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Einen Zuschauer-Magneten verloren

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Von: Wolfgang Bender

Bad Nauheim . Die DEL2 feiert mit ihrer zehnten Saison in neuer Struktur Jubiläum in der Spielzeit 2022/23 und dabei hat sich die Landkarte der Standorte nach Nord-Westen verschoben. Denn erstmals ist wieder ein Verein aus Nordrhein-Westfalen vertreten. Dank der praktizierten Verzahnung mit der DEL haben die Krefelder Pinguine als DEL-Absteiger und die Löwen aus Frankfurt als DEL2-Aufsteiger die Plätze getauscht.

Ein bisschen zum Leidwesen des EC Bad Nauheim, der damit nicht nur einen Derby-Gegner, sondern auch einen wichtigen Zuschauer-Magneten verloren hat.

Auch die schon länger durchgeführte Verzahnung nach unten hat wieder Bewegung im Teilnehmerfeld erzeugt. Der EC Bad Tölz, ein bayrischer Verein mit langer Eishockey-Tradition, musste den Weg in die Drittklassigkeit gehen, dafür sind die Eisbären aus Regensburg als Oberliga-Meister in die DEL2 aufgestiegen.

Aber nicht nur das Teilnehmerfeld hat sich neu sortiert, auch innerhalb der einzelnen Vereine waren wieder viele Spielerwechsel angesagt, auch wenn die Wechselraten der letzten Jahre nicht erreicht wurden. Insgesamt 124 Spieler wurden als Neuzugänge von den 14 Clubs der Deutschen Eishockey-Liga 2 gemeldet, dazu kommen noch 37 Spieler mit Förderlizenzen der DEL. Im Gegenzug haben 134 Akteure die DEL2 verlassen (müssen).

Größter Aderlass in Krefeld

Den größten Aderlass gab es bei DEL-Absteiger Krefeld, der sich von 21 Spielern trennte und dafür 15 neue Akteure verpflichtete. Auch bei den Kassel Huskies gab es ein munteres Wechselspiel. Trainer Bo Subr kann 15 Spieler neu begrüßen, auf der anderen Seite haben 11 in Nordhessen die Zelte abgebrochen. Die meisten neuen Spieler (16) verpflichteten die Bayreuth Tigers, die mit ihrem Abschneiden in der letzten Saison nicht zufrieden waren und gleich 12 Akteuren den Laufpass gaben.

Es geht aber auch anders. Die Dresdner Eislöwen vertrauen auf eine eingespielte Mannschaft, die nur auf fünf Positionen verändert wurde. Die Heilbronner Falken haben sogar nur drei neue Verträge ausgegeben, dafür vertraut man auf den Kooperationspartner Mannheim, der gleich neun Förderlizenzen verteilt hat. Eine ähnliche Konstellation gibt es beim EC Bad Nauheim mit fünf Neuzugängen und fünf Förderlizenzspielern.

Ebenfalls stark auf die Karte »Förderlizenz« setzen der EV Landshut (7) und die Lausitzer Füchse (8), die sich von 13 bzw. 10 Spielern getrennt haben. Gänzlich ohne Förderlizenzspieler agieren Bayreuth, Crimmitschau, Dresden, Freiburg, Kassel und Krefeld.

Seinen eigenen Weg geht der Aufsteiger Eisbären Regensburg. Der erfolgreichen Oberliga-Mannschaft schenkt man weiterhin das Vertrauen. Mit vier Abgängen und sechs Neuzugängen plus einem Förderlizenzspieler widerstanden die Regensburger der Versuchung, nach dem erfolgreichen Aufstieg die Mannschaft drastisch umzubauen, wie dies viele Oberliga-Meister der letzten Jahre praktiziert hatten.

Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen personellen Veränderungen in den Kadern der Clubs fallen Prognosen in Sachen Meisterschaft schwer, vor allem wenn man die letzte Saison als Maßstab nimmt. Bad Nauheim und Heilbronn schafften es bis ins Halbfinale, der spätere Meister Frankfurt hat die Liga verlassen. Bleiben damit eigentlich nur die Ravensburger Towerstars übrig. »Platz sechs wollen wir erreichen«, sagt Towerstars-Manager Daniel Heinrizi, der früher in Bad Nauheim gearbeitet hat.

Mit Krefeld, Dresden und Kassel haben sich drei Vereine die (finanzielle) DEL-Aufstiegsberechtigung gesichert und damit muss man sie zwangsläufig auf der Rechnung haben. Vor allem DEL-Absteiger Krefeld Pinguine mit seinem stark veränderten Team will wieder zurück in die alte DEL-Heimat und auch die Kassel Huskies haben richtig Geld in die Hand genommen, um vorne mitzuspielen. »Platz drei muss möglich sein«, sagt man in Kassel. In Dresden weiß man, dass eine Hauptrunde mit 110 Punkten sicherlich nicht noch einmal so locker wiederholt werden kann, doch die wenig spektakuläre aber sehr eingespielte Truppe sollte sich einen direkten Playoff-Platz sichern können.

Das will man auch in Bayreuth erreichen. Die stark veränderte Tigers-Truppe hat hohe Ansprüche, aber Trainer Robin Farkas muss erst einmal beweisen, dass das neue Team schnell zusammenwachsen kann.

Mit viel Vorschusslorbeeren war auch der EV Landshut in der letzten Saison bedacht worden und auch diesmal wieder gelten die Niederbayern als Top-Sechs-Kandidat, der mit vier Torhütern, zehn Verteidigern und 15 Stürmer einen sehr tiefen Kader aufweist. Mit dem EC Bad Nauheim und den Heilbronner Falken stehen zudem zwei weitere Top-Sechs-Kandidaten bereit, was am Ende einen mächtigen Konkurrenzkampf um den direkten Playoff-Zugang bringen wird.

Etwas kleinere Brötchen dürfte man beim EHC Freiburg und beim ESV Kaufbeuren backen. Die Allgäuer wollen unbedingt einen einstelligen Platz erreichen, um nichts mit der Abstiegszone zu tun zu haben.

Bei den Eispiraten aus Crimmitschau soll die eingespielte Truppe möglichst noch kurzfristig mit Förderlizenzspielern des Kooperationspartners aus Bremerhaven verstärkt werden und dann soll die direkte Playoff-Qualifikation gelingen. Die Lausitzer Füchse feiern in diesem Jahr ihr 90. Eishockey-Jubiläum und da will man nach eigenem Bekunden endlich einmal nicht in den Playdowns landen. In Weißwasser hat man einen Kader zusammengestellt, der in der Tiefe seinesgleichen sucht. Durch die Kooperation mit den Eisbären Berlin verfügen die Füchse allein über 17 Stürmer (!).

Die Selber Wölfe haben sich in der letzten Spielzeit als Aufsteiger über die Playdowns in der Klasse gehalten. Jetzt folgt für die Franken das verflixte zweite Jahr und da muss viel zusammenpassen, wenn man die Playdowns vermeiden will. Für Selb spricht die Kader-Tiefe mit 18 Stürmern und vielen Talenten.

Die Zeit des Testens ist vorbei. Am heutigen Freitag fällt der Startschuss zur Saison 2022/23. Für den EC Bad Nauheim geht es gleich mit einem Kracher los, denn die Roten Teufel erwarten heute Abend um 19.30 Uhr im Colonel-Knight-Stadion den Meisterschaftsfavoriten Krefeld Pinguine. Am Sonntag um 17 Uhr sind die Bad Nauheimer dann zu Gast bei den Eispiraten aus Crimmitschau.

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