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»Einmal mehr überragend«

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Wie ein graziler Ballerino tänzelt der Waldgirmeser Natnael Tega durch die Fuldaer Defensivreihe. © Bär

Waldgirmes. Ein bärenstarkes Spiel, mit allem, was die Aufstiegsrunde der Fußball-Hessenliga attraktiv macht. Aber auch Geschehnisse außerhalb des Platzes, die nicht zu tolerieren sind und die für reichlich Gesprächsstoff sorgten, hat es beim 3:3 (2:2)-Remis des SC Waldgirmes gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz gegeben.

SC Waldgirmes - SG FD-Lehnerz 3:3

Es war ein offener Schlagabtausch zweier hochmotivierter Teams. Was den Unterhaltungswert anging, wurde alles geboten: Rassige Zweikämpfe, viele Torchancen und reichlich Tempo auf beachtlichem Niveau. Die Osthessen standen massiv unter Druck. Sie mussten im Kampf um den Regionalliga-Aufstieg gewinnen, während die Lahnauer gewinnen wollten. Dieser kleine (aber feine) Unterschied zeigte sich in den ersten 25 Minuten darin, dass Barockstadt reichlich Ballbesitz aufwies, zu einigen Chancen kam, aber angesichts des Drucks zu verkrampfen schien.

»Wir haben zwei Fehler angeboten und Waldgirmes hat diese ausgenutzt«, kommentierte Gästecoach Sedat Gören den Doppelschlag zum 2:0 für Waldgirmes durch Lukas Fries (26.) und Claudius Fürstenau (31.). Beim 1:0 schauten gleich vier SGB-Akteure dabei zu, wie Fries einen Eckball ungestört einköpfte. Und fünf Minuten später wagte Fürstenau einen Distanzschuss, den sich Gästekeeper Tobias Wolf beim Bemühen, das Spielgerät zur Ecke zu klären, selbst ins Tor klatschte. Der Pfiff kam jedoch etwas verspätet. »Ich wurde in dem Moment von der Sonne geblendet und dachte, der Torwart habe den Ball zur Ecke abgewehrt. Dann sah ich, dass mein Assistent auf Tor erkannte und habe diesen dann noch kurz kontaktiert«, erklärte Schiedsrichter Winkler.

Die kuriose, regeltechnisch jedoch einwandfreie Aktion des Unparteiischen, ließ die Gäste an die Decke gehen. Sie wiesen auf einen Regelverstoß hin, der aber de facto nicht stattfand. Das Tor war und blieb regulär.

Jetzt schlug Fulda-Lehnerz zurück - und wie! Binnen vier Minuten stellten Dominik Rummel (31.) sowie der Ex-Waldgirmeser Tolga Duran per Foulelfmeter (35.) auf 2:2. Jederzeit war den Gästen der Druck, unter dem sie in Sachen Regionalliga-Aufstieg stehen, anzumerken. Schiedsrichterassistent Pascal Otte musste sage und schreibe fünfmal(!) während der 90 Minuten Personal auf der Gästebank zur Ordnung rufen.

Sechs Minuten nach Wiederbeginn köpfte Erik Tavares Ganime Bastos zum 3:2 für Barockstadt ein. Waldgirmes blieb aber dran. »Wir haben das einmal mehr überragend gemacht«, fand SCW-Trainer Mario Schappert. Und exakt 43 Sekunden nach seiner Einwechselung traf »Joker« Felix Erben mit einem Spannstoß im Nachsetzen zum 3:3 (65.).

Der SC spielte nun ebenso wie Barockstadt voll auf Sieg und doch gab es in Minute 71 lange Gesichter. »Da muss ich mich cleverer verhalten. Das war eine dumme Aktion von mir«, gestand Kian Golafra, der für sein zu hartes Einsteigen gegen Kevin Hillman den roten Karton sah. Die Szene erhitzte die Gemüter. Im Nachgang bildete sich eine Menschentraube auf dem Feld. Inmitten der unübersichtlichen Szene soll ein Gästezuschauer, den Waldgirmeser Ersatzspieler Glodi Bebe rassistisch beleidigt haben.

Nach der rund zehnminütigen Unterbrechung fand keine der beiden Mannschaften mehr zu ihrem Spiel. Mario Schappert sah »im Prinzip alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben«. Nach 90 (zumeist sehenswerten) Minuten, die leider vor allem aufgrund der Geschehnisse außerhalb des Platzes in Erinnerung bleiben.

SC Waldgirmes: Buss - Stephan (59. Erler), Fries, Schmidt, Enobore, Golafra, Böttcher (73. Kim), Fürstenau, Fürbeth (64. Erben), Hartmann, Tega.

SG Barockstadt: Wolf - Müller, Pecks, Tavares Ganime Bastos, Löbig, Hillmann (90.+1 Kovac), Grösch, Duran, Reinhard, Wüst (83. Göbel), Rummel (68. Kassa).

Tore: 1:0 Fries (26.), 2:0 Fürstenau (23.), 2:1 Rummel (35.), 2:2 Duran (39., Elfmeter), 2:3 Tavares Ganime Bastos (51.), 3:3 Erben (65.). - Schiedsrichter: Winkler (Bad Arolsen). - Zuschauer: 300. - Rote Karte: Golafra (Waldgirmes, 71.). - Besonderes Vorkommnis: Zehnminütige Unterbrechung aufgrund einer rassistsichen Äußerung eines Zuschauers (ab 73.).

Die Hessenliga-Begegnung des FSV Fernwald beim FC Eddersheim wurde am Sonntagmorgen kurzfristig abgesagt. Grund sind zwei Corona-Fälle im Lager der Gastgeber. Ein Ausweichtermin steht noch nicht fest. (red)

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