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Eine Fußball-Sensation vor 50 Jahren

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Die Sieger von damals.... © Red

Ober-Bessingen (mgr/rd). Rundes Jubiläum für die ehemaligen Fußballer der SG Ober-Bessingen/Lich. Die A-Junioren der damaligen Spielgemeinschaft sorgten vor 50 Jahren für eine Sensation, als sie im Endspiel am 18. Juni 1972 mit Trainer Carl-Albert Götz den haushohen Favoriten VfB 1900 Gießen im Kreispokal-Endspiel in Watzenborn-Steinberg mit 5:3 nach Elfmeterschießen schlugen.

Anlässlich dieses Erfolges vor 50 Jahren trafen sich die »Helden« in Nieder-Bessingen, um über die Spiele im Pokal-Wettbewerb zu plaudern, sich zu erinnern und zu feiern. Vor allem über das Endspiel gegen den schier übermächtigen VfB 1900 Gießen.

In Spiel eins beim Sieg gegen Pokalverteidiger FC Großen-Buseck, nach einem 1:1 in der Verlängerung und dem anschließenden Elfmeterschießen, gab es wenige Höhe-punkte. Beim 1:0 in Reiskirchen, das so namhafte Spieler wie Heiko Polzin, Roland Kühn und Rudi Lense in seinen Reihen hatte, sowie beim 1:0 beim Tabellenführer der Bezirksliga, der TSG Wieseck, sorgte jeweils ein früher Führungstreffer von Mittelstürmer »Jack« Kühn für das entscheidende Steigerungsmoment.

Doch trotz des Pokalerfolges (in der Runde lief es alles an-dere als rund), kam es zur Trennung zwischen Mann-schaft und Trainer. Das Team trainierte sich wochenlang selbst, bis zur Übernahme durch Interimscoach Carl-Albert Götz.

Das spannendste und kurio-seste Spiel war die Heimpartie gegen die Spielgemeinschaft Blau-Weiß Gießen/Kleinlinden. Genau wie der spätere End-spielgegner VfB 1900 Gießen spielte die SG damals in der höchsten hessischen Jugendli-ga, der Verbandsleistungsklas-se. Nach 60 Minuten führte der Gast, bei dem unter ande-rem Williams Bellof mitwirk-te, in Ober-Bessingen standes-gemäß mit 4:1 - keiner hätte mehr einen Pfifferling auf die SG gesetzt.

Große Aufholjagd

Doch es folgte die große Aufholjagd der Gastgeber. Mittelfeldmotor Wieland Geißler rettete die SG mit seinem Last-Minute-Treffer in die Verlängerung. Da auch diese torlos endete, ging es ins Elfmeterschießen. Auch hier zeigten die Schützlinge von »Bubi« Götz keine Nerven und schossen den haushohen Favoriten ins Tal der Tränen und aus dem Wettbewerb. Nun stand man im Halbfinale und musste im Derby zum TSV 1848 Hungen, der in der Bezirksliga Gießen/Marburg auf dem zweiten Platz rangierte. Doch auch in diesen 110 Minuten half der SG verdientermaßen ein Kuriosum. Stand es bis zur 80. Minute noch 2:1 für die Gastgeber, sollte letztlich eine Entscheidung des Referees helfen. Ohne ersichtlichen Grund und trotz wütender Proteste der Hungener ließ der Mann mit der Pfeife über acht Minuten nachspielen. Dieses Geschenk nahm die SG dankend an - 2:2. Nach torloser Verlängerung ging es auch hier ins Elfmeterschießen. Auch in Hungen zeigte die Spielgemeinschaft erneut ihre ganze Klasse vom Punkt. So schaffte Ober-Bessingen/Lich den Einzug ins Finale in Watzenborn-Steinberg. Gegner: die klar favorisierte A-Jugend des VfB 1900 Gießen.

Für die meisten Zuschauer ging es nur um die Höhe des Sieges der Gießener. Die führten auch schnell mit 2:0. Doch in der Halbzeit kam die Stunde von Coach «Bubi« Götz! Er sorgte mit der Einwechslungvon Bernhard Gerullis, der schon im Seniorenbereich eingesetzt wurde und deshalb nur im Endspiel zur Verfügung stand, für neuen Schwung. Die Abwehr stabili-sierte sich, ließ nicht mehr viel zu und fortan gestaltete man das Geschehen recht ausgeglichen. Das lag auch am schnellen Anschlusstreffer nach der Pause durch Jack Kühn.

Doch fast wäre der eingewechselte Gerullis zur tragischen Figur geworden. Auf der einen Seite war er für das 2:2 verantwortlich, was der SG die Verlängerung brachte, auf der anderen Seite hätte er diese Verlängerung seinem Team ersparen können, wenn er 15 Minuten vor Schluss einen Elfmeter verwandelt hätte. Das bügelten seine Mannschaftska-meraden jedoch nach torloser Verlängerung und anschließendem Elfmeterschießen wieder aus. Der VfB 1900 legte vor und traf mit den ersten vier Schützen genauso ins Schwarze wie die SG. Im letzten Versuch lief der aus Utphe stammende Unglücksrabe Gerhard Sack an. Doch sein Schuss ging vorbei. Er gab somit ungewollt den Weg für die Sensation frei, die dann Manfred Gröbl sicher und nervenstark nutzte.

Somit ging der zum letzten Mal ausgespielte Wanderpo-kal für immer in den Besitz der Spielgemeinschaft über.

15 siegeswillige A-Jugend-spieler aus sechs Ortsteilen, davon fünf Spieler des älteren Jahrganges 1954 (Kühn, Geiß-ler, Gröbl, Rinker und Gerullis), sieben Spieler des jünge-ren Jahrgangs 1955 (Gellert, Müller, Schirmer, Heinl, Fiehm, Prepens und Swoboda) - aus dem B-Jugend-Jahrgang 1956, aber dennoch Stamm-spieler, zudem Dieter Straube - und ebenfalls aus der B-Ju-gend, die bei Personalmangel den Kader ergänzenden Ein-wechselspieler Koch und Krausch bildeten die Mann-schaft der SG Ober-Bessingen/Lich.

Die dieses Jahr den Erfolg noch einmal nacherleben durfte.

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.... sehen heute auch noch wie Sieger aus. Fotos: Gröbl © Gröbl

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