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Eine Saison mit vielen Superlativen

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Bad Nauheim (wbe). Die Saison 2021/22 der Deutschen Eishockey-Liga 2 ist seit Freitag Geschichte. Die Frankfurter Löwen haben mit ihrem dritten Sweep (vier Siege in vier Spielen) in den drei Playoff-Runden (zuletzt bei den Ravensburger Towerstars) nach dem Hauptrundentitel in souveräner Manier auch die Playoff-Meisterschaft gewonnen und gleichzeitig den Aufstieg in die DEL geschafft.

Der bayrische Traditionsverein EC Bad Tölz muss dagegen nach vier Niederlagen gegen die Bayreuth Tigers in der zweiten Playdown-Runde zurück in die Eishockey-Oberliga. Und der EC Bad Nauheim? Der spielte eine mehr als denkwürdige Runde mit vielen Superlativen. »Entscheidend war für den Erfolg, dass wir frühzeitig die personellen Weichen für eine starke Defensive gestellt haben«, sagt EC-Headcoach Harry Lange.

Der Deutsch-Österreicher, erstmals als »Bad Nauheimer Eigengewächs« alleinverantwortlich für die Zusammenstellung des Teams, ließ bereits zum Saisonauftakt mit seiner Truppe mächtig aufhorchen. Mit neun (!) Auswärtssiegen in Folge starteten die Roten Teufel in die neue Spielzeit. Eine Serie, die zuvor noch kein Verein seit Gründung der DEL2 geschafft hatte.

Dass sich Bad Nauheim in der ersten Halbserie dann völlig überraschend gleich fünfmal an der Tabellenspitze wiederfand, zählte ebenfalls zu den Highlights der Saison, deren Hauptrunde für den EC mit einem Punkte-Rekord endete. Mit 93 Zählern verbuchte man mit Abstand die beste Ausbeute seit der DEL2-Zugehörigkeit.

Das reichte zwar am Ende nicht zu dem ersehnten Platz vier und dem damit verbundenen Playoff-Heimrecht, doch dieses »kleine Ärgernis« wurde in der Viertelfinal-Playoff-Serie gegen die Kassel Huskies schnell korrigiert. Mit vier Siegen schaltete man den hessischen Rivalen aus, zog erstmals überhaupt in das Halbfinale ein und lieferte dort den Ravensburger Towerstars einen großen Kampf.

Was zeichnete den EC Bad Nauheim über die gesamte Spielzeit aus? In erster Linie sicherlich die Bereitschaft, die Leidenschaft und der Kampfgeist, mit denen man auch aussichtslos erscheinende Begegnungen noch drehte.

Daneben waren es die Treffer oftmals genau zum psychologisch richtigen Zeitpunkt eines Spiels und die fast schon sprichwörtliche Effizienz, mit der man Partien, die auf des Messers Schneide standen, für sich entschied. Dieser Effizienz haftete das vielleicht einzige Manko der Spielzeit an: Das Tore schießen. Nur 155 Treffer waren unterer Liga-Durchschnitt, schmälerten aber nicht die Begeisterung der Fans. Trotz teilweise strikter Corona-Einschränkungen belegte der EC Bad Nauheim mit gut 1500 Zuschauern im Schnitt Platz drei hinter den beiden hessischen Rivalen Frankfurt und Kassel. Dass man zudem die bislang höchste Summe an Sponsorengelder verzeichnen konnte, erleichtert die Planungen für die kommende Runde.

Die wirft bereits ihre Schatten voraus. Publikumsmagnet Frankfurt wird mit den heißen Lokalderbys zwar fehlen, doch die Kassel Huskies könnten mit ihren DEL-Ambitionen in die Bresche springen. Der Kampf ist schon eröffnet, indem Hugo Boisvert als EC-Co-Trainer jetzt zum zweiten sportlichen Leiter in Kassel aufgestiegen ist und auch EC-Torjäger Tristan Keck und Torwart Philipp Maurer Wechselabsichten zu den Huskies nachgesagt werden.

»Die Erwartungshaltung bei uns ist jetzt auch größer«, weiß EC-Headcoach Harry Lange, dass er als »Vater des Erfolgs« inzwischen im Bad Nauheimer Umfeld ein erhöhtes Eishockey-Fieber geweckt hat. Nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, dürfte als Zielsetzung jedenfalls nicht mehr reichen.

Die erfolgreiche Saison hat aber auch ihr Gutes für die Zukunft des EC Bad Nauheim. Bewährte Kräfte wie Torhüter Felix Bick, die Verteidiger Kevin Schmidt oder Patrick Seifert sowie die Stürmer Stefan Reiter, Christoph Körner, Marc El-Sayed oder auch die Kontingentspieler Taylor Vause und Jerry Pollastrone konnten gehalten werden, das Team »2022/23« nimmt frühzeitig feste Konturen an. Der sonst übliche radikale Neuaufbau bleibt Harry Lange erspart.

»Ich bin jetzt noch auf der Suche nach drei Spielern«, sagt der EC-Headcoach, dessen Personal-Puzzle auch von den Liga-Rahmenbedingungen mit maximal 15 Ü24-Spieler, 4 U24-Spielern und 2 mit besonderen Verträgen ausgestatteten U21-Spielern pro Spielbogen geprägt ist.

Dazu kommt dann noch die spielerische und taktische Ausprägung für die kommende Saison. »Wir wollen wieder angreifen«, sagt Harry Lange, der vor seinem Urlaubsantritt Mitte Mai die Vorbereitung auf die neue Spielzeit abgeschlossen haben will.

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