Augsburg einmal mehr schuldig. Bei allem Talent: Nach hinten spielte er wieder einmal schludrig und vorne hätte er mit etwas mehr Entschlossenheit zwei Treffer erzielen können. An der Konstellation auf der rechten Außenbahn wird Krösche im Winter allerdings kaum etwas ändern (können). Dem Trainer bleibt die Hoffnung, dass sich einer der vier Kandidaten Danny da Costa (noch in Corona-Quarantäne), Erik Durm (nach Quarantäne erstmals wieder dabei), Touré und Chandler doch noch wirklich durchsetzt.

Handlungsbedarf herrscht in der Sturmmitte. Gibt es aber auch Handlungsmöglichkeiten? Gerade weil sich die Neuen aus dem letzten Sommer, Rafael Borré und Jesper Lindström, prächtig entwickelt haben, könnte eine zusätzliche Alternative den entscheidenden Mehrwert im Kampf um europäische Plätze bringen. Die Hoffnung, aus Bordmitteln Lösungen zu finden, sind in diesem Jahr geringer geworden. Sam Lammers ist nach dem Spiel gegen Dortmund erstmal durchgefallen und auch Goncalo Paciencia hat seine, wenn auch kurze, Chance in Augsburg nicht genutzt. Ragnar Ache ist auf höherem Niveau nicht viel zuzutrauen. Wenn Trainer Oliver Glasner nach Augsburg beklagt, »dass wir den Matchball nicht machen«, liegt das zum Teil eben auch an den personellen Möglichkeiten.

Geldfrage

Borré (6 Tore) und Lindström (4) sind immer besser geworden in den letzten Monaten, aber ihre größten Talente liegen nicht im direkten Abschluss. Ein »Königreich« also für einen Torjäger. Der Wille bei Sportchef Krösche scheint vorhanden (siehe oben). Der Kandidat ist mit Randal Kolo Muani vom FC Nantes auch schon gefunden. Die Frage bleibt: Ist ein Transfer in den Zeiten der von der Politik verordneten leeren Stadien finanziell zu stemmen?

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