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»Es bleibt unerklärlich für uns«

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Engagierter Streiter für die Dutenhofener Handballer: Andreas Klimpke. Foto: Bär © Bär

Dutenhofen. In der engen unteren Tabellenhälfte der 3. Liga Süd-West sind die Handballer der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen mittendrin im Abstiegskampf. Der Weg zum Klassenerhalt bleibt steinig, auch wenn der 28:27-Heimsieg gegen den Spitzenreiter TuS Ferndorf zum Jahresabschluss ein echter Mutmacher war.

Im Interview sprechen der Sportliche Leiter Andreas Klimpke und Vorstandsmitglied Martin Weber über die laufende Saison, die Notwendigkeit eines weiteren Transfers sowie die Kooperation mit der HSG Wetzlar und dem TV Hüttenberg.

16 von 26 Spielen sind vorüber, die Saison war bis dato aufgrund vieler Ausfälle sehr kräftezehrend. Zu Buche stehen 13:19 Punkte und Platz zehn. Wie fällt die Zwischenbilanz aus?

Klimpke: Ich habe so etwas noch nie erlebt, dass so viele Spieler ausfallen. Trotzdem haben wir so viele Punkte geholt. Wir sind natürlich mit ganz anderen Zielen in die Saison gegangen, aber es lässt sich ja begründen, warum wir so da stehen. Hier und da haben wir sicherlich auch mangels Kaderbreite Lehrgeld gezahlt, beispielsweise in Haßloch unglücklich verloren. Aber wir sind voll im Rennen, wobei das Ziel mittlerweile natürlich nur noch Klassenerhalt heißen kann. Das ist alles noch machbar.

Was stimmt Sie denn zuversichtlich, dass der Klassenerhalt gelingen wird?

Klimpke: Es stimmt mich positiv, wie die Jungs arbeiten, was sie Tag für Tag im Training leisten. Es ist unglaublich, wie sie nach Nackenschlägen immer wieder aufstehen. Das ist wirklich eine geile Truppe. Wir hoffen, dass im neuen Jahr Spieler wie Tim Lauer oder Jonas Müller wieder dazu stoßen und wir somit wieder mehr Alternativen haben. Und natürlich hat man schon jetzt gesehen, was Phillip Opitz zu leisten imstande ist. Super ist, dass wir durch den Sieg gegen Ferndorf mit einem Positiverlebnis in die Pause gehen.

Platz zehn ist kein Ruhekissen. Der Elfte Friesenheim-Hochdorf II belegt mit nur einem Punkt und einem Spiel weniger den Relegationsplatz. Der Klassenerhalt dürfte also kein Selbstläufer werden. Gibt es einen Plan B für die Oberliga?

Weber: Augenblicklich setzen wir uns nicht mit einem Plan B auseinander. Die Mannschaft ist charakterlich unwahrscheinlich stark, daher haben wir den festen Glauben an den Klassenerhalt. Grundsätzlich aber ist der Jugendleistungshandball in Mittelhessen untrennbar mit unserer zweiten Männermannschaft verbunden, idealerweise in der 3. Liga. Deshalb unternehmen wir alle Anstrengungen für den Klassenerhalt. Schließlich ist das Drittligateam die Zielmannschaft für all die Jungs, die bei den Mittelhessen Youngsters spielen und aus denen das Drittligateam immer wieder bestückt werden soll. Aber: Drittligahandball und Jugendleistungshandball in Mittelhessen ist keine Selbstverständlichkeit - das muss allen bewusst sein. Da benötigen wir Signale, in welche Richtung es gehen soll. Und dafür werden die nächsten Wochen entscheidend.

Torwart Simon Böhne hat mehrfach bewiesen, wie wichtig er ist. Sollte bei der HSG Wetzlar oder dem TV Hüttenberg auf der Torhüterposition etwas passieren, könnte es jederzeit zu personellen Bewegungen kommen und der TVH Böhne anfordern. Ersatzmann Lorenz Rinn ist ab Februar aus beruflichen Gründen weg. Wie soll dieses Problem gelöst werden?

