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Fußball geht auch anders

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Wer es nicht mehr zur Austellung schafft, für den gibt’s zumindest den Begleitband. © Red

Irgendwann konnte man sie einfach nicht mehr hören, diese ganzen Moderatoren, Experten und Kommentatoren, die einem während der Weltmeisterschaft in Katar ohne Unterlass die Fußballwelt erklärt haben und die schließlich, angeführt von den Verantwortlichen im DFB, zu der Erkenntnis kamen, der deutschen Mannschaft fehle es keineswegs an Qualität. Ja sicher, denkt man, genau aus diesem Grund ist sie jetzt auch zum zweiten Mal in Folge schon in der Vorrunde des Weltturniers ausgeschieden.

Da ist es sozusagen eine Wohltat, dass es auch noch Menschen gibt, die sich dem Thema Fußball auf ganz andere Weise nähern, wie etwa die Verantwortlichen des Staatlichen Museums für Archäologie in Chemnitz, die seit Ende November die Ausstellung »Heim-Spiel« zeigen, die sich der Geschichte und Entwicklung der Tischfußballspiele im vordigitalen Zeitalter widmet.

Tischfußball, da denkt man vermutlich zunächst an den Kicker, der früher im rauchgeschwängerten Nebenzimmer vieler Gastwirtschaften stand und heute als Krone einer mitarbeiterorientierten Unternehmensphilosophie in so manchem Start Up wieder zu Ehren gekommen ist. Das wird dem Thema aber alles andere als gerecht, denn, so der Experte und Sammler Hans-Peter Hock, »es hat seit Ende des 19. Jahrhunderts über 1000 verschiedene Tischfußballspiele gegeben.« Das erste stammt, wenn wundert’s, aus England und kam bereits ein Jahr bevor dort 1895 der Profifußball eingeführt wurde auf den Markt. Es waren jeweils elf Bleifiguren in den Farben der Blackburn Rovers und des Preston North End FC, die auf einem faltbaren Spielfeld aufgestellt wurden.

1908 gab es dann auch in Deutschland ein erstes vergleichbares Tischfußballspiel, das von einer in Frankfurt am Main ansässigen Firma hergestellt wurde und dass man sich wohl als eine Art von Würfelspiel vorstellen muss. Seinerzeit kostete es in einer Luxusausgabe stolze 15 Reichsmark und war damit für den einfachen Mann nahezu unerschwinglich.

Zu einem wahren Klassiker entwickelte sich später »Tipp-Kick«, das bereits 1921 von einem Stuttgarter Möbelfabrikanten zum Patent angemeldet wurde. Neu war die Idee, zwei Mannschaften, die jeweils aus einem Torwart und einem Feldspieler bestanden, zusammen mit einem Spielfeld, zwei Toren und einem zweifarbigen Ball anzubieten, wobei der Feldspieler mit seinem beweglichen Bein auch richtig schießen konnte. Später erwarb dann der Schwenninger Kaufmann Erwin Mieg die Lizenz, führte die Idee zur Serienreife und stellte das Spiel 1924 erstmals der Öffentlichkeit vor. Tipp-Kick ist aber nur eines von rund 50 Tischfußballspielen, die in der Ausstellung präsentiert werden, darunter natürlich auch Exponate aus der DDR oder den ehemaligen Ostblockstaaten Ungarn und der der CSSR wie etwa das »Fußball Spiel für Jung und Alt« oder das »Magnetische Fußballspiel«.

Vielleicht verschlägt es den einen oder anderen Leser ja in den Weihnachtsferien ins Sächsische - Chemnitz ist übrigens eine Stadt, die auch eine lange Fußballtradition vorzuweisen hat - und er nutzt die Gelegenheit zu einem Abstecher in die Ausstellung, die - bei übrigens freiem Eintritt - noch bis zum 8. Januar zu sehen sein wird. Für alle anderen gibt es einen kleinen und liebevoll gestalteten Begleitband, den Hans-Peter Hock verfasst hat und der zum Preis von 9,80 Euro über den Museumsshop zu beziehen ist. Denn wie hat schon der große Loriot in seinem berühmten Sketch über das Skatspiel der Herrn Striebel, Vogel und Moosbach gesagt: »Spielen richtig verstanden ist etwas Wunderschönes.«

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