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Eine entspannte Wiederaufnahme

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Hochbetrieb vor dem Rübsamen-Steg. Die Pfingst-Regatta lockt auf und an die Lahn. © Angelika Schepp

Die 110. Auflage der Gießener Pfingstregatta muss einige Abstriche hinnehmen, überzeugt aber mit vielen heimischen Talenten.

Gießen. »Es macht immer wieder Spaß, in die Lahn-Arena einzufahren.« So kommentierte Lokalmatador Marc Weber seinen souveränen Sieg im Lahn-Pokal-Rennen. Und sprach damit wohl allen Beteiligten aus dem Herzen. Die Gießener Pfingstregatta ist zurück. Nach zwei Jahren unverschuldeter Pause ging die Drei-Tages-Veranstaltung auf der Lahn bei ihrer 110. Auflage wieder problemlos über die Bühne zwischen Bootshaus und Hassia-Gelände.

»Es war etwas entspannter als vor der Pause«, machte Regattavereins-Vorsitzender Hartmut Sorg kein Hehl daraus, dass die Wiederaufnahme nach 2019 mit einigen Abstrichen leben musste. So lag das Meldeergebnis von 820 Booten rund 30 Prozent unter dem der Vor-Corona-Jahre. Und auch an den Renntagen musste der eine oder andere Lauf abgesagt werden, was am Sonntag sogar zu einer nicht vorgesehenen halbstündigen Programmpause führte. Das konnten auch etliche Nachmeldungen angesichts der teilweise dünnen Besetzung bei einzelnen Läufen nicht auffangen. Das minderte aber auch nicht den Stolz der Sieger. Etwa bei den Zwillingen Lilly und Anouk Moll im Doppelzweier der B-Juniorinnen. »Mit so viel Vorsprung hatten wir nicht gerechnet«, kommentierte Anouk Moll überglücklich den überlegenen Erfolg des Duos vom WSV Hellas Gießen im Rennen 270 auf der Hausstrecke.

Auch Marc Weber wollte seine zu erwartende Führungsrolle nicht als selbstverständlich gewertet sehen. »Klar, über die 1000 Meter kann ich meine Qualitäten ausspielen«, sagte der Ausnahmeruderer, der sich in diesem Jahr nach jahrelangem Fahren im Doppelzweier auf den Einer konzentrieren will. »Aber da ich ein schlechter Starter bin, sind die 350 Meter nicht ohne«, bezog sich der 24-Jährige auf die montäglichen Sprintrennen, als er im Rennen um den Poppe-Preis startete und gewann. »Das wird nicht meins«, meinte er schmunzelnd nach der Siegerehrung.

Der Nachwuchs rückt in den Fokus

Auch wenn der Olympia-Teilnehmer von Peking inzwischen für RuS Steinmühle Marburg startet, ist er gefühlt weiter ein »Hassianer«. Und beobachtet mit Interesse, dass da mit dem 13-jährigen Moritz Fiedler ein potenzieller Nachfolger heranwächst. »Er hat sich gerade in Kassel für den Bundesentscheid qualifiziert«, berichtete Hassia-Vorsitzender Norbert Bach, dass dies in dieser Altersklasse gleichbedeutend mit der Deutschen Meisterschaft ist. Der junge Starter im Leichtgewichts-Einer gewann alle seine Rennen des Wochenendes. Ihm kommt zugute, dass der Verein jüngst ein neues Einer-Boot für die Leichtgewichts-Disziplinen gekauft hat. »Moritz ist von Anfang an super damit zurechtgekommen«, sagte Bach und erklärte auch die relativ geringen Meldezahlen seines Clubs. »Wir haben durch Corona keinen Nachwuchs verloren. Aber viele von den neuen Kindern und Jugendlichen wollen zwar rudern, aber nicht an Wettkämpfen teilnehmen.«

Ganz im Gegensatz dazu dokumentierte sich der sportliche Aufschwung des Wassersportvereins Hellas auch bei der Pfingstregatta. Neben den Moll-Zwillingen hob WSV-Trainer Andreas Schäfer vor allem den Leichtgewichts-Ruderer Tim Titus Günther, der alle Starts in der Männer-B-Klasse siegreich beendete, und Gero Schwab hervor. Der 13-Jährige, jüngst hessischer Landessieger geworden, musste sich zwar einmal ganz knapp geschlagen geben, dominierte aber bei seinen beiden anderen Starts.

Die Gießener Rudergesellschaft hatte vor allem auf den Gießen-Achter gesetzt. Doch der konnte wegen einiger Corona-Ausfälle nur stark ersatzgeschwächt antreten. Und hatte so keine Chance gegen den Achter der Renngemeinschaft RC Dresdenia/RC Favorite Hammonia. Wobei es sich hier um Athleten aus Hamburg handelte, die alle in Aachen studieren und die Pfingstregatta als Vorbereitung für die Deutsche Meisterschaft ansahen. Wenig verwunderlich, dass sie bei allen Starts in Gießen deutlich gewannen. Aber auch im die Regatta abschließenden Hessenpreis musste sich der Gießen-Achter der Vertretung aus Mainz geschlagen geben.

Sehr erfreut zeigt man sich in der Gießener Ruderszene, dass (zusammen mit der RG Wetzlar) wieder ein Frauen-Achter gestellt werden kann. Wie gewohnt erfreuten sich die Achter- und die Einer-Rennen des besonderen Interesses der Regattabesucher auf beiden Seiten der Lahn. Dass hier gerade am Sonntag, gemeinhin der »Königstag« der Veranstaltung, die Resonanz vergleichswiese bescheiden ausfiel, dürfte wohl am ehesten der Wettervorhersage zuzuschreiben sein. Denn bei strahlendem Sonnenschein wurden der Samstag und der Montag ihrem Ruf gerecht und luden die Lahnufer zu manchen Wiedersehensbegegnungen ein. Dafür freuten sich die Organisatoren, dass die Regen-Prophezeiungen bis auf ein paar Tropfen ausblieben und die dunklen Wolken andernorts ihr Tagewerk verrichteten. Das war übrigens mit ein Grund für Marc Weber, warum er so viel Spaß auf seinem vertrauten Revier hatte.

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Alles andere als ein Entenrennen: Jan-Paul Hagen von der RG Hassia im Junioren-Einer. Fotos: Schepp © Schepp

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