1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Ein Schritt gegen den Trend

Erstellt: Aktualisiert:

gispor_1902_lollar_19022_4c
Das Lollarer Gelände in ganzer Pracht. Der Kunstrasen (hinten) und das Sportheim werden rechtzeitig zur neuen Eigenständigkeit saniert. © PeB

Lollar/Staufenberg. Mit Beginn der Fußball-Saison 2014/15 hatten Eintracht Lollar und der SV Staufenberg ihre bereits in der Jugend laufende Kooperation auch auf den Aktivenbereich ausgeweitet und als FSG agiert. Nun das Aus: Ab der Spielzeit 2022/23 gehen die beiden Vereine bei den Senioren wieder in die Eigenständigkeit zurück, die Jugend-Spielgemeinschaft der beiden Vereine wird fortgeführt.

Als den zum damaligen Zeitpunkt richtigen Schritt bezeichnet es Markus Müll-Hennig rückblickend, eine Spielgemeinschaft eingegangen zu sein. Doch der langjährige Spieler und Trainer der Eintracht, der seit Oktober 2021 als 1. Vorsitzender fungiert und dabei mit Haydar Kilinc (2. Vorsitzender) einen weiteren viele Jahre lang für LollarAktiven an seiner Seite hat, weiß auch, dass sich Zeiten ändern. »Die Zusammenarbeit in den letzten Jahren lief gut, da bleibt trotz der Trennung jetzt auch nichts hängen. Natürlich waren damals nicht alle glücklich, dass wir nicht mehr eigenständig waren. In den letzten Monaten sind viele an uns herangetreten, und wir haben gemerkt, dass ein großes Interesse besteht, wieder etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Viele wollen uns im Sponsoring unterstützen, auch im Vorstand arbeiten unheimlich viele Leute mit«, betont Müll-Hennig, wobei Kilinc ergänzt: »Es wollten sogar mehr in den Vorstand als es Plätze gab.

Als positives Beispiel für die Aufbruchstimmung führen die beiden Vorsitzenden an, dass sich beim Arbeitseinsatz am Sportgelände im Dezember 36 Helferinnen und Helfer tummelten, wo sich in den Jahren zuvor zumeist sechs, sieben verliefen. Als wichtige Punkte, die nicht nur in Planung sind, sondern zum Teil schon angegangen wurden, nennt Müll-Hennig die Kernsanierung des Vereinslokals und die Sanierung des Kunstrasenplatzes, der nach 20 Jahren nun einen neuen Belag bekommen wird.

Natürlich genießt es aber auch Priorität, eine neue und schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Dafür war die Trainerpersonalie bedeutend. Mit dem aktuellen FSG-Coach Ümit Komac wurden Gespräche führt, dieser sieht aber für den Neuanfang bei der Eintracht auch neues Personal als wichtig an und wird die Mannschaft daher nur bis Saisonende trainieren. Spielertrainer der Lollarer wird mit Ufuk Ersentürk (aktuell SG Kinzenbach) ein Mann, der auch schon das Trikot der Buderusstädter getragen hat. »Er ist in Kinzenbach momentan schon so etwas wie ein Trainer auf dem Platz, dirigiert viel von der Sechs, ist kommunikativ, engagiert und lebt die richtige Einstellung vor. Daher denken wir, dass er genau der richtige Mann für uns ist«, beschreibt Müll-Hennig.

Ersentürk trainiert Lollar

Nun gilt es, um Ersentürk herum eine Mannschaft aufzubauen, die in der Kreisliga A Gießen eine gute Rolle spielen kann. Große sportliche Ziele hat die Eintracht, die 2013 noch in der Verbandsliga spielte, nicht formuliert, die gute Historie ist aber durchaus eine Motivation. »Zunächst geht es darum, die Aufbruchstimmung aufrechtzuerhalten. Wir merken, dass die Leute wieder hungrig auf die Eintracht sind. Wir wollen natürlich auch Spieler verpflichten, die sich mit dem Projekt identifizieren«, betont Kilinc und Müll-Hennig ergänzt: »Es gab Jahre, da sind zehn Mann gekommen und zehn gegangen. Das wollen wir in dieser Form nicht mehr erleben. Wir fangen bei Null an und wollen auch Spieler, die sich darauf freuen, bei dem Neustart dabei zu sein.«

Nicht völlig überraschend kam das Ende der Spielgemeinschaft für die Partner aus Staufenberg, bei denen auch schon mal Ideen aufkamen, eine SVS-Mannschaft »außer Konkurrenz zur FSG« ins Rennen zu schicken. »Daher waren wir auch nicht böse oder sauer, als es feststand, sondern haben uns mit Feuereifer daran gemacht, die nötige Manpower für die Eigenständigkeit im Aktivenbereich zu schaffen«, berichtet Joachim Ensle aus dem Vorstand.

Elementar für die Zusammenstellung der Mannschaft war es natürlich, einen Trainer zu installieren, um in der Folge den Kader angehen zu können. Und dieser wurde in Steffen Dimmer gefunden, der bislang kurioserweise aber auch die Abteilungsleitung der FSG innehatte. »Wir kennen Steffen schon lange, er hat ja schon einige Jahre hier gespielt. Er ist ein engagierter und sympathischer Kerl, der sehr gut ankommt und damals bei der Freien TSG Gießen schon erste Erfahrungen als Spielertrainer gesammelt hat. Daher war er unsere erste Wahl«, berichtet der 1. Vorsitzende des SV Staufenberg, Horst Münch, während Ensle als weiteres Plus anführt, dass »Steffen mit seinen 32 Jahren noch ein junger Trainer ist und dadurch einen sehr guten Draht zu den jungen Spielern hat. Das ist in der heutigen Zeit besonders wichtig.«

Dimmer trainiert Staufenberg

Überambitionierte Ziele gibt der SV Staufenberg für die nächsten Jahre nicht aus, ob ein Startplatz in der A-Liga wahrgenommen wird oder es in der kommenden Saison in der B-Liga losgeht, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden und richtet sich dann auch nach der Qualität und vor allem nach dem Willen der Mannschaft. »Da werden wir alle zu gegebener Zeit ins Boot holen und nichts von oben herab entscheiden. Wichtig ist für uns, dass sich die Spieler mit dem SV Staufenberg identifizieren«, betont Ensle, der hofft, dass die Eigenständigkeit dem Vereinsleben guttut und auch einige Zuschauer an den Rasenplatz an der Jahnstraße und in das schmucke, neu renovierte Vereinsheim lockt.

Aus einer Spielgemeinschaft heraus wieder den Schritt in die Eigenständigkeit zu wagen, ist sowohl von Eintracht Lollar als auch vom SV Staufenberg durchaus mutig. Ein Schritt gegen den Trend sozusagen. Wenn dieser gelingen sollte, könnte dies vielleicht ein Beispiel für andere sein, um dem »Vereins- und Mannschaftssterben« im Fußball entgegenzuwirken.

gispor_1902_staufenberg__4c
Steffen Dimmer (3. von links) im Kreise der Staufenberger Verantwortlichen. © Steinert

Auch interessant