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Elf Tage Zeit, um Energie zu tanken

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Lübeck. Die Szene hatte irgendwie Symbolcharakter. In der Lübecker Hansehalle zeigte die Anzeigetafel am Freitagabend die 25. Minute an, als Simon Böhne, Torhüter von Handball-Zweitligist TV Hüttenberg, das Harzleder nach einer Parade gedankenschnell aufnahm und mit seinem Wurf über das gesamte Spielfeld das verwaiste Tor des VfL Lübeck-Schwartau anvisierte.

Das Harzleder flog in hohem Bogen durch die Halle - und landete schließlich am linken Pfosten, von wo es der zurückgeeilten Abwehr der Hausherren entgegenkullerte.

Böhne, an diesem Abend einer der Besten im Hüttenberger Dress, hätte mit seinem »Empty-Net-Goal« das 9:14 erzielen und damit für etwas Hoffnung im Lager des TVH sorgen können. Stattdessen reihte sich der Wurfversuch des Schlussmanns in eine Reihe von unglücklichen Offensivaktionen ein, die am Ende mit entscheidend dafür waren, dass die Hüttenberger in der »Hansehölle« mit 29:36 (9:16) unterlagen.

»Im Angriff haben wir in der ersten Halbzeit leider zu häufig den Mut vermissen lassen. Da haben wir uns in meinen Augen zu wenig zugetraut«, analysierte TVH-Kapitän Dominik Mappes hinterher, mit fünf Treffern abermals bester Schütze seines Teams. Der 27-Jährige hatte mit seinen beiden Toren und der daraus resultierenden 2:0-Führung der Gäste eigentlich für einen bestmöglichen Start gesorgt, der jedoch nach dem 4:3 durch Lübecks starken Mittelmann Matej Klima wieder verpufft war (10.).

Die von Michael Roth, bis zum Oktober 2010 anderthalb Jahre lang Trainer der HSG Wetzlar, gecoachten Hausherren strotzten angesichts ihrer bärenstarken Rückrunde vor Selbstvertrauen und stellten die Hüttenberger insbesondere mit der Hereinnahme des siebten Feldspielers immer wieder vor große Probleme. Roths Gegenüber Johannes Wohlrab versuchte taktisch mit einer 6:0- oder einer 5:1-Deckungsvariante dagegenzuhalten, was in der Umsetzung jedoch haperte. »Wir haben da keine Lösungen gefunden. Das kreide ich mir selbst an, da übernehme ich die Verantwortung für«, so Wohlrab im Nachgang der Partie.

So reichten den Lübecker »Tigern« vor 1300 Zuschauern und unter den Augen von Ministerpräsident Daniel Günther bereits die ersten 30 Minuten, um die Begegnung zu ihren Gunsten zu entscheiden. Der Tabellensiebte leistete sich kaum eine Schwächephase, wies eine starke Wurfquote auf und nutzte so seine Möglichkeiten im Angriff konsequent aus. Und auf der Gegenseite bewies Schlussmann Dennis Klockmann, dass er trotz seiner mittlerweile 39 Jahre noch immer ein starker Rückhalt ist. 15 Paraden standen am Ende für Klockmann zu Buche, phasenweise glänzte er mit einer Quote von über 50 Prozent gehaltener Bälle. »Dennis war ein wichtiger Faktor für uns, ganz klar. Dank seinem Rückhalt und unserer guten Chancenverwertung haben wir gewonnen«, wusste Lübecks Markus Hansen später.

In der zweiten Hälfte stemmten sich die Gäste aus Mittelhessen zwar nach Leibeskräften gegen die drohende dritte Auswärtsniederlage in Serie, mehr als ein Fünf-Tore-Rückstand durch Ian Weber (48.) sprang dabei jedoch nicht mehr heraus. »Wir Torleute müssen die Abwehr noch etwas mehr unterstützen«, sagte Böhne hinterher, der jedoch in der zweiten Hälfte eine ordentliche Darbietung anbot.

Nicht zu unterschätzen waren allerdings - neben den rein sportlichen Faktoren - auch die Begleitumstände dieses aus Hüttenberger Sicht gleich doppelt anstrengenden Tages. Denn neben den 60 Minuten Action auf der Platte stand ab Freitagmorgen eine knapp acht Stunden lange Busfahrt an, »die zwar nicht als Ausrede dienen soll« wie Mappes und Wohlrab hinterher unisono betonten, die jedoch sicherlich ihre Spuren im Kräftehaushalt der Gäste hinterlassen hatte.

Und dann wäre da noch die dünne Personaldecke des Rangfünften. Zwar wies der Hüttenberger Spielberichtsbogen 16 Akteure (und damit einen Namen mehr als das Lübecker Aufgebot) auf, doch fehlen mit Hendrik Schreiber und Vit Reichl weiterhin zwei absolute Leistungsträger, »die wir aktuell nicht eins zu eins ersetzen können. Wir haben in der Startsieben zwei gestandene und einen super Zweitligaspieler, die anderen sind jung und unerfahren«, ordnete Wohlrab hinterher ein. Und auch Mappes meinte: »Wir haben einen ganz jungen Altersschnitt im Team. Da muss man einfach auch mal realistisch bleiben, auch wenn die Ansprüche an uns nach unserer super Hinrunde sicherlich gewachsen sind.«

Immerhin haben die Blau-Weiß-Roten nun Zeit bis zum 19. April, um nach zuletzt fünf Spielen in 18 Tagen etwas regenerieren. Dann wird der HSC Coburg zu Gast im Hüttenberger Sportzentrum sein.

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