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Fünf Euro ins Schwein

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Von: Alexander Fischer

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Den Ball im Blick, Leverkusen vor Augen: Jordan Barnes tritt heute mit den 46ers im Rheinland an. Foto: Schepp © Schepp

Gießen. Eigentlich steht Branislav Ignjatovic in diesen Tagen nicht der Sinn nach Basketball. Ein Trauerfall in der Familie hat dem Coach der Gießen 46ers zugesetzt. Kurzzeitig wollte sich der 56-Jährige sogar ins Auto setzen und nach Hause nach Belgrad fahren. »Ich kann die Jungs aber nicht allein lassen. Dafür stehen im Januar viel zu viele sehr wichtige Spiele für uns auf dem Programm.

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Bayer Leverkusen - Gießen 46ers (Heute, 19.30 Uhr)

Das erste von fünf heute Abend (19.30 Uhr, Ostermann-Arena) bei den Bayer Giants Leverkusen, dem Sensations-Schlusslicht der 2. Bundesliga. Von einer leichten Aufgabe geschweige denn von einem Januar, in dem ausschließlich lösbare Aufgaben auf den Erstliga-Absteiger warten, will Ignjatovic aber nichts wissen. »Ich zahle gerne fünf Euro in irgendein Phrasenschwein«, lacht der Gießener Hoffnungsträger. »Aber die 2. Liga ist so ausgeglichen besetzt wie noch nie. Jeder kann jeden schlagen. Da denke ich nur von Spiel zu Spiel.« Der 46ers-Trainer glaubt allerdings, dass die großen Zeiten unter dem Bayer-Kreuz vorbei seien, dass sich das Team von Ex-Nationalspieler Hansi Gnad aber mit aller Macht gegen den drohenden Abstieg stemmen wird. »Vor zwei Jahren standen sie noch gegen mich und die von mir gecoachten MLP Acadamics Heidelberg im ProA-Finale, letzte Saison haben sie es in den Playoffs bis unter die letzten Vier geschafft, in dieser Spielzeit aber ist bei denen den Wurm drin«, ist »Frenki« Ignjatovic einigermaßen verwundert, dass die Rheinländer erst zwei Siege aus 14 Partien einfahren konnten und zuletzt siebenmal in Serie verloren haben.

Der letzte Erfolg datiert vom 16. November, wobei das 95:88 gegen Ex-Titelaspirant SC Medipolis Jena verrät, zu was die Farbenstädter fähig sind. Auch gegen Tabellenführer Rasta Vechta lagen sie kurz vor Weihnachten noch mit 20 Punkten in Führung, ehe sie sich unglücklich mit 73:77 beugen mussten. So dass Ignjatovic warnt: »Leverkusen ist keine Laufkundschaft. Sie brauchen wahrscheinlich noch zehn Siege, müssen also theoretisch jedes zweite Match gewinnen. Hoffentlich beginnen sie mit einer Serie erst nach der Partie gegen uns.«

Die 46ers beendeten das Jahr mit einem 101:95-Erfolg gegen Jena. Die folgenden beiden freien Tage, aber auch die Trainingseinheiten an Silvester und Neujahr, nutzte der an der Schulter verletzte Igor Cvorovic, um sich wieder ans Team heranzuarbeiten. Für einen Einsatz in Leverkusen wird es jedoch noch nicht reichen, Ignjatovic plant mit ihm eher am Sonntag (16 Uhr) in der Sporthalle Ost gegen die ART Giants Düsseldorf.

Mit Dennis Heinzmann fehlt Leverkusen ebenfalls ein wichtiger großer Spieler. Deshalb wurde Hansi Gnad noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv. Am Montag schloss sich Nick Hornsby dem Rekordmeister an. Der US-Amerikaner mit Gießener Rackelos-Vergangenheit führte die Giants einst in die ProA und etablierte den Traditionsclub in der Liga. Der 27-Jährige war zuletzt in der NBA-G-League für die Capital City GoGo, dem Farmteam der Washington Wizards, aktiv. Am Dienstag schließlich holte Leverkusen mit Gabriel de Oliveira von Bundesligist Rostock Seawolves einen 2,06 Meter großen Center an den Rhein, an dem auch »Frenki« Ignjatovic Interesse hatte, zumal der gebürtige Brasilianer einen deutschen Pass besitzt.

Neben Hornsby und de Oliveira ist Leverkusen auch mit dem Ex-Göttinger Haris Hujic sowie dem aus Crailsheim an den Rhein gewechselten Dejan Kovacevic hochkarätig besetzt. Mit dem kanadischen Nationalspieler Kadre Gray hat Gnad seinen Kader bereits Ende November aufgefrischt. Dessen Verpflichtung trägt langsam Früchte, denn der Combo-Guard erzielte im letzten Spiel 19 Zähler und präsentiert auch ansonsten mit elf Punkten und durchschnittlich vier Rebounds solide Werte. Sein Landsmann Abdul Mohamed (zehn Zähler, sieben Rebounds) und Aufbauspieler Xavier Bishop (elf Punkte, vier Rebounds) sind weitere Aktivposten unter dem Bayer-Kreuz, die es für die 46ers auszuschalten gilt.

Ohne Igor Cvorovic reist Gießen mit einer kleinen Rotation an den Rhein. Ignjatovic schließt allerdings nicht aus, dass sein Team vor der Schließung des Transferfensters Ende Januar noch einmal personell aktiv wird. Ein Auge hatte der Serbe auf Collin Welp von den Würzburg Baskets, dem Sohn des leider viel zu früh verstorbenen EM-Helden von 1993, Christian Welp, geworfen. Der Bundesliga-Rookie, der aus Irvine von der University of California kam, spielt bei den Mainfranken kaum eine Rolle. Sein Agent gab Ignjatovic trotz intensiver Gespräche rund um den Jahreswechsel allerdings einen Korb.

Irgendwie steht »Frenki« trotz eines Trauerfalls in der Familie also doch der Kopf nach Basketball …

Der bei den Gießen 46ers kurz vor Heiligabend aussortierte Maximilian Begue hat einen neuen Arbeitgeber gefunden. Der 21-Jährige trägt künftig das Trikot der SBB Baskets Wolmirstedt in der drittklassigen ProB, Gruppe Nord. Schon beim 63:60-Erfolg der Truppe aus der Kleinstadt 15 Kilometer nördlich von Magdeburg bei den TKS 49ers, einer Spielgemeinschaft aus Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf in Brandenburg vor den Toren Berlins, stand Begue 23 Minuten auf dem Feld, traf allerdings nur einen Freiwurf. Wolmirstedt, eigentlich als Titelfavorit in die Saison gestartet, liegt mit sechs Siegen aus elf Partien derzeit nur auf Platz sechs des Tableaus, bei dem die Gießen Pointers das Schlusslicht bilden. (afi)

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