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Erzwungenes Erfolgserlebnis

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Neue Sturmhoffnung: Leonid Akulinin feiert ein vielversprechendes Debüt im FCG-Dress. Foto: Ben © Ben

Gießen. Auswärts pfui mit nur einem Punkt und noch keinem einzigen Treffer auf der Haben-Seite, im Waldstadion dagegen nach dem dritten Sieg im dritten Spiel auf dem Weg, eine echte Heimmacht zu werden. So liest sich die Bilanz von Fußball-Hessenligist FC Gießen nach den ersten sechs Partien im Juli und August. Wobei es einzuschränken gilt: Beim hauchzarten 1:

0 (1:0)-Erfolg am Samstag über den FC Eddersheim stand das Ergebnis über allem. Insbesondere über der spielerischen Leistung des Ex-Regionalligisten, die sich auf überschaubarem Niveau bewegte.

FC Gießen - FC Eddersheim 1:0

Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass der Dreier für die Elf von Trainer Daniyel Cimen in Ordnung ging. »Man hat gemerkt, dass beide Teams eine schwere Woche hinter sich hatten. Eddersheim hatte die Niederlagen gegen Steinbach und im Hessenpokal zu verkraften, wir das 0:5 bei der Frankfurter U21. Wir haben das Training etwas angezogen, ein bisschen von der Müdigkeit nehme ich auch auf meine Kappe. Aber wir müssen den einen oder anderen ranbekommen, denn wir haben bald zwei Englische Wochen vor uns«, erklärte Coach Cimen und analysierte: »In der ersten Hälfte war es ein wildes Spiel, da haben beide gefühlt ohne Mittelfeld gespielt. In der zweiten Halbzeit haben wir eine Viertelstunde gebraucht und es war zu spüren, dass die Sicherheit nicht so da war. Ab Mitte des Durchgangs haben wir es dann gut im Griff gehabt. Schade, dass wir das 2:0 nicht nachgelegt haben.«

Vier personelle Veränderungen gab es beim FCG zu verzeichnen im Vergleich zur Klatsche beim Bundesliga-Nachwuchs am vorvergangenen Freitag. Elion Mahmuti und Denis Mangafic begannen als Achter, Aryan Assar auf der Rechtsverteidiger-Position und Leonid Akulinin im Sturmzentrum. Nicht nur aus diesem Quartett, sondern aus der gesamten Gießener Mannschaft stach der 1,95 Meter Hüne Akulinin hervor. Zwar traf der Ukrainer nicht und vergab zwei dicke Gelegenheiten, aber wie er für das Team mit und gegen den Ball arbeitete, das war überzeugend. Damit könnte der 29-Jährige zum gesuchten Ziel- und Wandspieler in vorderster Front werden. »Leonid hat ein sehr gutes Spiel gemacht, zumal, wenn man bedenkt, dass er ein Jahr raus gewesen ist. Seine Präsenz, wie er die Bälle festmacht, einfach spielt und die Kopfbälle verlängert - er wird uns damit gut tun«, lobte Daniyel Cimen seinen jüngst verpflichteten Neuzugang, von dem er sich für die Zukunft einiges verspricht.

In der 17. Minute zeigte Akulinin, was in ihm steckt. Erst eroberte er die Kugel im Mittelfeld, legte auf Mahmuti ab, erhielt das Leder zurück und verpasste die Führung um Haaresbreite. Sechs Zeigerumdrehungen darauf war der Eddersheimer Niklas Rottenau bereits an Keeper Aleksa Lapcic vorbei, aber Michael Fink rettete in der Not. Wirklich sattelfest wirkte die Gießener Abwehr bis in den zweiten Abschnitt hinein, speziell bei Standards und angesichts des einen oder anderen Ballverlusts, nicht. Das 1:0 resultierte aus den Fernschusskünsten von Deniz Vural. Einen zu kurz aus dem Strafraum abgewehrten Ball wuchtete der 34-jährige Routinier mit vollem Risiko in die Maschen der Gäste (36.). Ansonsten blieben zusammenhängende Aktionen hüben wie drüben vor dem Seitenwechsel Mangelware, etwa ab Minute 25 war bei den Gießenern zumindest mehr Struktur zu erkennen.

In der Kabine hatten sich die Gäste offensichtlich einiges vorgenommen, so gestalteten sie auch die Viertelstunde nach Wiederbeginn mit einigen Vorteilen und einer Torchance von Ferdinand Scholl (49.). Noch in dieser Phase donnerte Mangafic auf Vorarbeit von Mahmuti das Spielgerät ans Aluminium und versäumte das 2:0 (57.). Mit dieser Szene im Rücken wurden die Gießener souveräner, ließen hinten keine gefährlichen Situationen zu und setzten ihrerseits in der Offensive einige Akzente. Darunter einen zweiten Knaller ans Gebälk, diesmal durch Akulinin in der 69. Minute.

Ansonsten haperte es bisweilen an der notwendigen Zielstrebigkeit und der Übersicht, den Kopf hochzunehmen und den besser postierten Nebenmann schnörkellos freizuspielen. Was der Freude und der Erleichterung über das 1:0 nach dem Abpfiff keinen Abbruch tat. Oder wie es Daniyel Cimen formulierte: »Es ging heute nur darum, irgendwie ein Erfolgserlebnis zu schaffen.«

FC Gießen: Lapcic - Assar, Kireski, Fink, Abdel-Ghani - Mahmuti (87. Beal), Vural, Mangafic (90. Harder) - Pekesen (45.+2 Maingad), Akulinin (84. Besso), Calabrese (66. Filsinger).

FC Eddersheim: Zeaiter - Royo (81. Speck), Lang (21. Hille), Finger, Schmitt - Lüders (46. Demirbas), Schur (64. Kodraliu) - Scholl, Kummer, Rottenau (46. Affo) - Kohlbacher.

Tor: 1:0 Vural (36.). - Schiedsrichter: Berger (Herleshausen). - Gelbe Karten: Abdel-Ghani, Mangafic, Vural / Schmitt, Hille. - Zuschauer: 326.

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