1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Ein überraschender Sahnetag

Erstellt:

Coburg. 1907 Zuschauer hatten den Weg in die Huk-Coburg-Arena gefunden, Saisonrekord. Die meisten von ihnen, die zweifellos dem Heimteam die Daumen drückten, hatten im Vorfeld gehofft, einen Coburger Sieg, gepaart mit einem ansehnlichen Handball-Zweitligaspiel erleben zu dürfen.

HSC 2000 Coburg - TV Hüttenberg 25:31

Bewahrheitet hat sich am Ende jedoch nur Letzteres. Denn kurz nach dem Spielende waren es die Akteure vom TV Hüttenberg, die ihren Auswärterfolg beim HSC 2000 Coburg in einem Jubelkreis feierten und dazu ausgelassen tanzten.

Mit einem deutlichen 31:25 (16:13)-Erfolg wiesen die Hüttenberger die Gastgeber, auf deren Seite mit Geschäftsführer Jan Gorr sowie den Spielern Merlin Fuß und Florian Billek gleich drei ehemalige TVH-Akteure standen, in die Schranken. Es war ein Sieg, mit dem vor Spielbeginn wohl nur wenige gerechnet hatten, der jedoch sowohl in seiner Entstehung als auch in seinem Endergebnis völlig verdient war. Entsprechend positiv fiel das Fazit von TVH-Coach Johannes Wohlrab aus: »Wir haben einen Sahnetag erwischt, das Spiel über 60 Minuten dominiert und zu jedem Zeitpunkt das Tempo vorgegeben«, so der 36-Jährige, dem ebenfalls bewusst war: Diese Darbietung seiner Schützlinge war die perfekte Antwort auf die enttäuschende 26:28-Heimpleite gegen die HSG Konstanz am Mittwochabend.

»Das ist das Verrückte an dieser Liga. Du kannst nie voraussagen, wie eine Partie in drei Tagen ausgehen wird. Das ist für die Zuschauer natürlich toll, für mich als Trainer ist das jedoch nicht immer super, weil ich oft nach Erklärungen suchen muss«, schmunzelte Wohlrab.

Seine Mannschaft hatte die Lethargie und die Unsicherheit, die ihr Auftreten noch unter der Woche geprägt hatten, von Beginn an abgelegt. So traf Tristan Kirschner bereits nach sieben Minuten zum 4:1. Doch die Coburger Anhänger hatten nicht dauerhaft Grund zum Klagen. Denn die Vestestädter fanden rasch eine Antwort: So hatte es nach einem 5:0-Lauf und dem 6:4 durch Fynn Herzig durchaus den Anschein, als könnten die Oberfranken ihren sechsten Saisonsieg einfahren. Doch die Gastgeber agierten »im Angriff zu verkopft, zu umständlich und zu kompliziert. Wir müssten die einfacheren Aktionen vermehrt durchziehen, schaffen das aber zu selten«, wie Jan Gorr analysierte.

Es waren stattdessen die Hüttenberger, die vor der Pause den Grundstein für ihren dritten Sieg in der Fremde legten. Gestützt auf eine starke Vorstellung von Schlussmann Leonard Grazioli, der insgesamt zwölf gegnerische Würfe parierte, präsentierten sich die Gäste im Vergleich zum Konstanz-Spiel viel konsequenter im Abschluss.

Hätte Timm Schneider sieben Sekunden vor dem Halbzeitpfiff seinen Siebenmeter verwandelt und Billek auf der Gegenseite Sekunden später nicht doch noch zum 13:16 eingeworfen, der TVH wäre mit einer 17:12-Führung in die Halbzeit gegangen. »Riesenlob an meine Mannschaft, wir haben fast durchgehend geführt, sind nie in Hektik verfallen und haben unseren Stiefel durchgezogen«, so Wohlrab später. Sein Gegenüber Brian Ankersen nahm die Schuld auf der anschließenden Pressekonferenz schließlich auf sich. »Ich muss mich beim Publikum entschuldigen. Wir waren von Anfang an mit dem Kopf nicht da. Es ist nicht zu akzeptieren, dass wir zuhause so auftreten. Die Leistung hat heute definitiv nicht gestimmt, das tut mir leid«, wurde der HSC-Coach deutlich.

Denn auch im zweiten Abschnitt kamen die Coburger den Gästen nicht mehr gefährlich nahe. Zu abgezockt und effizient war das Hüttenberger Spiel, dem man in der Schlussphase auch das wiedergewonnene Selbstvertrauen anmerkte. So war es Youngster Niklas Theiß, der einen sehenswerten Kempa zum 29:24 veredelte und damit zweieinhalb Minuten vor dem Ende die Huk-Coburg-Arena zum Verstummen brachte - und das trotz Saisonzuschauerrekord.

Coburg: Kulhanek, Apfel (16.-51.) - Dettenthaler (2), Bis (6), Glatthard, Fuß, Siegler, Ossowski (1), Billek (11/3), Herzig (4), Krone, Knauer, Jäger, Schröder (1).

Hüttenberg: Grazioli (1), Plaue - Kirschner (3), Opitz, Theiß (6), Fujita, Weber (6/1), Zörb (4), Reichl (1), Schneider (4), Hofmann (3/2), Klein, Jockel, Schreiber (3), Ribeiro, Kuntscher.

Schiedsrichter: Lukas Müller/Robert Müller (Neubrandenburg/Potsdam) - Zuschauer: 1907 - Zeitstrafen: Coburg vier (Dettenthaler, Glatthard, Herzig, Jäger), Hüttenberg drei (Schreiber, Schneider, Zörb) - verworfene Siebenmeter: Schneider (Hüttenberg) scheitert an Apfel (30.), Weber (Hüttenberg) scheitert an Apfel (32.), Billek (Coburg) scheitert an Grazioli (60.).

Auch interessant