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»Fußball wie man ihn sich wünscht«

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Sevilla (pep). Nein, diesen Sieg wollte sich Oliver Glasner nun wirklich nicht kleinreden lassen. Das 2:1 (2:1) im Achtelfinal-Hinspiel der Europa-League bei Betis Sevilla hat den Trainer der Frankfurter Eintracht stolz und glücklich gemacht.

»Es war ein großartiger Europa-League-Abend mit einer fantastischen Leistung. Dafür ein Riesenkompliment an die Mannschaft«, sagte Glasner. Dass der Sieg zu knapp ausgefallen war und damit berechtigte Zweifel aufs Weiterkommen bleiben, störe ihn überhaupt nicht. »Das ist Jammern auf hohem Niveau«, sagte der Eintracht-Coach und kündigte an, den Sieg unter anderem mit einem Gläschen Rotwein zu genießen.

Von Euphorie waren sie bei der Eintracht trotz des Sieges weit entfernt. Glasner: »Es ist ja erst Halbzeit.« Als Warnung dürfen die Resultate von Betis in den jüngsten Play-off-Spielen gelten. Da haben die Spanier zu Hause gegen St. Petersburg 0:0 gespielt, in Russland aber mit 3:2 gewonnen.

Die Gesamtgemengelage hatten auch die Spieler im Kopf. »Der Stolz überwiegt. Hätte uns vor dem Spiel jemand gesagt, dass wir 2:1 gewinnen, hätten wir es sofort genommen«, sagte Kapitän Kevin Trapp, der zwischen den Pfosten kaum einmal ernsthaft geprüft wurde, »wenn man sieht, welche Chancen wir hatten, ist es etwas schade, dass es nicht höher ausgegangen ist.« Das habe in erster Linie Betis-Keeper Claudio Bravo verhindert. »Bei ihm kann sich Betis bedanken«, lobte Trapp den Kollegen.

Aber natürlich hatte es auch an den Frankfurter Angreifern gelegen, in erster Linie an Rafael Borré, der nicht nur einen Elfmeter ziemlich leichtfertig vergeben, sondern auch bei zwei weiteren dicken Gelegenheiten seine Nerven nicht unter Kontrolle hatte.

Doch der Kolumbianer Borré stand auch für die gute, für die sehr starke Seite dieser Frankfurter Mannschaft. Er rannte und kämpfte und setzte den Gegner immer wieder als Erster unter Druck. Alle anderen machten mit. Sportvorstand Markus Krösche hatte »ein richtig gutes Spiel« seiner Mannschaft gesehen, »wir haben Betis zu Fehlern gezwungen.« Die Spanier hatten einen ganz feinen Ball gespielt, angeführt vom überragenden französischen Nationalspieler Nabil Fekir (Sow: »Einen solchen Spieler gibt es in der Bundesliga nicht«), aber die Eintracht und ihr Trainer hatten die richtigen Mittel dagegen gefunden. Schnell ging es nach vorne, die Betis-Abwehr wurde immer attackiert, kam nie zur Ruhe. Wie die Frankfurter übrigens auch. »Die haben uns ganz schön laufen lassen«, schnaufte Abwehrchef Martin Hinteregger.

Dass die Eintracht wieder guten Fußball spielt, hat neben dem gestiegenen Selbstvertrauen nach dem 4:1 von Berlin vor allem einen weiteren Grund. Die Leistungsträger sind wieder in Form gekommen. Trapp war das eh schon, aber jetzt spielt auch wieder Hinteregger solide. Djibril Sow war der beste Mann auf dem Platz, hatte bei beiden Treffern in der Vorbereitung die Füße im Spiel. Kostic flankt und spielt wieder wie eben Kostic so spielt. Und er hat getroffen. Eine weite Flanke war zum 1:0 ins Tor gesegelt. Absicht oder Zufall? »Natürlich wollte Filip das genau so«, sagte Glasner schmunzelnd.

Daichi Kamada spielt international aus unerfindlichen Gründen sowieso besser als national. Dazu haben sich zwei junge Wilde erneut zu Klasseleistungen aufgeschwungen. Der Brasilianer Tuta verteidigt nicht mehr nur gut, er treibt jetzt auch das Spiel nach vorne an. »Er hat einen Riesensatz gemacht«, lobte der Trainer. Und der Däne Jesper Lindström fliegt über den Platz wie der Wind. Er hat das zweite Tor vorbereitet und den Elfmeter rausgeholt. »Wir sind wieder besser in Form gekommen und das genau zur richtigen Zeit«, sagte Sow sehr treffend.

Warum vieles auswärts besser klappt als zu Hause, darüber rätseln sie noch ein bisschen. Im Europapokal hat die Eintracht keines ihrer vier Auswärtsspiele verloren. In der Bundesliga hat sie keines ihrer letzten vier Heimspiele gewonnen. »Es ist Zeit, daran was zu ändern, wir haben jetzt zwei Heimspiele«, wollte sich der Trainer auch auf diese Diskussion nicht einlassen.

Am Sonntag wartet der VfL Bochum und wird ganz andere Aufgaben stellen als Betis. Und am Donnerstag kommen die Spanier zum Rückspiel. »Noch ist nichts verloren«, hat deren erfahrener Trainer Manuel Pellegrini gesagt.

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