FSV Wolf: Mit einem DDR-Trainer zum Titelgewinn

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WOLF - Erwin Klahr kann sich noch genau an seine erste Meisterschaft erinnern. "Ich war ein ganz junger Kerl im Tor des FSV Wolf. Wir machten damals mit einem 4:1-Sieg in Eckartsborn den Titelgewinn in der damaligen B-Klasse Süd Büdingen perfekt", berichtet der frühere FSV-Torhüter. In der Saison 1967/68, Klahr war gerade einmal 20 Jahre alt, konnte Wolf nichts und niemand aufhalten.

Mit 132:29 Toren und 50:6 Punkten dominierte der 1946 gegründete Club die Liga. Und kam dementsprechend früh in der Saison zu Titelehren. Mit einem Autokonvoi von über 40 Wagen wurde die Mannschaft nach dem Triumph in Eckartsborn nach Wolf geleitet.

Das I-Tüpfelchen auf die Saison sollte etwas später folgen. "Da es zu dieser Zeit drei B-Klassen gab, spielten wir mit Fauerbach und Michelau noch den Kreismeister aus und holten uns den Titel", sagt Klahr, der gerne an die ausschweifende Feier im Gasthaus Trieber zurückdenkt.

57 Tore von Eckhardt

Auffälligster Akteur des damaligen Meisterteams war sicherlich Günter Eckhardt, der 57 der 132 Ligatreffer erzielte. Der "Star" der Mannschaft saß allerdings auf der Trainerbank. Es war der ehemalige DDR-Torhüter Rolf Jahn, der 1955 mit Turbine Erfurt Meister wurde. Unvergessen bleibt sein einziger Einsatz in der Fußball-Nationalmannschaft der DDR vor 110 000 Zuschauern. Jahn verletzte sich im Weltmeisterschaftsqualifikationsspiel gegen die damalige Tschechoslowakei (1:4) bereits nach fünf Minuten schwer an der Wirbelsäule. Er musste jedoch die restlichen 85 Minuten durchhalten, weil 1957 noch keine Wechsel erlaubt waren. Im Anschluss an dieses Spiel stellten die Ärzte im Krankenhaus einen Einriss am vierten Lendenwirbel fest. Jahn spielte nie wieder höherklassig Fußball. Dafür packte er 1961, noch vor dem Mauerbau, seine Koffer und zog nach Hessen. Hier arbeitete er als Lehrer und Trainer bei verschiedenen unterklassigen Vereinen.

"Rolf Jahn war ein strenger und disziplinierte Trainer. Die Haare sollten höchstens Streichholzlänge haben, heute wäre das in Ordnung. Damals war aber Beatle-Look angesagt, wir trugen die Haare teilweise bis zur Schulter. Das gab immer Ärger mit dem Trainer", plaudert Klahr aus dem Nähkästchen und stellte klar: "Auch wenn es mit Jahn nicht immer einfach war, das FSV-Team lernte in dieser Zeit viel vom ehemaligen DDR-Nationaltorhüter."

Training auf Dielenboden

Als "etwas kompliziert" bezeichnet der damalige Wolfer Keeper auch das Training im Herbst bei schlechtem Wetter. "Auf den Platz durften wir nicht, weil wir den Rasen zum Acker gemacht hätten. Karl-Heinz Nos vom Spielausschuss stellte deshalb seinen alten Saal zur Verfügung. Das bedeutete für mich Torwarttraining auf dem harten Dielenboden. Das kann man sich heute gar nicht vorstellen. Trotzdem hatten wir viel Spaß."

Genauso wie in der Saison darauf an einem Faschingswochenende, als der FSV quasi eine Spielabsage provozierte: "Der Platz war gefroren und hatte im Strafraum eine kleine Eisfläche, die man ohne große Probleme hätte entfernen können. Wir Spieler hatten natürlich den sogenannte Kinderfasching im Kopf, da war immer die Hölle los. Ruckzuck hatten wir den Schiedsrichter überzeugt, dass ein Spiel auf diesem Platz viel zu gefährlich sei. Schiedsrichter war der gute Georg Engler aus Schwalheim, den haben wir natürlich mitgenommen in den Saal vom Vereinslokal Trieber", erzählt Klahr. Derby-Gegner SV Phönix Düdelsheim fand es nicht so lustig. Der SVP-Spielausschussvorsitzende Fritz Kröll schimpfte wie ein Rohrspatz. Genutzt habe es aber nichts. An jenem Sonntag wurde gefeiert - und nicht gespielt.

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