Klimpke: Dass da etwas passieren könnte, ist das allerschlimmste Szenario. Fakt ist: Wir müssen und werden reagieren. Das gestaltet sich aber viel, viel schwieriger als gedacht. Im Moment ist für unser Budget auf dem Markt nichts da. Wir führen Gespräche in alle Richtungen, schauen auch bei Bundesligisten, wo ein dritter Torwart vielleicht wenige Spielanteile hat. Aber zuweilen scheitert das auch einfach am Budget, da kommen wir an unsere Grenzen. Wir haben ja in dieser Saison auch schon zwei Mal nachverpflichtet. Trotzdem brauchen wir ab Februar bis zum Saisonende eine Lösung. Das werden wir auch nicht larifari laufen lassen, denn wenn dann irgendetwas passiert, brennt der Baum.

Stichwort Bundesliga. Ihr direkter Konkurrent, die mHSG Friesenheim-Hochdorf II, erhält zumindest bei Heimspielen regemäßig Unterstützung aus dem Zweitligateam der Eulen Ludwigshafen in Person von Max Neuhaus. Würden Sie sich auch mehr Unterstützung aus den eigenen Reihen wünschen?

Weber: Wir haben vor der Saison einen Kooperationsvertrag mit der Marketing-GmbH des TV Hüttenberg und mit der HSG Wetzlar unterschrieben. Positiv für uns daran ist, dass Simon Böhne und Phillip Opitz bei uns spielen. Mit Blick aufs Bundesligateam müssen Dinge, die zusammengehören, erst wieder zusammenwachsen.

Klimpke: Wir befinden uns natürlich im Austausch mit der HSG Wetzlar. Es ist kein Geheimnis, dass es auch wirtschaftlich schwierig ist. Wenn es Jugendleistungshandball inklusive 3. Liga noch länger geben soll, sind wir auf Hilfe angewiesen. Es gab und gibt natürlich auch Gespräche über Spieler, die bei der HSG Wetzlar wenige Minuten erhalten, aber insgesamt könnte da noch mehr Leben in die Kooperation kommen.

Wie wichtig ist es den Kooperationspartnern Wetzlar und Hüttenberg aus Ihrer Sicht denn, einen Drittligisten mit im Boot zu haben?

Klimpke: Im Falle Hüttenberg sieht man die Wichtigkeit. Simon Böhne oder Phillip Opitz sind Mega-Talente. Aber sie brauchen Spielpraxis, sie brauchen Spiele wie gegen Ferndorf, in denen sie über die volle Dauer gefordert werden, in denen sie Druck- und Stresssituationen haben. Nur so entwickelt man sich, mit Kurzeinsätzen wird das nichts. Dabei ist uns klar, dass wir die Kleinen in dieser Kooperation sind, dass wir Spieler abgeben müssen, wenn oben etwas passiert.

Weber: Wenn wir im Training nur sechs Spieler haben, ziehen wir das trotzdem durch. Eine HSG Wetzlar kann sich so einen Zustand bei ein, zwei Ausfällen nicht erlauben. Sie braucht adäquaten Ersatz im Training. Spieler, die in der 3. Liga spielen, die sich dem Leistungshandball verschrieben haben, können das. So wie Madu Okpara, der regelmäßig im Bundesligateam mittrainiert und zuletzt in Lemgo nach der Verletzung von Erik Schmidt dabei war. Ohne Drittligateam und ohne Jugendleistungshandball gibt es solche Spieler dann nicht mehr. Und wir sind überzeugt, dass wir bei den Youngsters einige haben, die mal 1. oder 2. Liga spielen können.

Lassen Sie uns auf die Zuschauerresonanz blicken. Gegen Ferndorf waren es 500 - ein Ausreißer nach oben, da die Zahlen sonst um die 200 Zuschauer liegen. Interessiert die HSG in der 3. Liga nicht mehr?

Klimpke: Das ist schon sehr enttäuschend. Wir haben so viele einheimische Jungs, die alles geben. Vielleicht liegt es daran, dass das Geld bei den Leuten nicht mehr so locker sitzt. Wenn wir es wüssten, würden wir es ändern. Wir haben viele Leute im Vorstand, die sich darüber Gedanken machen, wir machen Aktionen mit Jugendteams, aber es bleibt unerklärlich für uns.

mit Andreas Klimpke

und Mario Weber

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