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Eine Halbzeit zum Vergessen

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Gießen. Fußball-Regionalligist FC Gießen steht seit dem frühen Dienstagabend mit eineinhalb Beinen in der Hessenliga. Zum einen, weil die Mannschaft von Trainer Daniyel Cimen das richtungsweisende Kellerduell gegen den FSV Frankfurt mit 1:3 verlor und das rettende Ufer in Anbetracht von nun sechs Zählern Rückstand bei nur noch vier ausstehenden Spielen in nahezu unerreichbare Ferne gerückt ist.

FC Gießen - FSV Frankfurt 1:3

Und zum anderen, weil die kollektiv katastrophale Vorstellung im ersten Durchgang viele Fragen in Richtung Engagement, Einstellung und Wille lieferte, aber kein einziges Argument dafür, warum und wie der FCG im Endspurt ein Wunder, sprich den Klassenerhalt, schaffen sollte.

Coach Cimen fand nach dem Abpfiff klare Worte: »Ich bin sehr, sehr enttäuscht über den Auftritt in der ersten Hälfte und ich kann mir das auch absolut nicht erklären. Ich hätte in der Pause theoretisch sieben- oder achtmal wechseln können, so gut wie kein Spieler hat Normalform erreicht. Wir müssen jetzt sehen, dass wir die Spieler finden, die alles geben. Da werden wir ganz genau hinschauen. Es ist mir unerklärlich, wie wir solch eine Körpersprache zeigen konnten. Das sah eher danach aus, dass wir im gesicherten Mittelfeld sind und die Saison gefühlt vorbei ist. Das will ich so nicht stehen lassen.«

Gute Kulisse

Vor der durchaus ansprechenden Kulisse von 847 Zuschauern hinterließen die Hausherren im Waldstdion von der ersten Minute an von A bis Z in allen Belangen einen gruseligen Eindruck. Den Frankfurtern reichten einfache Mittel für das 3:0-Halbzeitresultat.

Der FCG sprach im Defensivbereich mit extrem schwacher Zweikampfpräsenz eine Einladung nach der anderen aus, im Vorwärtsgang fehlten Tempo und Bewegung komplett. Überall fehlte es an der Passgenauigkeit. In der achten Minute legte Linksverteidiger Tobias Reithmeir unfreiwillig für Dusan Crnomut auf, Frederic Löhe hielt, der Nachschuss wurde von Michael Fink geblockt, ehe der dritte Versuch von Ex-Darmstadt-98-Profi Marcel Heller saß.

In der 30. Minute reichte ein weiter Schlag auf die rechte Abwehrseite der Gießener und Dennis Owusu und Kristian Gaudermann waren aus dem Spiel genommen. In der Mitte leistete Marian Sarr allenfalls Geleitschutz für Jake Hirst, der per Direktabnahme das 2:0 für die Gäste markierte.

Zur desaströsen Darbietung der Gießener passte, dass sich auch Keeper Löhe - in der 4. Liga einer der Besten seines Fachs - anstecken ließ. Der 33-Jährige konnte den Schuss von Felix Heim nicht festhalten. Die Kugel prallte nach vorne, Doppelpacker Hirst staubte zum 0:3 ab (39.).

Cimen schickte im Anschluss an das 0:2 alle Reservisten zum Aufwärmen. Schon vor dem Seitenwechsel musste Nejmeddin Daghfous für Aykut Öztürk weichen, zum zweiten Abschnitt kamen Takero Itoi und Kevin Kling für Guiseppe Burgio und Reithmeir. »Ich wollte dann nur eine Reaktion sehen, und die war da«, erklärte Daniyel Cimen. Der FCG stemmte sich gegen die bittere Pleite, der Einsatz stimmte jetzt.

Abschlussschwach

Itoi scheiterte frei vor Torhüter Daniel Endres auftauchend (46.) und verzog auch in der 60. Minute. Zwischenzeitlich hatte Kapitän Nikola Trkulja die Freistoßflanke von Marian Sarr zum 1:3 vollstreckt (53.). Die sich bietenden Räume konnten die Frankfurter in der Folge bei einer ganzen Reihe erstklassiger Gelegenheiten nicht nutzen.

Arif Güclü (62.), Crnomut (63. und 66.), Ivan Franjic (68.) haperte es entweder an der Präzision oder aber Löhe beziehungsweise Fink, der insgesamt einen seiner seltenen schwächeren Tage erwischte hatte, retteten.

Sarr (83.), Öztürk (84.) und erneut Itoi (90.) kratzten in der Schlussphase zwar am 2:3, ein 4:7 wäre bei diesen Hochkarätern hüben wie drüben auch möglich gewesen.

Die Frage zur weiter verschärften Tabellensituation umging Daniyel Cimen in der Nachschau: »Nach so einer Halbzeit wie der ersten brauchen wir gar nicht auf die Tabelle zu schauen. Es geht erst einmal darum, eine engagierte Leistung zu zeigen wie in der zweiten Halbzeit.«

FC Gießen: Löhe (Note 3,5) - Gaudermann (4), Fink (4), Sarr (4), Reithmeir (5) (46. Kling) (2,5) - Tiliudis (4), Trkulja (4) - Owusu (4), Daghfous (5) (38. Öztürk) (3), Sawada (4) - Burgio (4,5) (46. Itoi) (3,5).

FSV Frankfurt: Endres - von Schrötter (61. Garic), Konrad, Gottwalt, Reutter - Franjic, Azaouagh (78. Burdenski) - Heller (90.+1 Sommer), Crnomut, Heim (90.+1 Karahan) - Hirst (61. Güclü).

Tore: 0:1 Heller (8.), 0:2 Hirst (30.), 0:3 Hirst (39.), 1:3 Trkulja (53.). - Schiedsrichter: Schlosser (Stahlhofen). - Gelbe Karten: Gottwalt, Reutter (beide Frankfurt). - Zuschauer: 847.

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