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Ein teures Vergnügen

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Von: Alexander Fischer

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Mut zur Lücke ist bei Profivereinen nicht ganz so angesagt. So wie bei diesem Heimspiel der Gießen 46ers Anfang Oktober sieht es nicht immer aus, aber insgesamt mehr Zuschauer dürfen es dann doch sein. Ob das auch mit den Preisen zu tun hat, ist eine andere Frage. Foto: Schepp © Schepp

Bei Ticketpreisen liegen 46ers in ProA am oberen Rand / Nur Vechta und Trier verlangen mehr

Gießen . 4450 begeisterte Fans im Colonel-Knight-Stadion vergangene Woche im Hessenderby des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim gegen die Kassel Huskies. Oder 4421 Besucher kurz vor Weihnachten in der Buderus-Arena beim Auftritt der Rhein-Neckar Löwen in der Handball-Bundesliga bei der HSG Wetzlar: Langsam aber sicher erholen sich die heimischen Profi-Clubs von Corona beziehungsweise sie trotzen den Einsparungen, die Menschen vornehmen müssen, um immer weiter steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen sowie hohen Sprintkosten zu begegnen.

Es sind Zuschauerzahlen, von denen die Gießen 46ers derzeit nur träumen können. Zweimal kamen bisher über 2000 Besucher in die altehrwürdige Sporthalle Ost, in die eigentlich 3752 Besucher passen würden.

Was auch Geschäftsführer Jonathan Kollmar Sorgen bereitet: »Unser Ziel ist es natürlich, die Halle voll zu bekommen, denn dadurch können wir unseren Gewinn maximieren. Außerdem erhält die Mannschaft einen Push, so dass jeder einzelne gefühlt noch einmal 10 oder 15 Prozent auf seine eigene Leistung draufpackt«, bekennt der 30-Jährige.

Liegt das noch immer bescheidene Interesse der Anhänger an den im Vergleich zu fast allen anderen Basketball-Zweitligisten sehr hohen Ticketpreisen? »Uns ist klar, dass wir ein moderateres Level brauchen«, so Kollmar, der verspricht, dass sein Club im Sommer die Preise zumindest beibehalten wird. Nicht in den Mund nehmen möchte er den Namen seines Vorgängers Sebastian Schmidt, der einst verfügte, dass die Preise trotz des Abstiegs aus der Bundesliga beibehalten wurden. »Schließlich«, und das weiß auch Kollmar, »sind die Kosten beispielsweise für den Sicherheitsdienst, den Caterer oder die eigenen Aushilfen zum Teil deutlich gestiegen.«

Tatsache ist aber: Basketball in Gießen ist ein teures Vergnügen. Im Vergleich mit allen anderen 17 Clubs der ProA liegen die 46ers beispielsweise bei den Sitzplatz-Erlösen auf Rang drei. Nur im Dome von Tabellenführer Rasta Vechta und in der Arena Trier zahlen die Fans geringfügig mehr. Vechta verlangt für die beste Erwachsenen-Karte 35,20 Euro, Trier 34 Euro. An der Lahn sind es 32,50 Euro.

Dafür sind bei beiden Clubs die günstigsten Sitzplatz-Karten für teilweise deutlich weniger Geld als in Gießen (23,50 Euro) zu bekommen. In Niedersachsen kostet diese Karte 22 Euro, an der Porta Nigra ist sie für 16 Euro zu haben. Nur zehn Euro kosten die billigsten Sitzplätze bei den Sparkassenstars Bochum und den PSK Karlsruhe Lions. Die Panther Schwenningen, die Giants Leverkusen und die Dresden Titans nehmen 13 Euro, Medipolis SC Jena verlangt 13,50 Euro.

Ein Stehplatz kostet in der Sporthalle Ost 14 Euro, Rasta Vechta verlangt 14,30 Euro. Nur sechs Euro sind es bei den PSK Karlsruhe Lions, zehn kostet dieses Ticket bei den Artland Dragons. Fast alle anderen nehmen zwölf Euro.

Auch bei den Dauerkarten-Preisen müssen sich die 46ers nur Rasta Vechta und den Gladiators Trier geschlagen geben. Während der Fan in Gießen im Sommer 450, 375 oder 315 Euro hinblättern musste, ruft Vechta je nach Kategorie 510, 465, 350, 300 oder 240 Euro auf. In Trier mussten diejenigen, die alle 17 Hauptrundenspiele sehen wollten, 495, 393 oder 234 Euro zahlen. Am billigsten sind die Dauerkarten in Bochum (zwischen 140 und 196 Euro), Dresden (160 bis 190 Euro), Düsseldorf (219 Euro) und Leverkusen (zwischen 177 und 245 Euro).

Für eine Stehplatz-Dauerkarte verlangten die 46ers vor der Saison 210 Euro. Bei den Kirchheim Knights war diese beispielsweise schon für 160 Euro zu haben, bei den Artland Dragons kostete sie 150 Euro, bei Rasta Vechta gab es sie für 205 Euro.

Dass der Kreativität beim Ticketverkauf keine Grenzen gesetzt sind, haben die Gießen 46ers mit ihrer sogenannten »FlexiCard« bewiesen, bei der sich die Anhänger in der am Sonntag mit einem Heimspiel gegen die Gladiators Trier (16 Uhr) endenden Vorrunde fünf Partien aussuchen konnten. Sie kostete (ohne Ermäßigung) 150, 125 oder 105 Euro, als Stehplatz 65 Euro. Laut Jonathan Kollmar überlegen die Verantwortlichen des fünffachen Deutschen Meisters, diese »FlexiCard« auch in der Rückrunde wieder anzubieten.

»FlexiCard und »Powerkarte«

Auch andere Vereine sind einfallsreich. Die Eisbären Bremerhaven, die zwei ihrer 17 Heimspiele in Bremen austragen, bieten deshalb ihren Fans kleine oder große Kartenkontingente an. Die Nürnberg Falcons haben sich eine »Powerkarte« einfallen lassen, die zum vergünstigten Einkauf bei vielen Sponsoren berechtigt. Für 55 Euro sitzen die Anhänger von Phoenix Hagen mit einem Courtside-Ticket in der Krollmann-Arena direkt am Spielfeldrand.

Wer bei Rasta Vechta eine Dauerkarte besitzt, kann kostenlos alle Partien der zweiten Mannschaft in der ProB verfolgen. Und in Trier gewährt der Betreiber des Hallen-Restaurants 15 Prozent auf jede Rechnung - und dies nicht nur, wenn die Gladiators spielen, sondern an allen anderen Tagen auch.

Dies alles im Bemühen, die Hallen in der angeblich »stärksten 2. Liga aller Zeiten«, wie sich die ProA bisweilen gerne bezeichnet, voll zu bekommen …

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