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Eine Auszeit vor dem Absturz

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Ab ins Tor: Der Flensburger Johannes Golla nutzt die Lücke,die ihm die Wetzlarer Hendrick Wagner (links) und Erik Schmidt (rechts) bieten. Foto: Imago © Imago

Flensburg-Gießen. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Gut gemeint ist die Auszeit, die Hrvoje Horvat nach 45 Spielminuten nimmt, allemal. 20:23 liegt in diesem Moment die HSG Wetzlar bei der SG Flensburg-Handewitt zurück. »Die gute Deckung müssen wir behalten«, macht der Trainer des heimischen Handball-Bundesligisten seinen Mannen Mut, »den schnellen Rückzug müssen wir behalten.

Das hat uns ins Spiel gebracht.« Und danach? Danach geht wenig bis noch weniger bei den Mittelhessen. Die Auszeit wird zur unglücklichen Wende. Mit 34:24 (16:11) setzt sich der Favorit letztlich noch klar durch.

SG Flensburg-H. - HSG Wetzlar 34:24

Aber immerhin: Mit langem, fast schon ermüdendem Angriffsspiel rauben die abstiegsgefährdeten Mittelhessen dem norddeutschen Spitzenteam über weite Strecken immer wieder den Rhythmus. Beim 4:3 nach sechs Minuten durch Lenny Rubins Knaller in den Winkel führt die HSG gar. An eine Überraschung mag aber in dieser Minute wohl keiner denken. Und selbst die klammheimlichsten Hoffnungen auf eine mittelschwere Sensation welken in den kommenden Minuten dahin wie ein Weihnachtsbaum in der zweiten Januar-Woche.

Die Flens-Männer lassen danach mal kurz die Plopp-Verschlüsse knallen. Beim 9:5 durch Jakobsens Siebenmeter (14:20) droht eine grün-weiße Abreibung. Doch den nächsten herben Tiefschlag im Abstiegskampf verhindern die Gäste. Verhindern diese bis zum Pausenpfiff mit der Umstellung auf eine für die SG nervige 5:1-Deckung mit dem emsigen Lukas Becher an der Spitze. Beim 11:14 durch Jonas Schelkers quirligen Durchbruch (27:00) sieht die grün-weiße Welt fast wieder rosa-rot aus. Doch die Paraden von Benko Buric im Flensburger Tor und die übliche »Zitternde-Händchen-Phase« der Wetzlarer sorgen dann doch für den 11:16-Rückstand zur Pause.

Starke Minuten

Der wiederum auch deshalb knapper hätte ausfallen können, wenn Vladan Lipovina nicht weiterhin im tiefsten Krisental stecken würde, Anadin Suljakovic wenigstens einen einzigen Ball in der ersten Viertelstunde hätte abwehren können und Till Klimpke danach mehr als nur zwei. Ach so: Buric, der zuvor seinen Vertrag bis 2028 verlängert hatte, feiert sechs abgewehrte Bälle. »Wir«, analysiert der Schlussmann später, »haben in der ersten Halbzeit eine super Abwehr gespielt, aber ungewohnt viele technischer Fehler gemacht.«

Alles klar zur Pause also! Wirklich alles klar? Von wegen: Die HSG zeigt danach ihre beste Viertelstunde seit langem. Beim 20:13 durch Jakobsen (35:00) singen die SG Fans. Dann verstummen sie. Denn Klimpke pariert sich nun den Frust der WM-Ausbooting mit Parade auf Parade regelrecht von der Seele. Beim 20:23 durch den starken Radojica Cepic (45:00) ist fast alles wieder offen. Doch nun kommt die unglücklich Auszeit, nach der alle grün-weißen Felle die Flensburger Förde hinab schippern. Die kongeniale SG-Achse von Spielmacher Jim Gottfridsson und Kreisläufer Johannes Golla stellt ratzfatz auf 27:20 und danach auf 31:23 (56:00). Das war es dann. »Wir«, seufzt schließlich Till Klimpke, »müssen unsere Leistung endlich einmal über 60 Minuten bringen.« Doch die 15 Minuten nach der Pause, »die waren sehr, sehr gut«. Sehr, sehr gut in einem Spiel, das insgesamt allerdings nun wirklich nicht sonderlich gut war. Aber wiederum tatsächlich als Mutmacher für die HSG gut genug ist, wenn es ab dem 9. Februar im Abstiegskampf zählt.

SG Flensburg-Handewitt: Buric (1.-52.), Möller (52.-60.); E. M. Jakobsen 8/2, Golla 6, Gottfridsson 5, J. Hansen 3, Johannessen 3, Larsen 3, Röd 2, Einarsson 1, Hald 1, Pedersen 1, Semper 1

HSG Wetzlar: Suljakovic (1.-15.), Klimpke (15.-60.); Rubin 6, Novak 4/3, E. Schmidt 4, Cepic 3, Wagner 3, Nyfjäll 2, Becher 1, Schelker 1, Lipovina, Nikolic, Weissgerber

Schiedsrichter: Julian Fedtke (Berlin)/Niels Wienrich (Berlin) - Zuschauer: 6300 - Strafminuten: 2 (Gottfridsson)/ 8 (Lipovina, Rubin, Nikolic,Schmidt)

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