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Fünf Weltmeister an der Neumühle

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Das Plakat zum Freundschaftsspiel: Ein einmaliges Souvenir aus dem Fundus des Alt-Teutonen Peter Gänßler. Foto: Schmandt © Schmandt

Pohlheim. »1927 Teutonia«, heute ist es nur noch ein kleingeschriebener Zusatz im offiziellen Vereinsnamen des FC Gießen und für die Jüngeren wird man wahrscheinlich bereits erklären müssen, dass der 1927 gegründete Fußballverein aus Watzenborn-Steinberg einmal einer der erfolgreichsten Clubs im Fußballkreis Gießen gewesen ist.

Diverse Meisterschaften auf Kreis- und Bezirksebene, Spiele um den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse und zuletzt die Hessenmeisterschaft und der Aufstieg in die Regionalliga, die Erfolgsliste der Teutonen ist lang.

Zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte zählt aber ohne Zweifel auch ein Freundschaftsspiel, das heute vor genau 70 Jahren stattgefunden hat und zu dem damals Tausende von nah und fern trotz Regen an den Sportplatz an der Neumühle pilgerten.

6000 Zuschauer

Die Rede ist vom Gastspiel des 1. FC Kaiserslautern, der am 17. August 1952, damals ein Sonntag, im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25-jährugen Gründungsjubiläum der Teutonia seine Aufwartung machte. Im Vorjahr waren die Pfälzer erstmals Deutscher Meister geworden und ihr Star hieß Fritz Walter. Der damals 31-Jährige, der bereits 1940 sein erstes Länderspiel bestritten hatte, führte nicht nur glänzend Regie, sondern überzeugte auch immer noch als Vollstrecker. Nicht umsonst hatte Bundestrainer Sepp Herberger gerade ihn als Kopf seiner neuen Nationalelf auserkoren.

Aber auch Walters Bruder Ottmar, Werner Kohlmeyer und Werner Liebrich zählten schon zum Kreis der Nationalspieler und bald sollte auch noch der unlängst verstorbene Horst Eckel folgen. Was damals niemand der rund 6000 Zuschauer ahnte, keine zwei Jahre später sollten diese fünf Spieler des 1. FC Kaiserslautern den Kern der Mannschaft bilden, die in Bern Fußballweltmeister wurde.

Dass Kaiserslautern seinerzeit eine Ausnahmemannschaft hatte, musste auch die Teutonia erfahren, denn beim Abpfiff stand es sage und schreibe 15:2. Die Presse sprach später von »Lauterer Fußballkunst in höchster Vollendung« und lobte vor allem das traumhaft sichere Passspiel der Elf aus der Pfalz.

Ottmar Walter erzielte alleine fünf Tore und Bruder Fritz war dreimal erfolgreich. Aber er FCK wusste andererseits auch, was sich gehört, und so konnten sich in der zweiten Halbzeit schließlich auch noch die Teutonen Luh und May in die Torschützenliste eintragen, um das Ganze ein wenig erträglicher zu gestalten.

Brüder im Torrausch

Für die Teutonia wie auch für das heimische Publikum war das Spiel aber in jedem Fall ein Erlebnis, zumal die hohe Niederlage auch keine Auswirkungen auf den Ligaalltag hatte, belegte die Mannschaft doch auch in der Saison 1952/53 wieder einen Spitzenplatz in der 2. Amateurliga. Noch besser lief es hingegen für die Pfälzer, die eine Woche nach dem Spiel an der Neumühle mit einem 8:0 über den FV Engers in die Saison starteten, an deren Ende der zweite deutsche Meistertitel stehen sollte.

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