1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Endlich wieder Full House

Erstellt: Aktualisiert:

gispor_2403_emil_250322_4c
Das freut auch Emil Mellgard: Die HSG Wetzlar darf die Buderus-Arena wieder voll auslasten. © Ben

Wetzlar. Der 4. März 2020 ist lange her. Wenn die HSG Wetzlar am Samstag zu bester Fußball-Anstoßzeit um 15.30 Uhr in der Handball-Bundesliga auf den Bergischen HC trifft, dann sind es exakt 753 Tage, dass letztmals 4421 Zuschauer in die Arena an der Lahn hätten strömen dürfen. An jenem besagten 4. März 2020 waren 3673 Fans gekommen, um die Grün-Weißen mit 31:

30 gegen Frisch Auf Göppingen siegen zu sehen.

»Wir sind froh, dass wir die Halle wieder richtig vollmachen können«, beginnt Björn Seipp die Pressekonferenz am Donnerstag mit der wohl besten Nachricht für alle, die es mit dem Überraschungsfünften der laufenden Runde halten. Dass das Ganze (noch) unter 2G+-Bedingungen für alle Karteninhaber über die Bühne geht, deutet an, dass die Corona-Pandemie natürlich noch nicht vorbei und überstanden ist.

»Bei 3500 Anhängern, für die wir Stand jetzt bislang Tickets, vor allem fast alle verfügbaren Stehplätze verkauft haben, werden das Prozedere und der Sicherheitscheck vor dem Spiel also erneut einige Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb öffnen wir die Buderus-Arena um 13.30 Uhr«, erklärt der Geschäftsführer der HSG. Und damit sich die Leute beim Warten nicht die Beine in den Bauch stehen, bieten die Wetzlarer ein buntes Rahmenprogramm an. »Das Wetter wird gut, es kann ein schöner Tag werden«, schließt Seipp sein Opening und übergibt dann das Wort an Ben Matschke.

Der Trainer der Protagonisten in Grün und Weiß nimmt den Ball auf und gibt seiner Vorfreude auf wieder voller besetztere Tribünen nachhaltig Ausdruck. »Die Information, dass viele Mittelhessen den Weg zu uns finden, freut uns sehr. Jetzt wollen wir die Leistungen auf die Platte bringen, die uns in der Runde bisher ausgezeichnet hat«, startet Matschke zwar noch mit einem Statement »business as usual« in seine Ausführungen für die Heimspiel-Rückkehr nach fünf Wochen und dem 26:25-Zittersieg gegen den HSV Hamburg.

Dann aber sprudelt es aus dem 39-Jährigen heraus: »Wir wollen die Atmosphäre aufsaugen und nutzen, aber genauso müssen wir auch clever und kommunikativ sein, damit sie uns nicht erdrückt und wir darin verbrennen. Als ich hierher gekommen bin, war es mir ein großes Bedürfnis, mich nicht nur in den inneren, sondern auch in den äußeren Kreis des Vereins zu integrieren. Mein Wunsch ist es, dass ich greifbar und nahbar bin«, macht der Wetzlarer Trainer aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Aus diesem Grund wird Matschke nach der Partie gegen den BHC im Foyer das Gespräch mit den Fans suchen. »Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich nicht weiß, wann ich nach Hause kommen«, schmunzelt der Coach weiter vor sich hin. Mit einem Sieg im Rücken dürfte ihm der Smalltalk leichter fallen. »Aber die Löwen sind ein unangenehmer Gegner, wieder komplett fit nach all den Verletzungssorgen. Und sie haben Qualität mit Spielmacher Linus Arnesson, Kreisläufer Max Darj, Linkshänder Simen Schönningsen und dem nach der Saison in Richtung Kiel abwandernden Torhüter Tomas Mrkva«, charakterisiert Matschke den Club, gegen den die HSG nun zum dritten Mal in der laufenden Spielzeit antritt.

Dem Spielabbruch im Oktober (ein Zuschauer war auf der Tribüne in Wuppertal zusammengebrochen) folgte fünf Wochen später das deutliche 27:17 (was auch den Ausfällen im Lager des Gegners geschuldet war) im Wiederholungsduell in Solingen. Auch das »Rückspiel« in Wetzlar steht für den BHC im Vorfeld zumindest beim Blick auf die Bank unter keinem günstigen Stern. Trainer Sebastian Hinze, der sich im Sommer zu den Rhein-Neckar Löwen verabschiedet, fehlt am Samstag aufgrund einer Corona-bedingten Isolation.

Hinze fehlt

»Das kann etwas mit einer Mannschaft machen. Sowohl im Positiven als auch im Negativen«, glaubt Matschke, der aber weiß: »Die Verantwortlichen sind so eingespielt und sicher auch während der Partie so vernetzt, dass es auch mit Co-Trainer Markus Pütz funktionieren kann.« Die HSG trainierte nach den Länderspielabstellungen erstmals am Mittwoch wieder mit voller Kapelle. Also auch mit Till Klimpke (Matschke: »Ihm war die Belastung vom Lehrgang und den Spielen der Nationalmannschaft anzumerken«) und dessen Bruder Ole (Matschke: »Ihn baue ich für den Rest der Runde komplett bei uns ein«).

Um am Samstag ein fast vergessenes und lang ersehntes Gefühl endlich mal wieder zu erleben. 753 Tage sind dann seit dem 4. März 2020 vergangen, in diese Zeit hätten 18 072 Bundesliga-Spiele gepasst. Lang, lang ist’s her.

Auch interessant