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Einmal an historischer Stätte

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Gießen . Nach 25 Läufen über jeweils 42,195 Kilometer beschäftigte mich immer mehr der Gedanke, einmal an der Wiege des Marathonlaufes in Griechenland an den Start zu gehen. Am 13. November bot sich die Gelegenheit, befördert auch durch die engste Familie, anstatt der vielfach gelaufenen Strecke in Frankfurt die historische in Griechenland unter die Füße zu nehmen.

Erstmals im Leben griechischen Boden zu betreten - am Flughafen - erzeugt natürlich noch nicht die hehren Gefühle, die einen bei der Besichtigung z.B. des antiken Olympiastadions oder der historischen Stätten in Marathon befallen. Zur Eröffnung des 39. Authentischen Marathon gab es eine gediegene Feier am Hügel für die bei der Schlacht im Jahre 490 v.Chr. gefallenen Athener mit anschließendem Fackellauf zum 4 km entfernten Startort. Ein kleines Olivenbäumchen gab es für jeden Anwesenden zum Mitnehmen und wird künftig mindestens so umsorgt wie die Muskeln und Gelenke des Läufers.

Der Tag der Wahrheit beginnt früh, weil die Starter mit Bussen aus Athen erst nach Marathon gefahren werden. Dafür kann man bei einem vielversprechenden Sonnenaufgang die ungewöhnlich lang erscheinende Laufstrecke in Augenschein nehmen und sich auf die große Herausforderung einstimmen.

Um 9 Uhr endlich Start. Mehr als 12000 gehen es an. Nach drei Kilometern die Gelegenheit, wegen einer Schleife zuerst Gruppen von schnelleren Läufern Auge in Auge zu studieren, danach sich an jenen aus späteren Startgruppen zu ermuntern, weil man ja bereits einen großen Vorsprung zu haben glaubt.

Bis km 15 trabt es sich im oftmals geübten Tempo auf flacher Strecke wenig spektakulär dahin, stets angefeuert von vielen Zuschauern. Dann mutiert das Streckenprofil, das beim »Probelauf« vom Auto aus als minder problematisch eingeschätzt wurde, doch zum welligen Auf und Ab, das allerdings auch Gelegenheit bot, an den Steigungen etliche Marathoni im Gehtempo zu überholen. »Bravo, bravo«-Rufe vom Rand der Strecke waren ständige Begleiter und nicht zu vernachlässigende Energieträger.

Die Vorstellung, man würde sich von weit draußen bei stetem Blick auf die Akropolis dem Ziel Schritt für Schritt nähern, hatte sich schon in den Tagen zuvor als Illusion erwiesen. Erst unmittelbar vor dem Einlauf in das erhabene antike Olympiastadion fällt der Blick des Läufers erstmals auf die Tempelanlagen hoch über der Stadt.

Dann spürt man bereits, wie sich ehedem der Bote Pheidipides gefühlt haben mag und genießt die unvergesslichen Momente bis zum Zielbogen. Seitdem bereichert eine kunstvoll gestaltete Medaille meine diesbezügliche Sammlung und entgegen der erwogenen Möglichkeit, meine Marathonkarriere mit diesem historischen Lauf ausklingen zu lassen, befeuert das Erlebnis eher die Lust, im nächsten Jahr wieder mit Tausenden an einen Marathonstart zu gehen.

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