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Ein Satz mit X

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Von: Nico Hartung

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Keine Chance: Die beiden Hüttenberger Tristan Kirschner (l.) und Philip Opitz können den Bietigheimer Fabian Wiederstein nicht am Wurfversuch hindern. Foto: imago © imago

BIETIGHEIM-BISSINGEN . Irgendwie hatte die Szene Symbolcharakter. In der Bietigheimer Sporthalle am Viadukt lief am Samstagabend die 53. Minute, als sich Hüttenbergs Paul Kompenhans dank einer schnellen Abwehrreaktion den Ball schnappte, alleine auf SG-Schlussmann Fredrik Genz zusteuerte - und diesem das Harzleder unbedrängt ans Bein warf.

SG Bietigheim - TV Hüttenberg 33:26

Im direkten Gegenzug traf Alexander Velz zum 30:21, was bereits mehr als eine Vorentscheidung war. Am Ende setzte es für Handball-Zweitligist TV Hüttenberg bei der SG BBM Bietigheim eine 26:33 (11:17)-Niederlage, die dritte in der laufenden Spielzeit und die erste vor fremdem Publikum. Zu jenem Zeitpunkt, als Kompenhans scheiterte, agierten die Gäste bereits in offener Manndeckung, um noch ein wenig Ergebniskosmetik zu betreiben. Entsprechend deutlich wurde Johannes Wohlrab hinterher in seiner Analyse zum Spielgeschehen: »Ein klassischer Satz mit x, das war nix«, erklärte der Trainer der Hüttenberger, der als einen der entscheidenden Faktoren unter anderem das Torhüterduell ausgemacht hatte. Während Bietigheims »Freddy« Genz auf 13 Paraden kam, schafften auf der Gegenseite Dominik Plaue (5) und der wiedergenesene, jedoch glücklose Leonard Grazioli (2) gemeinsam gerade einmal knapp halb so viele.

Doch nicht nur auf der Schlüsselposition zwischen den Pfosten war es schlussendlich eine eindeutige Angelegenheit zwischen dem »Original aus Mittelhessen« und seinem Widersacher, sondern ebenso zwischen den Torräumen. Die Blau-Weiß-Roten wirkten nach einer ordentlichen Anfangsphase, in der sie durch Moritz Zörbs Treffer sogar zwischenzeitlich mit 4:2 führten (9.), verunsichert und öffneten dem überlegten und abgezocktem Bietigheimer Spiel damit Tür und Tor. »Wir haben wieder eine Phase, in der wir keinen Kopf auf dem Spielfeld haben, zu viele einfache Fehler machen und zu leicht die Bälle verlieren. Innerhalb von fünf Minuten verlieren wir komplett den Faden«, ärgerte sich Wohlrab hinterher.

So nutzte Bietigheim, nachdem es sich auf die Hüttenberger 3:2:1-Deckung eingestellt hatte, die Fehler der Gäste mit beeindruckender Kaltschnäuzigkeit aus und setzte sich nach Vit Reichls 6:6 (17.) in Unterzahl zunächst auf 9:6 ab (20.), ehe die Schützlinge von Trainer Iker Romero den Turbo zündeten und bis zur Pause dank des Empty-Net-Goals von Fabian Wiederstein bereits auf 17:11 enteilt waren. Dabei hatten sich die Hüttenberger kurz zuvor noch einmal herangekämpft und durch Ian Weber auf 11:13 verkürzt (25.), ehe in den verbleibenden fünf Minuten des ersten Durchgangs dann gar nichts mehr zusammenlief.

»Ich freue mich besonders darüber, dass meine Mannschaft in der zweiten Halbzeit kein Stück nachgelassen hat. Hüttenberg ist ein sehr kampfstarker Gegner, der immer wieder zurückkommen kann, das wussten wir vorher«, so Romero hinterher.

In Schlagdistanz kamen die Gäste jedoch im gesamten zweiten Durchgang nicht mehr. Zwei Mal (14:19, 18:23) schaffte es der Traditionsclub noch, auf fünf Tore heranzukommen, mehr glückte nicht. Bester Hüttenberger im zweiten Durchgang war Joel Ribeiro, der das TVH-Spiel noch einmal belebte und alle seine vier Treffer nach der Pause erzielte. »Ich kann der Mannschaft mit Blick auf die Moral trotzdem nichts vorwerfen. Selbst als wir zwischenzeitlich fast bei minus zehn sind, geben wir nicht auf und kämpfen uns noch einmal heran, obgleich unsere Chancenauswertung wieder ein Thema für sich war«, so Wohlrab später.

Die Chance zur Rehabilitation bietet sich den Hüttenbergern bereits in neun Tagen. Dann allerdings nicht im Ligabetrieb, der angesichts der Länderspielpause am kommenden Wochenende pausieren wird, sondern in der 2. Runde des DHB-Pokals, in der der TVH am Mittwoch (19. Oktober) ebenfalls um 19.30 Uhr und ebenfalls in der Bietigheimer Sporthalle am Viadukt abermals gegen das Team von der Enz antreten wird. »Jetzt atmen wir erst einmal ein bisschen durch, dann kommen wir wieder hier her und wollen uns anders präsentieren, ganz einfach«, so Wohlrab am Ende eines Abends, der aus Hüttenberger Sicht schlicht ein gebrauchter war.

Bietigheim: Genz, Kanters (n.e.), Poltrum (n.e.) - Vlahovic, Claus (5), Lopez, Öhler (6), Wolf (3), Schäfer (10/6), de la Pena (2), Wiederstein (1), Velz (2), Hejny, Asmuth (1), Fischer (3).

Hüttenberg: Grazioli (bis 19., 43.-54.), Plaue (19.-43., ab 54.) - Schwarz (3), Kirschner (1), Opitz, Theiß (3), Fujita, Weber (6/1), Zörb (2), Reichl (1), Hofmann (1), Klein, Kompenhans (3), Schreiber (1), Ribeiro (4), Kuntscher (1).

Schiedsrichter: Cesnik/Konrad (Gummersbach) - Zuschauer: 937 - Zeitstrafen: Bietigheim sechs (Fischer, Hejny, Velz, Wiederstein zwei, Öhler), Hüttenberg vier (Schwarz, Zörb, Kompenhans, Kuntscher) - verworfene Siebenmeter: Hofmann (Hüttenberg) scheitert an Genz (2.).

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