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Frankfurts Martin Hinteregger (l-r), Makoto Hasebe und Filip Kostic feiern den Auswärtssieg.

Eintracht richtet Blick nach oben

Frankfurt. Es ist noch nicht lange her, es war am 30. Oktober, da taumelte die Frankfurter Eintracht noch im Abstiegskampf. Nach dem 1:1 gegen Leipzig, das zwei Niederlagen gegen Hertha und in Bochum gefolgt war, lagen die Hessen nur noch einen Rang vor dem Relegationsplatz, punktgleich mit den Augsburgern auf Platz 16. Sechs Wochen und sechs Spiele später hat sich die Lage am Main grundlegend verändert.

Aus neun Punkten sind mit fünf Siegen, darunter in Fürth, Freiburg und Mönchengladbach drei auswärts, 24 Punkte geworden. Nun liegt die Eintracht nicht nur sieben Punkte vor den Abstiegsrängen, sondern auch nur noch drei Zähler hinter einem Champions-League-Platz und zwei hinter einem Europa-League-Platz. Fast schon »nebenbei« haben sich die Frankfurter in diesen eineinhalb Monaten auch direkt ins Achtelfinale der Europa-League gespielt.

Die nackten Zahlen sind beeindruckend. Und sie werden unterfüttert von den Leistungen der Mannschaft, deren Formkurve in der Summe steil nach oben zeigt. Den glücklichen Last-Minute-Siegen zu Beginn der Erfolgsserie sind zuletzt souveräne Auftritte gefolgt. Die Heimsiege gegen Union Berlin und Bayer Leverkusen haben das ganze Potenzial des Teams freigelegt. Und nun, beim 3:2 in Mönchengladbach, haben die Frankfurter nach einem schwächeren Beginn erneut ihre Comeback-Qualitäten unter Beweis gestellt und ihr Spiel durchgedrückt. Und hätten sich nicht Tuta und da Costa bei Platzverweis und Elfmeter so ungeschickt angestellt, wäre ein deutlich höherer Erfolg möglich gewesen.

Aus reinem Kampffußball hat sich eine schön anzusehende Spielkultur entwickelt. Der Ball läuft viel flüssiger als noch vor einigen Wochen, die Spieler wissen, was sie zu tun haben. Sie können Rückschläge ab, weil sie ein taktisches und personelles Rüstzeug entwickelt haben, das ihn auch in Krisen hilft. Das beginnt bei einem seit Wochen überragenden Torhüter Kevin Trapp, führt über eine zunehmend stabile Deckung, die in Gladbach freilich auch ein paar Schwächen aufwies, über ein spielstarkes Mittelfeld, dem die Aufstellung mit zwei »Zehnern« hinter einer vorderen Spitze sichtlich behagt, bis hin zum Angriff, der als Gesamtheit auftritt. Die Arbeit des Trainerteams fruchtet, Oliver Glasner hat geliefert. »Ich habe immer an meiner Idee festgehalten«, sagte er am Donnerstag, »wir haben ein bisschen Geduld gebraucht und jetzt sehen wir, dass es besser und besser wird.«

Aus dem Stürmerfrust der ersten Wochen ist längst Stürmerspaß geworden. Unter zwei Toren machen es die Frankfurter seit Wochen nicht mehr. Aus vermeintlichen »Fehleinkäufen« sind echte Perspektivspieler geworden. Gerade besonders im Fokus: Jesper Lindström. Dem Leichtgewicht aus Dänemark wurde (zu) früh die Bundesligatauglichkeit abgesprochen, ähnliche Vorwürfe trafen Jens-Petter Hauge, mit Abstrichen Rafael Borré und ganz besonders Sam Lammers. Außer Lammers haben die anderen die Kritiker längst eines Besseren belehrt.

Es gibt viele weitere kleine Teile, die zu den Leistungssprüngen verholfen haben. Der Trainer findet meist die richtigen Lösungen. Wochenlang war Makoto Hasebe ein überragender Abwehrchef, aktuell vertraut er wieder Martin Hinteregger. Gegen Mainz am Samstag dann wohl beiden, weil ja Tuta gesperrt ist.

Evan Ndicka verteidigt nicht nur gut, sondern hat auch im Spiel nach vorne dazugelernt. Daichi Kamada ist in Mönchengladbach sein erster Saisontreffer geklungen, der Japaner fühlt sich in der Rolle als »Freigeist« sichtlich wohl. Borré und Lindström können nicht nur rennen und kämpfen, sie können auch treffen. Und da ist noch Kapitän Sebastian Rode. Vor zwei, drei Wochen wurde wegen offensichtlicher Knieprobleme noch viel über ein Karriereende geschrieben. In Gladbach musste Rode nach einer halben Stunde für den verletzten Kristijan Jakic rein. Rode spielte 65 Minuten wie Rode spielt, mit vollem Einsatz, mit viel Übersicht, mit viel Ruhe. Die Liste der positiven Aspekte wäre fortzuführen.

Wochenlang hatte die Eintracht so gut wie keine Personalprobleme. Ausgerechnet vorm letzten Spiel des Jahres gegen den Nachbarn aus Mainz aber hat es die Frankfurter erwischt. Das Spiel in Mönchengladbach hat Spuren hinterlassen. Neben dem gesperrten Tuta und dem schon vorher verletzten Jens-Petter Hauge werden mit Christopher Lenz (Muskelverletzung in der Wade), Aymen Barkok (Innenbandverletzung im Knie) und Kristijan Jakic (Zerrung an der Hüfte) weitere Spieler fehlen. Alleine bei Jakic besteht noch ein klein wenig Hoffnung auf eine schnelle Genesung.

Gut überstanden hat Sebastian Rode seinen ersten längeren Einsatz. »Ich habe ihm keine 70 Minuten zugetraut, er hat mich eines Besseren belehrt«, sagt der Frankfurter Trainer.

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