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Eine große Chance

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Wetzlar (vsch). Am Sonntagabend in Baden-Baden steht plötzlich Kurt Klühspies vor einem und sagt: »Ach, ja, Wetzlar, HSG, Donnerstag, Pokal, bei uns. Aber wir sind momentan gar nicht gut.« Der Weltmeister von 1978 gehört nicht nur seit vielen Jahren zu den Stammgästen bei der Proklamation der »Sportler des Jahres« im glanzvollen Kurhaus, sondern sitzt auch bei den Spielen seines Herzensvereins regelmäßig auf der Tribüne.

Heute nun (20 Uhr/Pay-Livestream: Sportdeutschland.tv für fünf Euro) hat der frühere Weltklasse-Handballer wieder Gelegenheit dazu. Dann trifft der TV Großwallstadt, für den der heute 70-Jährige einst in 456 Pflichtspielen insgesamt satte 1532 Tore erzielte, in der F.A.N. Arena in Aschaffenburg auf die bereits erwähnte HSG Wetzlar. Es geht um den Einzug ins Viertelfinale des DHB-Pokals, zumindest zu allererst. Doch für die Grün-Weißen von der Lahn geht es am Main um mehr. »Es ist die große Chance, mit wenigen Siegen viel zu erreichen«, sagt Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp schon vor Wochenfrist mit Blick auf das K.o.-Spiel beim sechsfachen Deutschen Hallenhandball-Meister. Knockout - genau das wollen die Mannen um Kapitän Adam Nyfjäll im Duell beim angeschlagen wirkenden Zweitligisten nicht erleben. »Wir wollen und müssen von der ersten Sekunde an sofort da sein und zeigen: Wir sind der Erstligist«, fordert Hrvoje Horvat am Mittwoch im Vorschaugespräch. Dann sagt der neue Trainer der HSG das, auf was es (und nicht nur in diesem Spiel, sondern eigentlich immer) besonders ankommt: »Wir wollen hinten gut stehen, mit einer starken Defensive können wir uns leichte Tore erkämpfen. Dann wird es ein ruhiges Spiel.«

Von Ruhe ist aber sowohl bei den Grün-Weißen als auch auf der anderen Seite kurz vor dem Weihnachtsfest wenig zu spüren. Beim Tabellen-16. des Oberhauses ist die Gefahr vor dem Abstieg auch nach der deutlichen Heimniederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen (Horvat: »Wir haben den Gegner schon limitiert, ihm aber in Halbzeit eins sechs Bälle einfach so in die Hand gegeben«) und vor dem Punktspiel-Jahresabschluss am kommenden Dienstag in Flensburg weiter greifbar. In Großwallstadt sieht es eine Etage tiefer aktuell aber nicht viel besser aus. In der Startphase der laufenden Zweitliga-Runde noch ganz vorne mit dabei, erlebte das Ensemble von Trainer Igor Vori in der zweiten Hälfte der Vorrunde ein Auf und Ab. Zuletzt verlor das Team um den derzeit verletzt ausfallenden Kapitän Florian Eisenträger zu Hause gegen den TV Hüttenberg und erkämpfte sich gegen den ukrainischen Meister HC Zaporizhzhia nur ein Remis. Zu allem Überfluss rückt vor dem Duell mit Wetzlar der früher in Hüttenberg das Tor hütende Jan-Steffen Minerva (ehemalig Redwitz) auf die ohnehin lange Ausfallliste von Vori. Der kroatische Landsmann von Horvat ist also um die anstehende Aufgabe gegen den favorisierten Erstligisten und danach in der Liga wieder daheim gegen Bietigheim (Montag) nicht zu beneiden.

Trotzdem heißt es für die Gäste natürlich Obacht geben. »Großwallstadt spielt eine gute Deckung, entweder im 5:1 oder im 6:0. Sie agieren sehr beweglich, ballorientiert und werden vor ihren Fans sicher alles raushauen, um uns zu ärgern«, sagt Hrvoje Horvat. Der aller Voraussicht nach mit voller Kapelle nach Mainfranken reisen kann. Jovica Nikolic plagen zwar noch leichte Rückenprobleme, doch der junge Linkshänder wird wohl ebenso wie Erik Schmidt zur Vergügung stehen. »Erik ist für die Rotation in unserem Mittelblock natürlich sehr wichtig«, sagt der 45-Jährige, der auch an die nötige Entlastung von Lenny Rubin für dessen Einsatz im Angriff denkt. »In einem K.o.-Spiel ist alles möglich, wir müssen mit allem rechnen«, weiß Horvat um die Bedeutung der Partie. Kurt Klühspies‹ Understatement hin oder her.

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