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Forderungen an die Politik

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Sommer 2021: Kleine Tore, kleine Felder. Testlauf für die neue Spielform in Lich. © Wißner

Gießen. Es ist keine große Überraschung mehr, dass es so kommt, aber jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht: Mit Beginn der Saison 2024/2025 wird die Regelung zu neuen Spielformen im Kinderfußball bundesweit in Kraft treten.

Dafür haben sich die Delegierten beim DFB-Bundesjugendtag, der am Wochenende in der Sportschule Duisburg-Wedau über die Bühne ging, einstimmig ausgesprochen. Der Bundesjugendtag folgt mit seiner Empfehlung dem Jugendausschuss und Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball. Der offizielle Beschluss bei dem am 11. März stattfindenden DFB-Bundestag gilt als reine Formsache.

Bereits seit zwei Jahren haben sich die Landesverbände flächendeckend mit den neuen Spielformen in Pilotprojekten auf freiwilliger Basis befasst, wurden diese den Jugendfußballverantwortlichen von den Kreisjugendfußballwarten erläutert und in Praxis wie Theorie näher gebracht.

Kleinere Spielfelder, minimierte Mannschaftsgrößen, dafür schon mal ein Spiel auf vier Mini-Tore mit Teams von drei gegen drei Nachwuchskickern, die dazu noch in fester Rotation wechseln. So soll künftig der Fußball bei den U6- bis U10-Mannschaften aussehen. Zudem trifft nicht zwangsläufig, wie bei den althergebrachten Formaten, Mannschaft A auf Mannschaft B, sondern es werden mehrere Vereine bei einem Spielfest auf unterschiedlich vielen Feldern gegeneinander kicken. Zudem weniger leistungsbezogen und ergebnisorientiert, ohne Tabelle und feste Wertung bei G- und F-Junioren. Bei der E-Jugend wird zudem eine wohl abgeschwächte Variante der neuen Formen (ehemals »Funino« genannt) greifen. Bis maximal Sieben-gegen-Sieben wird dann auf Kleinfeldtore gespielt. Damit soll »mit weniger Leistungsdruck und einer kindgerechten Art des Fußballs der Spaß am Spiel nachhaltig gefördert« werden, heißt es in dem Positionspapier des Bundesjugendtags. Ronny Zimmermann, beim Deutschen Fußball-Bund als Vize für den Kinder- und Jugendfußball zuständig, sagt, dass »die neuen Spielformen allen auf dem Platz so häufig wie möglich die Chance geben sollen, den Ball selbst am Fuß zu haben. Diese Maßnahmen sollen die individuelle sportliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auf spielerischem Weg fördern (…). Die Reform soll den gesamten Fußball und seine Vereine an der Basis langfristig stärken.«

Doch es gibt auch kritische Stimmen unter Jugendfußball-Trainern. So monierten bei der Gießener Jugendfußballsitzung im vergangen Sommer einige Vereinsvertreter, dass »man neben den neuen Spielformen auch die normalen Begegnungen weiter zulassen« solle, weil das »viel näher am Fußball ist« und »den Vereinen für die Spielfeste oft auch die Manpower« fehle. Gießens Kreisjugendwart Klaus-Jürgen Schretzlmaier (Lich) »kann die neuen Spielformen bei der G- und F-Jugend nachvollziehen, bei den E-Junioren sehe ich das nicht unbedingt. Deshalb werden wir das auch solange wie möglich auf freiwilliger Basis machen. Allerdings ist es gut, dass die Vereine die neuen Formen jetzt schon kennengelernt und eingeübt haben«. Die Möglichkeit dazu gab es im Fußballkreis Gießen bereits mehrfach, zuletzt im Sommer 2021 bei Veranstaltungen in Lich und Langgöns. Erik Förster, Trainer der G-Junioren beim MTV 1846 Gießen, der bereits ein paar Spielfeste hinter sich hat, sieht die Sache positiv: »Das kam auch bei den anderen Trainern gut an, die Kids haben viel mehr Spielzeit und Ballkontakte. Der Spaß steht hier eindeutig vor dem Ergebnis.«

Von Spaß war beim Bundesjugendtag in der Sportschule Wedau angesichts der Corona-Pandemie und (zahlenmäßigen) Entwicklungen wenig zu spüren.

Die Veranstaltung schloss vielmehr mit Appell-Charakter: »Die Corona-Pandemie hat uns mehr denn je gezeigt, wie wichtig Sport und Bewegung sind, wie viel uns fehlt und welche Probleme entstehen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen.«

Deshalb ging der Bundesjugendtag nicht auseinander, ohne die Politik und Gesamtgesellschaft in die Pflicht zu nehmen. Die dort postulierten Forderungen lauten: Mehr Sportunterricht an Schulen. Mehr Anerkennung für Breitensport und seine Ehrenamtlichen. Weniger Bürokratie für die Vereine in der Nachwuchsarbeit.

Darüber hinaus werden diese plakativen Appelle in ausführlichen Positionspapieren konkretisiert, so zum Beispiel, dass »Kinderrechte ins Grundgesetz« aufgenommen werden sollen, damit u.a. bei »Entscheidungen von Behörden mehr Einfluss« möglich sei, etwa Sport- und Spielplätze« vorrangig zu behandeln.

Nicht zufällig lautet die letzte Forderung des Bundesjugendtages: »Keine Sportverbote mehr.« Da klang sie wieder durch, die Pandemie. Denn genau an diesem Punkt hatten DFB und der Deutsche Olympische Sport Bund (DOSB) die dicksten Bretter zu bohren, um sich in der Politik überhaupt Gehör zu verschaffen. Das Trainings- und Sportverbot für Kinder und Jugendliche auch unter freiem Himmel war eine der umstrittensten und sicher fragwürdigsten Maßnahmen der vergangenen beiden Corona-Jahre.

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gispor_2501_kinderfussball_1 © Red

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