Einer wie Yaya Touré und ein "Smash-Brother"

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AULENDIEBACH/ROHRBACH - Seine Torquote ist atemberaubend: Michael Adomeit hat für den KSV Aulendiebach in den vergangenen fünf Jahren 125 Tore in 115 Spielen erzielt. "Diese Zahlen beweisen, dass Michi seit Jahren zu den besten Stürmern im Fußballkreis Büdingen gehört", sagt Leandro Theis, Spielausschusschef des Kreisoberligisten KSV Aulendiebach. Adomeit zeichne ein unglaublicher Wille aus.

"Außerdem weiß er instinktiv, wo das Tor steht. Und er sucht - egal ob mit links oder rechts - schnell den Abschluss. Durch seine Größe und Wucht ist Michi nur schwer zu verteidigen und kann Spiele alleine entscheiden", schwärmt Theis, der zusammen mit dem Stürmer schon zwei Aufstiege feiern durfte.

Einen weiteren Aufstieg erlebte Adomeit im Trikot des FC Germania Ortenberg. "Gleich in meiner ersten Saison schafften wir den Sprung in die Gruppenliga", erinnert sich der 31-jährige Business Center Manager. Seine zweite Saison bei den Germanen verlief wegen einer Knieverletzung eher bescheiden. Danach ging es zurück zu seinem Heimatclub. Abgesehen von den beiden Runden in Ortenberg spielte der in Rohrbach lebende Torjäger im Seniorenbereich nur für die SG Wolf/Aulendiebach und den KSV Aulendiebach, nachdem sich sein Heimatverein FSV Wolf aus der Spielgemeinschaft verabschiedet hatte.

Drei Spielzeiten agierte er sogar zusammen mit Jens Eckert als Spielertrainer. "In dieser Zeit kämpften wir in der A-Liga gegen den Abstieg, schafften aber immer den Klassenerhalt. Das war fast so schön wie ein Aufstieg", verrät Adomeit. Als die berufliche Beförderung kam, musste er seinen Spielertrainer-Job an den Nagel hängen. Aber auch als "reiner Spieler" macht es dem Stürmer, der zweimal A-Liga-Torschützenkönig wurde und in der Saison 2017/18 stolze 42 Treffer erzielte, viel Spaß. "Meine Philosophie war schon immer, mit guten Kumpels Fußball zu spielen. Ich wollte nie kicken, um Geld zu verdienen." Dementsprechend suchte Adomeit für seine Traumelf Weggefährten aus, die ihm besonders in Erinnerung geblieben sind und mit denen er einiges erlebt hat.

Aktuell kann der 31-Jährige nicht mit seinen Freunden gegen den Ball treten. Ein Patellasehnenriss setzt ihn vermutlich noch bis Ende des Jahres außer Gefecht. "Spätestens in der Rückrunde will ich wieder angreifen und mit Aulendiebach den Klassenerhalt in der Kreisoberliga feiern." Danach könnte er sich sogar wieder ein Engagement als Spielertrainer vorstellen. "Aber erst einmal will ich fit werden." Und dann arbeitet Adomeit vielleicht an seinen Freistößen. "Die will er zwar häufig selbst schießen, aber der Ertrag hält sich dabei in Grenzen", verrät Theis eine Schwäche des Torjägers.

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So charakterisiert Michael Adomeit die Spieler seiner Traumelf:

Tor

Steffen Pretsch (SG Wolf/Aulendiebach): Steffen war damals im Tor, als ich bei der SG Wolf/Aulendiebach im Seniorenbereich anfing. Er war immer ein sicherer Rückhalt und machte mir meine erste Zeit in der Herren-Mannschaft um vieles leichter. Sehr sympathischer Kerl auf und neben dem Platz, mit einer Menge Wissen über Fußball.

Abwehr

Manuel Gummy (Germania Ortenberg): Manuel ist das typische Beispiel für den Spruch "Ein guter Stürmer ist auch ein sehr guter Verteidiger". Wurde von Zeit zu Zeit vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert und machte dort seine Sache mehr als nur gut. Hat uns damals in Ortenberg fast im Alleingang in die Gruppenliga geschossen. Ist neben dem Platz ein feiner Kerl und für jeden Spaß zu haben.

Nils Telle (KSV Aulendiebach): Bildet mit seinem Bruder Timo in der Reserve die letzte Verteidigungslinie und die beiden harten Jungs tragen zusammen den Namen "Smash-Brothers". Da ist der Name auch Programm. Nils hat eine manchmal sehr außergewöhnliche Spielweise und Art, die nicht nur die Gegner und Zuschauer in Staunen versetzt, sondern auch die Passanten am Bahnhof in Koblenz während eines Mannschaftsausflugs.

