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Ein Fels in der HSG-Abwehr: Kreisläufer Felix Danner ist mit Wetzlar heute in Minden gefragt.

»Finden Sie Minden?«

Wetzlar. In der Vorweihnachtszeit sind Gesellschaftsspiele mehr als nur Zeitvertreib, sondern ein guter Brauch, sich vom rastlosen Alltag abzulenken. »Finden Sie Minden?«, so heißt ein Spiel, in dem Geografiekenntnisse gefragt sind.

Ben Matschke kennt den Weg nach Minden. Und der Trainer der HSG Wetzlar weiß genauso, wie steinig dieser wird, um die nächsten zwei Punkte in der Handball-Bundesliga einzufahren. An diesem Mittwoch (19,05 Uhr) gastieren die Grün-Weißen von der Lahn bei den Grün-Weißen von der Weser. GWD wartet im vorletzten Meisterschaftsspiel des Kalenderjahres 2021 auf die Überflieger aus Mittelhessen.

GWD Minden - HSG Wetzlar (Heute, 19.05 Uhr)

Die Rollen vor dem Duell in der altehrwürdigen Kampa-Halle scheinen klar verteilt. Hier der Tabellenletzte aus Ostwestfalen, dort der Kiel-Bezwinger aus der Domstadt. »Das ist alleine schon deshalb eine ganz andere Ausgangsposition als am Sonntag gegen den THW«, sagt Matschke. »Die werden uns zum Favoriten machen und haben ihrerseits nichts zu verlieren«, ergänzt der 39-Jährige, der nach überstandener Corona-Infektion in den vergangenen Tagen selbst einige Energiekörner eingebüßt hat.

»Das war schon sehr anstrengend, physisch als auch für den Kopf«, stürmte der Mann, der die HSG in den vergangenen Wochen mit einem grandiosen 8:2-Punkte-Lauf bis auf Rang fünf der Tabelle nach vorne pushte, bei der neuerlichen Gala gegen Kiel von quasi null zu Hause auf hundert in der Rittal-Arena. Der 29:27-Coup gegen den Rekordmeister ist analysiert, besprochen und abgehakt. »Auf den Lorbeeren können und wollen sich meine Spieler gar nicht ausruhen. Die wissen genau, was sie in Minden und dann auch am Montag in Lübbecke noch erreichen wollen. Wir sind voll fokussiert auf Minden«, schildert Matschke die Stimmung im Training. »Die Jungs wollen das finalisieren«, benutzt der Wetzlarer Cheftrainer eines seiner Lieblingsverben der vergangenen Wochen. Mit zwei Punkten an diesem Mittwoch und dann 21:13 Zählern nach 17 Partien hätte Matschke seine bei der HSG berühmt gewordenen Vorgänger Velimir Petkovic und Kai Wandschneider in Sachen Vorrundenbilanz sogar getoppt.

Doch wie schon erwähnt, werden die vorletzten 60 Bundesliga-Minuten vor der Winterpause kein Spaziergang. Zumal die Mindener sich nach neun (!) Niederlagen in den ersten neun Saisonspielen langsam aber sicher doch ein wenig Licht am dunklen Horizont erblicken. Zuletzt der Erfolg gegen den Bergischen HC, dann das Weiterkommen im Pokal gegen Göppingen und am Wochenende dann der Auswärtstriumph in Leipzig - Trainer Frank Carstens scheint den im Sommer auf vielen Positionen veränderten Kader des früheren Meisters und Pokalsiegers (als Grün-Weiß Dankersen) mehr und mehr zu einer funktionierenden Einheit zu formen. »Jetzt geht es darum, die technischen Fehler wieder zu reduzieren. Denn die sind in den letzten Spielen wieder nach oben gegangen«, sagt der frühere Bundestrainer vor dem Duell mit Wetzlar. »Es wird für uns natürlich interessant, wie wir als für Bundesligaverhältnisse eher klein gewachsene Mannschaft gegen die großen Deckungsspieler der HSG in die Zwischenräume kommen. Wenn du Spieler wie Sagosen aufhalten kannst, dann zeugt das schon von Qualität«, weiß Carstens, der sich im Tor auf Malte Semisch und im Spielaufbau vor allem auf Niklas Pieczkowski verlassen kann.

Die HSG reist mit kompletter Mannschaft an die Weser. »Drei Trainingseinheiten, zwei Spiele, dann ist erstmal Pause«, sagte Ben Matschke am Dienstag. Knappe 30 Stunden, bevor er mit den Wetzlarern auch in Minden sein Glück beim Spielen finden will.

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