Max Heck (Germania Ortenberg, jetzt FCA Gedern): Max ist einer der besten Verteidiger, mit denen ich je zusammengespielt habe. Sehr gutes Stellungsspiel und auch verdammt schnell. Wenn man im Training dachte, man ist an ihm vorbei, hat er es irgendwie immer geschafft, seine Beine noch dazwischen zu wurschteln - und man war den Ball los.

Dennis Ludwig (SG Wolf/Aulendiebach, SG Wolferborn/Michelau/Bindsachsen): Hervorragender Verteidiger und auch ein sehr unangenehmer Gegenspieler. Lässt auf dem Platz nicht locker und geht auch die unangenehmen Meter. Ich hatte das Glück, damals bei der SG Wolf/Aulendiebach öfters mit ihm zusammenspielen zu dürfen als gegen ihn.

Mittelfeld

Manuel Kristek (KSV Aulendiebach): Hatte leider nie die Gelegenheit, mit Manu in einer Mannschaft zu spielen. Jedoch konnte ich bei den Spielen mit Aulendiebach gegen unsere Partnerstadt Gistel mit ihm auf dem Platz stehen. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so eine Ruhe am Ball hat und solch eine Ballannahme.

Jens Eckert (KSV Aulendiebach): Auf dem Platz erinnert er mich ein wenig an den früheren Starspieler Yaya Touré (unter anderem Manchester City). Jens war überall auf dem Platz, stark im Zweikampf und für seine Körpergröße unglaublich beweglich. Außerhalb des Platzes wusste er nicht immer, wo er hin muss oder wo er ist. Aber wir haben ihn fast immer wieder gefunden.

Ingmar Konrad (KSV Aulendiebach): Training und Treffpunkt sind ein Fremdwort für Ingmar, er ist jedoch zum Anpfiff immer da. Er läuft 90 Minuten und hat eine Kopfduellquote, die nahe bei 100 Prozent liegt. Wir kennen uns seit dem Kindergarten, habe aber sein Geheimnis nie herausgefunden.

Sturm

Florian Walz (Germania Ortenberg): In meinen Augen einer der besten Spieler während meiner Zeit bei Ortenberg. Sehr stark am Ball, verdammt schnell und immer ein Auge für den Mitspieler.

Kevin Scheller (KSV Aulendiebach): Einer der talentiertesten Jungs, mit denen ich auf dem Platz stehen durfte. Ist eine Gewalt auf dem Sportplatz und scheut sich nicht vor Zweikämpfen. Was für ihn jedoch die eine oder andere Verletzung mit sich brachte. Sollte Kevin fit bleiben (werden), wird der KSV Aulendiebach noch sehr viel Freude an ihm haben.

Daniel Kristek (KSV Aulendiebach): Niemand, der mit ihm zusammengespielt hat, kommt bei seiner "Traumelf" an ihm vorbei. Bei ihm sahen die Gegner früher manchmal wie Stangen beim Slalom aus. Und wenn Dedda mit beiden Beinen in der Luft stand, wusste jeder, dass der Ball im Netz zappelt. Gibt nebenbei auch eine sehr gute Figur als Breakdancer ab.

Trainer

Ralf Bechmann (Germania Ortenberg, jetzt FC Alemannia Gedern): Von Ralf habe ich das "richtige" Fußballspielen beigebracht bekommen. In Aulendiebach pflegten wir das Spielprinzip "hoch und weit", welches mir auch immer besser gelegen hat. Aber unter Ralf habe ich das Verschieben der Kette und die Aufgaben der Stürmer erlernt. Und, dass man als Fußballer auch Kondition braucht. Ralf ist ein sehr ehrgeiziger Mensch. Das hat man im Training, beim Spiel und bei der Nachbearbeitung gesehen und mitbekommen.

Joker

Leandro Theis (KSV Aulendiebach): Ein sehr guter Fußballer und vor allem Freistoßschütze. Wurde jedoch durch zwei Kreuzbandrisse um seine Karriere als Fußballer gebracht.

Max Sommer (Germania Ortenberg): Feiner Techniker, feiner Kerl.

Carsten Fillsack (KSV Aulendiebach): Gehört normalerweise in jede Startelf. Mit einer der besten Torhüter im Kreis und in den umliegenden Kreisen. Habe noch nie einen Torwart gesehen, der im Training mehr läuft als jeder Feldspieler.

Zur Serie

In unserer Lokalsportserie "Meine Traumelf" stellen Fußballer eine Mannschaft aus Spielern zusammen, auf die sie in der Regel während ihrer aktiven Zeit getroffen sind. Dabei muss es sich nicht nur um Mitspieler handeln - es können auch Gegner sein, die in Erinnerung geblieben sind. Heute: Teil 19 mit Michael Adomeit.

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